Prutting – „Viermal hat mich der Schwiegervater abgewiesen“, aber dann hat er doch erkannt, dass er machtlos gegen die Liebe seiner Tochter Maria und dem drei Jahre älteren „Sachebauer“ Johann ist: „Er hat gesagt, die weint nur noch…“ Und so durfte er sie doch heiraten, seine Maria vom Westermoar-Hof in Prutting. Sie lächelt in Erinnerung an die Hochzeit vor 60 Jahren: „Fresien und Maiglöckchen waren in meinem Hochzeitsstrauß, und jetzt, zur Diamantenen, habe ich auch wieder so einen Strauß bekommen.“ Es sei eine harte Zeit damals gewesen, wir sind arm aufgewachsen“, erzählt er.
In 60 Jahren
viel aufgebaut
Seine Eltern waren beide früh verstorben, zusammen mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Burgl (die dieser Tage auch mit ihrem 60. Hochzeitstag feierte, wir berichteten) habe er sich um den kleinen Hof und seine beiden jüngeren Schwestern, davon eine pflegebedürftig, gekümmert. Mit der Zustimmung zur Heirat wurde die Liebe offiziell, wenngleich sich die beiden im Kirchenchor, bei der Landjugend und wohl auch heimlich schon vorher trafen. Viel haben die beiden in 60 Jahren gemeinsam geschafft: Auf dem Nendlberg den Hof ausgebaut und vergrößert, aber wichtiger sind beiden ihre große Kinder- und Enkelschar. Im Kreise der Familie mit fünf Kindern und sieben Enkeln feierten Maria und Hans Stöttner in der Wallfahrtskirche Kirchwald, oberhalb von Nußdorf, diamantene Hochzeit.
Für die beiden ein besonderer Ort: Hier haben sie sich damals verlobt, und hier haben sie auch ihre silberne und goldene Hochzeit gefeiert. „Pfarrer Peter Demmelmeier, ein Freund der Familie, hat den Gedenkgottesdienst gehalten, und unsere Kinder und Enkelkinder haben dazu musiziert,“ schwärmt die Braut, während er von der Buche vor der Kirche berichtet, in deren Rinde er nicht nur ein Herz, sondern auch fünf Wiegen schnitzte, und die dort immer noch „eingraviert“ sind. Neben der vielen Arbeit auf dem Hof hat er, der landwirtschaftliche Lehrmeister, sich auch politisch engagiert und zahlreiche Ämter und Aufgaben für die Allgemeinheit übernommen. Seit knapp 60 Jahren ist er bei der CSU und hat sich auf den verschiedensten Ebenen als Gemeinde-, Bezirks- und Kreisrat eingebracht.
Er war Bezirksvorsitzender der Maschinenringe Oberbayern, saß im Verwaltungsrat der Sparkasse und im Naturschutzbeirat des Landkreises, aber auch auf lokaler Ebene engagierte sich Stöttner jahrzehntelang leidenschaftlich.
Sei es der Kindergarten, die Feuerwehr (für die Pruttinger Feuerwehr war er 36 Jahre lang Kommandant und 23 Jahre betreute er als Kreisbrandmeister elf Landkreisfeuerwehren) oder der Maschinenring – überall brachte er sich „mit Herzblut“, wie er selbst sagt, ein. 2008 wurde er zum Ehrenbürger Pruttings ernannt. Seine Frau Maria unterstützte ihn bei seinem ehrenamtlichen Engagement und hielt ihm den Rücken frei. Sie kümmerte sich um die Kinder: „Jedes Kind hat Instrumente lernen wollen, das haben wir auch immer gefördert.“ Dass das viele Fahrten durch den Landkreis mit sich brachte, wischt sie beiseite. Die Familie ist ihr ein und alles. Am Sonntag hätten die Kinder immer viele Freunde mitgebracht, „da waren wir manchmal bis zu 30 Leute hier“, erinnert sie sich, und die Geselligkeit wird im Hause Stöttner bis heute gepflegt. Haus und Garten in Ordnung zu halten sind ihr nach wie vor ein Anliegen, und dass sie bis heute ihre pflegebedürftige Schwägerin pflegt, ist für sie selbstverständlich. Genauso wie es ihnen nach wie vor eigen ist, auf dem Hof mitzuarbeiten und früh aufzustehen.
Sein Lob, dass sie ein „edler und intelligenter Mensch“ sei, wehrt sie bescheiden ab. Ein Rezept für ein langes glückliches Leben gebe es nicht, sagen die beiden unisono.
Sie empfiehlt: „Einer muss nachgeben“, er gesteht ein, dass „nicht immer alles Sonnenschein“ war. Aber zusammen durch Höhen und Tiefen zu gehen, das schweiße zusammen. Beim Blick auf das schwarz-weiße Hochzeitsfoto von 1959 schwärmt er: „Sie war so schön damals“, und dann blickt er sie an: „Und das bist du auch heute noch.“