Hofkapelle wird rechristianisiert

von Redaktion

Vom Esoterik-Tempel zum Gotteshaus: Wiedereinweihung in Oberkatzbach steht an

Ramerberg – Auf einer kleinen Anhöhe in Oberkatzbach, unmittelbar neben dem „Stöger-Hof“, steht weit sichtbar eine Kapelle von beachtlicher Größe mit einem bemerkenswerten Zwiebelturm. Für die unzähligen Autofahrer, die täglich auf der benachbarten Kreisstraße vorbeifahren, gehört sie seit jeher zum gewohnten Erscheinungsbild. Für ein kirchliches Bauwerk, das in der Regel für Jahrhunderte gebaut ist, sind knapp zwei Jahrzehnte normalerweise keine zeitliche Besonderheit.

Dieses Kirchlein hat aber in der relativ kurzen Zeit beachtlich Geschichte geschrieben und unzählige Male zu hören war in diesem Zusammenhang die sprichwörtliche Redensart vom „Stöger-Bertl, der sich im Grabe umdrehen würde“. Und es ist keinesfalls selbstverständlich und ohne Erklärung nur schwer vorstellbar, dass ein vor 17 Jahren mit dem Segen der katholischen Kirche eingeweihtes Gotteshaus nun wieder christlich werden soll.

Erinnerung an
gefallene Brüder

Der damalige Ramerberger Altbürgermeister Rupert Schärfl, in Anlehnung an den uralten Hausnamen allgemein auch als „Stöger-Bertl“ bekannt, baute diese Hofkapelle in Erinnerung an seine drei in Russland gefallenen Brüder Franz Xaver, Johann und Leonhard Schärfl sowie zum Gedenken an Rupert Dimpflmaier. Sein Neffe und vorgesehener Hoferbe war 1985 bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt. Für den damals 81-jährigen Schärfl bedeutet der Kapellenbau die Erfüllung eines jahrzehntelangen Wunsches und wurde zur Krönung seines bewegten Lebens.

In unermüdlicher Aktivität hatte Schärfl mit dem Gespür des Kunstkenners dieses Bauwerk nach seinen Vorstellungen geprägt und die ebenso wertvolle wie kunstvolle Innenausstattung, einer großen Kirche nachempfunden, ausgewählt.

Eingeweiht wurde das Kirchlein am 6. Juli 2002 durch Pater Dr. Anton Dimpflmaier, einem Neffen Schärfls und Bruder des tödlich verunglückten Rupert Dimpflmaier. Und ganz im Sinne des Erbauers wurde die Kapelle dem Patrozinium des heiligen Rupert, der heiligen Katharina und des heiligen Franz Xaver anvertraut.

Weder die kaum überschaubare Teilnehmerzahl bei der groß aufgezogenen Kirchweihfeier wie auch der Prediger selbst werden die bei der Einweihungsfeier zum Ausdruck gebrachten Gedanken wirklich so verstanden haben wie sie aber tatsächlich eingetroffen sind. Nach den von Pater Dimpflmaier auszugsweise in seiner Einweihungsrede verwendeten Worten „werden sich mit dieser Kapelle Lebensgeschichten verbinden, die noch nicht erzählt wurden, und solchen, die in der Zukunft erst stattfinden“.

Streit zwischen
den Erben

Und was hat so wirklich Außergewöhnliches stattgefunden? Nach dem Tod von Rupert Schärfl verhärteten sich die glimmenden Auseinandersetzungen zwischen den Erben zunehmend, und selbst die Ramerberger Frauengemeinschaft mit ihrer friedlichen „Kapellen-Demo mit Rosenkranz“ (wir berichteten am 23. Februar 2010) konnte nur vorübergehend beschwichtigen, bis dann im Juli 2011 die Situation völlig eskalierte.

Das Kirchengebäude wurde komplett ausgeräumt, die gesamte Innenausstattung samt Altar, Heiligenfiguren und Bilder sowie alle Sakralgegenstände und die Kirchenbänke abtransportiert.

Das Gebäude selbst wurde zu einer „Praxis für Lebensberatung und Tierkommunikation“ mit dem spirituellen Namen „Tor zur göttlichen Quelle“ umfunktioniert. Und um ja keinen falschen Verdacht aufkommen zu lassen, wurde auch das Kreuz als christliches Symbol von der Kirchturmspitze entfernt und durch eine undefinierbare Zackenkugel ersetzt. Dass diese besonders anziehende Art der „Lebensberatung“ für Hoffnung Suchende vorübergehend einen enormen Zulauf hatte, bevor es dann aber endgültig zum Erliegen kam, darf hier fairerweise nicht verschwiegen werden.

Jetzt haben sich die Besitzverhältnisse geändert, und die kleine Kapelle wird wieder zum Kirchlein: Laut Hans Weiderer, Vorsitzender der Ramerberger Krieger- und Soldatenkameradschaft, seien bezüglich der Wiederweihe mit der heimischen Firma Wühr als neuer Eigentümerin des „Stöger-Hofes“ bereits „erfolgversprechende“ Gespräche geführt worden.

Besucher finden
Glück und Trost

Ziel sei es, den ursprünglichen Glanz der Kapelle wiederherzustellen, um sie nach Wiedereinweihung in 2020 für Maiandachten, Rosenkranzgebete und ähnliche Kirchenfeierlichkeiten zu nutzen. Außerdem soll die Kapelle wieder zu einem Ort werden, wo sich ebenso Glückliche wie Trostsuchende treffen können.

Artikel 1 von 11