Spirit des Chiemgaus fotografisch eingefangen

von Redaktion

Birgitt und Dietmar Steinhaus zeigen Fotos aus ihren beiden Heimatorten im Ameranger Rathaus

Amerang – Wie kann sich eine Familie aus Neuss bei Düsseldorf mit Haut und Haaren in das kleine Amerang verlieben? Für den einstigen Geschäftsführer kommunaler Betriebe und Fotografen Dietmar Steinhaus ist dies kein Wunder. Seine Frau und Mitfotografin Birgitt schilderte anlässlich einer Fotoausstellung im Ameranger Rathaus, wie der Zufall die Familie bei einem Urlaub in Amerang stranden ließ. Und schon taten der „Spirit“ des Ortes, die traumhafte Natur und „der merkwürdige Umstand“, dass sich in Amerang die Leute untereinander grüßen und miteinander reden, ihre Wirkung.

Seit Jahrzehnten kommen die Eltern und die groß gewordenen Kinder hierher, im Gepäck immer ein Stück Kultur – und jetzt eine ganze Fotoausstellung zum Thema „Augenblicke“, die im Rathaus bis zum 28. März zu sehen ist. So lose wie Augenblicke dem Fotografen begegnen, wenn er sie eindringlich sucht, so locker hängen die Bilder über das Erdgeschoss, den Treppenaufgang hinauf bis zum ersten Stockwerk verteilt an der Wand oder stehen auf Staffeleien.

Die Motive wechseln, in kein inhaltliches Motto gezwängt. Sie erzählen von Heimat – sei es die in Neuss oder die im Chiemgau – und von durchlebten Situationen, die Herz, Verstand und Auge berühren.

Bei der Vernissage des Ameranger Arbeitskreises „Kunst im Rathaus“ wurden Motive der Ausstellung auf eine Großleinwand projiziert, Dieter Steinhaus erzählte ihre Entstehungsgeschichte. Beispielsweise zu seinem Bild einer kleinen Schafherde, der er endlos nachgelaufen ist, bis sich die Tiere endlich zu einem Arrangement bequemten, das eine verdichtete Bildaussage zuließ – gemäß der alten fotografischen Weisheit, dass, wenn man eine Schafherde fotografiert, auf dem Bild mehr zu sehen sein muss als eine Schafherde. Mithin sich Zeit nehmen, Engagement mitbringen und sein ästhetisches Urteilsvermögen sprechen lassen. Aber auch, in einem eigenen kreativen Prozess via Bildbearbeitung die inneren Eindrücke, welche ein Motiv beim Fotografen hinterlässt, zum Ausdruck zu bringen.

Die meisten gezeigten Bilder hat Dietmar Steinhaus nicht im fernen Urlaub, sondern mit wachem Blick in nächster Umgebung aufgenommen. Wohl schwebte ihm die Feststellung der großen Ikone deutscher Fotografie, Thomas Hoepker, vor: „Das wichtigste Werkzeug eines Fotografen sind seine Füße!“

Im Neusser Norden fotografiert Steinhaus ein Seifenkistl-Rennen und gewann damit einen Wettbewerb. Und genau diese Szene empfand der Fotograf in Amerang nach, als er einen Mitbürger auf seinem Motorrad-Gespann direkt vor dem Rathaus der Gemeinde ablichtete.

Die Hauptaufgabe, den Verkehr für dieses Shooting zu stoppen, übernahm seine Frau Birgitt. Sie sei sich wie ein verrückter Hampelmann vorgekommen, erinnerte sie sich, aber auch Amerangs Bürgermeister August Voit wusste noch: „Das hat die Birgitt so gut hinbekommen, dass ich von meinem Büroschlaf gar nicht erst aufgewacht bin!“

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