Stephanskirchen – „Es war grauenhaft“ erinnert sich Wolfgang Rolla an seine erste Badesaison als neuer Pächter des Kiosks am Simssee. Viele Stammgäste seien verärgert gewesen, weil der Vorgänger nicht mehr da war, schimpften und nörgelten in einer Tour. Rolla, der mit seinem Freund aus Kindertagen, mit Georg Laböck, schon zwei andere Kioske betrieb, war kurz vor dem Verzweifeln. Im Sommer 2018 hieß es dann „schee, dass‘ wieder da seids“. Seitdem läuft‘s.
Das hörten die Mitglieder des Stephanskirchener Hauptausschusses gern, schließlich ist die Gemeinde Rollas Verpächter. Weswegen sie zur „Halbzeitbilanz“ gebeten hatten. Die Rolla gerne lieferte, sprudelnd vor Anregungen, Wünschen und Ideen. Ein Wunsch: Eine bessere Bewerbung des Badeplatzes und des Kiosks durch die Gemeinde. Schon die Beschilderung sei nicht besonders gut. Da stieß er allerdings im Gremium auf wenig Gegenliebe. Die Ausschussmitglieder wollen den Badeplatz nicht überregional vermarkten, des möglicherweise zu großen Andrangs wegen. Denn der führe auch dazu, dass der Betrieb der Anlage nicht mehr kostengünstig über den gemeindlichen Bauhof abzuwickeln sei.
Leih-Leinen für feilaufende Zamperl
Freilaufende Zamperl, herumstehende Radl, herumliegende Paddelboards, Grillfeiern – immer wieder muss Rolla mit Gästen diskutieren, was erlaubt ist und was nicht, muss sich pampige Antworten gefallen lassen und die Androhung negativer Bewertungen im Internet wegstecken. Er sei recht zurückhaltend in seinen Äußerungen, so Rolla, aber es gehe ihm schon auf die Nerven. Bürgermeister Rainer Auer (parteilos), der in Jugendjahren am Kiosk jobbte, erinnert sich daran, dass es damals schon genauso war. Er sei ja offen für eine andere Lösung, wisse aber keine. Die Räte auch nicht. Sie amüsierten sich königlich, als Rolla erzählte, er habe – als Waffe gegen entsprechende Ausreden – schon Leih-Radlschlösser und Leih-Hundeleinen angeschafft.
Nächstes Problem: „Es gibt zu wenig Parkplätze, an heißen Tagen stehen die Leute kreuz und quer“. Und das, so Johannes Lessing (Die Grünen), bis hinauf zum Gocklwirt. Das Anrufsammeltaxi (AST) war laut Rolla noch nie am See zu sehen – kann allerdings wegen des sehr schlechten Mobilfunknetzes auch nicht angerufen werden. Ob es denn nicht die Möglichkeit gebe, von Stephanskirchen aus einen kleinen Pendelbus fahren zu lassen. Eine Buslinie habe es schon einmal gegeben, die sei aber wegen Passagiermangel eingestellt worden, so Stephanskirchens Geschäftsleiter Georg Plankl. Aber zum AST werde man Kontakt aufnehmen. Die zugeparkten Behindertenplätze wird Rolla künftig öfter bei der Verkehrsüberwachung melden. „Unbedingt! Es ist eine Sauerei, wenn die dort stehen“, ärgerte sich Auer.
Zwei Umkleiden und eine Dusche zu geizig
Zwei Umkleidekabinen und eine Dusche für mehrere hundert Gäste findet Rolla etwas geizig – könne die Gemeinde nicht anbauen? Eine Anregung, die angenommen wurde.
Auf offene Ohren traf auch Rollas Anregung, am Kiosk einen Info-Point, also einen Bildschirm samt Rechner, einzurichten, an dem sich Gäste – darunter viele aus Holland, Italien und England –, die zufällig am Simssee landete, über Unterkünfte, Sehenswürdigkeiten, ÖPNV-Verbinden, etc, informieren können. „Tolle Idee“, fand nicht nur Petra Hofmann (CSU).
Grandiose Idee, aber vermutlich nicht umzusetzen: Eine kleine Fähre für Fußgänger, Radl- und Rollifahrer von Baierbach hinüber nach Pietzing, betrieben vielleicht von einem Fischer-Rentner. „Das hat sonst keiner, das wäre eine echte Attraktion“, so Rolla. „Witzige Idee“, so Günter Juraschek, aber der See gehöre nicht den Gemeinden, sondern dem Seebesitzerverband. Und ob der mitspiele?
Auf Unverständnis stieß Rolla nur bei einer Sache: Er legt Wert auf „Kiosk am Simssee“, will „Kurvenwirt“ nicht, das sei so negativ besetzt. Das konnte und wollte keiner nachvollziehen. Kommunalpolitiker und Verwaltungsmitarbeiter outeten sich als zum Teil langjährige und regelmäßige Besucher des Badeplatzes und der Gastronomie, finden „Kurvenwirt“ überhaupt nicht negativ. Und der Bürgermeister, der war fast schon empört. Schließlich hat er nicht nur da gearbeitet, sondern auch seine Frau kennengelernt.