Plädoyer für einen lebendigen Glauben

von Redaktion

Pfarrer Rainer Maria Schießler zu Gast in der St.-Laurentius-Kirche in Pfaffenhofen

Schechen – Rainer Maria Schießler, Pfarrer und Bestsellerautor, begeisterte die Gottesdienstbesucher in der gut gefüllten St.-Laurentius-Kirche in Pfaffenhofen.

. ´´Der 59-jährige Geistliche erzählte die Geschichte eines zweieinhalb Jahre alten Mädchens, das oft mit seinem Vater bei ihm in der Kirche St. Maximilian sei. Einmal sei das kleine Kind hingefallen, der Vater sei hingeeilt und habe seine Tochter tröstend in den Arm genommen.

„Der Vater konnte die Beule nicht wegnehmen, aber das Mädchen hat gespürt, da ist jemand, der nur für mich da ist. Der Vater ist hingegangen, hat sich der Sache gestellt und seiner Tochter damit einen neuen Anfang geschenkt.“

Eine Sache angehen, das ist Pfarrer Schießler wichtig. Beispielsweise bei den Fürbitten. Eine Möglichkeit sei, die Verantwortung abzugeben und zu beten: Lieber Gott, speise die Hungernden! „Wie soll Gott das machen? Wir müssen bitten, damit uns wieder klar wird: Wir müssen handeln. Wir haben es in der Hand. Stell dich und vertrau darauf, Gott ist an deiner Seite“, sagte Schießler.

Er sei auch begeistert vom Evangelisten Lukas, dem Gerechtigkeit sehr wichtig gewesen sei, so der Pfarrer. An Weihnachten feierten die Christen die Menschwerdung Gottes und nicht die „Mannwerdung“.

Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen sagte Schießler zur Ungleichbehandlung der Frau in der römisch-katholischen Kirche: „Dieses Ungleichgewicht können wir nicht aufrechterhalten. Es geht darum, die Menschenwürde anzuerkennen, gleichgültig, ob Mann oder Frau.“

Er könne das Verbot der Priesterweihe nicht vertreten, die Liturgie müsse ständig angepasst werden, sagte Schießler.

Seiner Meinung nach befindet sich die römisch-katholische Kirche in einer grundsätzlichen Unsicherheit, zum Beispiel wenn jemand nach einer Scheidung wieder heiratet.

„Wir, die wir Vergebung verkünden, tun uns schwer, zu vergeben. Allerdings müssen wir uns auch an unsere Regeln halten.“

Im Gespräch ging Schießler auch auf den wirtschaftlichen Aspekt der römisch-katholischen Kirche ein. Diese sei ein weltweit tätiger Konzern und auch Priester müssten sich um die Geschäfte kümmern. „Wir haben dennoch Zeit für die Seelsorge.

Wenn ich als Pfarrer keine Zeit mehr dafür habe, dann muss ich beispielsweise die Trägerschaft für ein Krankenhaus abgeben.“ Pfarrer müssten sich deshalb auch wehren, wenn sie unverhältnismäßig als Manager verwendet würden. „Der Priester hat die wunderbare Aufgabe, Vater zu sein, wie der Vater in der Familie.“

An die Gottesdienstbesucher gerichtet sagte er zum Abschluss des Gottesdienstes: „Unser Auftrag ist, Euch Hilfe zu geben, um den Platz zu finden, an dem Ihr Gott nah seid.

Reformen brauchen wir, damit wir wieder glaubhaft werden. Ihr seid die Gemeinde, macht Euch auf. Lasst Euch nicht fremdbestimmen.“ WSP

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