Lippertskirchen – Trotz dichter Nebeldecke und eher frostigen Temperaturen war es nach Meinung beteiligter Reiter sowie zahlreicher Zuschauer am Rande des Prozessionszuges wieder eine sehr schöne Leonhardiwallfahrt, die gestern in Lippertskirchen stattfand.
Die Patronin des Pfarrverbands Maria Morgenstern sorgte bei regenfreien Verhältnissen auf der Köglwiese auch so für eine beeindruckende Kulisse für die sauber herausgeputzten Pferden, festlich geschmückten Kutschen und Gespanne. Treu der Tradition saßen auf den Wägen in ihrer typischen Tracht gekleidete Dirndl, Frauen und Männer.
Fürsprache und
Segen erbeten
Sie alle waren gekommen, um den legendären Diakon und Abt aus Noblat bei Limoges, St. Leonhard, um Fürsprache und Segen zu bitten. Unter ihnen auch die Präsidentin des Bayerischen Landtags Ilse Aigner, Landtagsabgeordneter Otto Lederer, die Bad Feilnbacher Gemeindeoberhäupter Anton Wallner, Josef Rauscher und Sebastian Obermaier sowie Bürgermeister der umliegenden Gemeinden. Die Feierlichkeiten am Feldaltar bereicherten neben der politischen Prominenz die Fahnenabordnungen der Vereine sowie die Gebirgsschützenkompanie Bad Aibling.
Nach gutem Brauch umrahmte die Musikkapelle Bad Feilnbach unter der Leitung von Stefan Kirchberger mit der deutschen Messe von Franz Schubert die Messfeier.
Leonhard, der „Löwenstarke“
Wie Pfarrer Ernst Kögler in seiner Predigt einleitend beschrieb, war Leonhard vom hohen Geblüt im Umkreis des gallisch-fränkischen Merowingerkönigs Chlodwigs I. und lebte etwa 500 nach Christus. Der Schutzheilige von Ross, Reitern, Fuhrleuten und Rossknechten sowie der Gefangenen und Wöchnerinnen bevorzugte der Legende nach die Einsamkeit und Stille des Waldes. Dort lernte er über Jahre hinweg auf die Schöpfung und den Schöpfer zu „hören“.
In die Stille hören sei heute, wo sehr viel über Dialog und Toleranz geredet werde, sowohl in der Gesellschaft als auch die Kirche betreffend fast abhandengekommen, so der Geistliche. Leonhard bedeute, so Kögler weiter, soviel wie der „Löwenstarke“, der die innere Kraft von Gott als Schöpfer zugewiesen bekam und einen anderen als den ausgetretenen Weg gegangen sei. Sein Ziel – für die Menschen als Botschaft dienend – sei es gewesen, aus den Niederungen in Gottes Weite und Höhe zu gehen. Der anschließende zweimalige Umritt in Lippertskirchen, verfolgt von überaus zahlreichen Besuchern am Rand des Wallfahrtsweges, war herrlich anzusehen.
Gemäß der Tradition spendete Pfarrer Ernst Kögler an der Mauer der Wallfahrtskirche Maria Morgenstern den Segen an die vorbeiziehenden Pferde und prachtvollen Gespanne, an die Teilnehmer auf den prachtvoll geschmückten Kutschen und gebundenen Wagen, die Ponys sowie die Einzelreiter. Der Segen wurde dem Brauch folgend mit dem Kreuzzeichen erwidert.