„Wer zoid, schafft o“ bei der Vogtareuther Dorfbühne

von Redaktion

Verwechslungskomödie begeistert Zuschauer – Darsteller überzeugen durch authentisches Spiel

Vogtareuth – Am Ende sieht es der Krampenschneider Bauer schon ein: „De guadn Ideen und d’hinkadan Ros kemma imma hintnache“. Am Anfang des Vogtareuther Theaterstücks „Wer zoid, schafft o“, das am Samstag Premiere hatte, glaubt er aber noch, dank seiner guten Ideen alles im Griff zu haben. Zwar hat der Ignaz (Thomas Schuster) beim Finanzamt Steuerschulden, die Pfändung steht bevor, gestanden hat er das seiner Tochter Vroni (Regina Schmidmaier) aber noch nicht. Mit ihr hat er andere Sorgen: Sie ist, wie er meint, „scho a bissal überstandig“ und bräuchte dringend ein fesches Mannsbild. Aber warum nicht beide Probleme auf einmal lösen? Schließlich ist da Freund Kaspar Hupfauf (Hans Bürger-Schuster), seines Zeichens Viehhändler und Heiratsvermittler. Wenn der seiner Tochter einen geldigen Verehrer zuschmusen würde, dann hätte die einen Mann und er mit dem Finanzamt ein Riesenproblem weniger. Allerdings kommt es, wie es bei einer typischen Verwechslungskomödie kommen muss: Als tatsächlich ein junger Mann (Michael Schwaiger als Matthias Dirrschädel) auf dem Berghof auftaucht, wird der vom Ignaz verständlicherweise für den Hochzeiter gehalten, in Wirklichkeit ist er der Finanzbeamte mit dem Auftrag der Pfändung. Soweit, schon so schlecht. Binnen Kurzem taucht dann aber natürlich noch der echte Hochzeiter (David Heinl als Sepp) auf.

Für Bauer Ignaz zunächst kein Problem, hat er halt zwei Hochzeiter statt einen. Blöd nur, dass seine Tochter keinen von beiden mag, sondern schwer verliebt ist in Knecht Luggi (Hans Bauer). Der wiederum ist von der Tatsache, dass seine Vroni allen Liebesschwüren zum Trotz offenbar nach anderen Ausschau hält, dermaßen angefressen, dass er sich bei der jungen Wanderin Evi (Johanna Maier) Trost holen muss, die wegen eines Gewitters auf dem Hof Zuflucht sucht. Etwas, das verständlicherweise bei der Vroni gar nicht gut ankommt.

Komplette
Verwirrung

In kürzester Zeit herrscht also eine dermaßen komplette Verwirrung der Gefühle auf dem Krampenschneider-Hof, dass sich der mitfühlende Zuschauer am Ende des zweiten Aktes recht bang fragt, ob das im dritten wirklich noch alles aufgelöst werden kann …

Dass der Zuschauer so mitfühlt, ist vor allem dem dichten Spiel der Vogtareuther Spielerinnen und Spieler geschuldet. Denn bei einer Verwechslungskomödie ist es wichtig, dass die Dialoge sitzen, hier muss sich wirklich punktgenau ein Wort das andere geben.

Bei diesem Stück von Florian Fink gilt das noch mehr, denn hier ist der erste Akt gewissermaßen als langsame Einführung ins Spiel aufgebaut, die vor allem vom Wortwitz lebt. Zu diesem Zweck sind extra drei weitere Personen ins Stück geschrieben: die kräuterkundige Zenz (Doris Huber) und zwei Feriengäste (Helmut Hofstetter und Barbara Feichtner als Justus und Ottilie Gramlinger), die durchs ganze Stück hindurch gewissermaßen als Sparringspartner dienen.jt

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