Kämmerer mit Luxusproblem

von Redaktion

Stephanskirchner vertagen Anlage von 2,5 Millionen Euro Gemeinderat

Stephanskirchen – Philipp Brück hat ein Luxusproblem. Er muss Geld anlegen, viel Geld. Geld, das ihm nicht gehört. Geld, mit dem er nicht spekulieren darf. Geld, das trotzdem Zinsen bringen soll. Geld, für das er keine Strafzinsen zahlen muss. Philipp Brück ist Kämmerer von Stephanskirchen und muss 2,5 Millionen Euro sinnvoll parken. Angesichts der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank keine leichte Übung.

Geldinstitute wollen
Gemeindegelder nicht

Zumal, wie Brück erst im Finanzausschuss und dann im Gemeinderat erklärte, manche Geldinstitute von Gemeinden gar kein Geld mehr anlegen wollen. Stephanskirchen hat noch Bausparverträge bei der Schwäbisch Hall liegen, längst zuteilungsreif, aber nicht abgerufen. Die Bausparkasse schließt mit Gemeinden keine neuen Verträge ab. Das tut nur die LBS.

Mit einer Laufzeit von mindestens vier Jahren und minimalen Zinsen. Vier Jahre sind ein überschaubarer Zeitraum, so Brück, für diese Zeit traue er sich zu sagen, dass die Gemeinde das Geld nicht braucht. Und dem gelernten Banker sind unterschiedliche Laufzeiten der gemeindlichen Geldanlagen ohnehin sehr lieb.

Im Ausschuss gab es eher „technische“ Nachfragen, im Gemeinderat kamen dann Gegenvorschläge. Anleihen von der Landesbank Baden-Württemberg sollten es sein. Mit höheren Erträgen. Und mit zehn Jahren Laufzeit. Da würden Äpfel mit Birnen verglichen, so Brück – es sei nicht egal, ob die Laufzeit vier oder zehn Jahre betrage, da seien die Konditionen ganz andere.

Einige Anlageformen kommen ohnehin nicht in Betracht, denn Kämmerer dürfen nicht mit dem Geld der Bürger zocken. Beim Innenministerium heißt das „Sicherheit vor Ertrag“. Einen interessanten Vorschlag hatte Janna Miller (Die Grünen): Warum nicht eine Bank fragen, die sozial und ökologisch orientiert ist, mittlerweile einige Erfahrung mit den Geldern von Kommunen habe.

Sie stieß durchaus auf offene Ohren, Bürgermeister Rainer Auer war aber dennoch etwas verärgert – er hatte im Ausschuss gebeten, rechtzeitig vor der Gemeinderatssitzung mit Vorschlägen zu kommen. „Ich bin nicht im Ausschuss“, konterte Janna Miller.

November oder
Dezember ist egal

Brück fand Millers Vorschlag offensichtlich interessant genug, um einzuwerfen, dass es egal sei, ob im November oder Dezember beschlossen werde. Woraufhin die Entscheidung vertagt wurde.

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