Prutting – „Natürlich trete ich mit dem Ziel an, Bürgermeister zu werden“, sagt Johannes Thusbaß entspannt. Der 30-Jährige kandidiert für die CSU.
Es ist nicht sein erster Wahlkampf. Schon vor sechs Jahren war Thusbaß aktiv dabei, organisierte und packte an. Kandidat war er nicht. Anfang dieses Jahres sprach ihm der amtierende Bürgermeister Hans Loy an, ob Thusbaß sich eine Kandidatur vorstellen könne. „Damit musste ich mich erst einmal auseinandersetzen“, erzählt Thusbaß schmunzelnd.
Aufgabe mit Licht
und Schatten
Außerdem war Familienrat angesagt. Denn Annette, die Mutter seiner drei Kinder, sollte die Entscheidung ihres Mannes mittragen können. Familie und Freunde waren ihm in der Phase ganz besonders wichtig, so Thusbaß, mit ihnen habe er das Für und Wider diskutiert und abgewogen. „Die Aufgabe ist reizvoll und schön. Schattenseiten gibt es aber eben auch.“
Ein Wahlamt hatte Thusbaß bisher noch nie. Der gelernte Bankkaufmann ist ehrenamtlich unterwegs. Ob beim Gewerbeverein, in der Kirchenverwaltung, als Kassier beim Gaufest im letzten Jahr, beim Ferienprogramm, mit Gemeindeblatt und -kalender, Jugendschöffe oder als Musiker – Flügelhorn in der Musikkapelle Bad Endorf.
Warum ihn das Amt des Bürgermeisters reizt? „In den letzten zwölf Jahren ist bei uns viel passiert. Und ich will, dass es so weitergeht.“ Was ihm fehlt: Ein Konzept, wie und wohin sich Prutting entwickeln soll. „Wollen wir ein lebendiges Dorf bleiben oder zum Schlaf-Ort werden? Wie groß soll die Gemeinde in den nächsten fünf, zehn fünfzehn Jahren werden? Das sind Fragen, die wir uns stellen müssen.“ Der sich anbahnende Generationswechsel im Gemeinderat – mehr als die Hälfte der amtierenden Räte tritt nicht mehr an – scheint Thusbaß der ideale Zeitpunkt für diese Diskussion. Richtig gut fände er es, wenn sich die scheidenden und die frisch gewählten Räte zu einer gemeinsamen Klausur zurückzögen, Erfahrungen und Erwartungen austauschten. Die Probleme der Vergangenheit zu kennen erleichtere eine Neuausrichtung oder das Setzen anderer Schwerpunkte ungemein.
Es gibt Themen, die sind gesetzt. Der Brenner-Nordzulauf etwa, der Prutting an der Gemeindegrenze zu Stephanskirchen betrifft. Das Geh- und Radwegenetz sollte weiter ausgebaut werden, ebenso das Busnetz. Die Seniorenwohnanlage wartet auf die Umsetzung. Was Prutting schon hat: Ein sehr gutes Glasfaserkabelnetz, „deswegen tut sich in unserem Gewerbegebiet auch was.“
Thusbaß gehört zu der Generation, die sich ein Leben ohne Internet, ohne Smartphone und soziale Netzwerke kaum vorstellen kann. Letztere will er zum Erklären von Sachverhalten nutzen. „Wer nicht mit einem Thema befasst ist, kann oft nur schwer nachvollziehen, warum nichts weitergeht. Da können Kommunalpolitik und Verwaltung über soziale Netzwerke gut aufklären.“
Mehr digital erledigen, das geht. Thusbaß hat es mit dem Ferienprogramm der Gemeinde schon durchexerziert. „Und warum sollten in der Gemeinderatssitzung nicht diverse Laptops und Tablets auf dem Tisch liegen, auf denen wir uns Pläne viel genauer anschauen können? Das würde auch der Verwaltung einige mittlerweile eigentlich überflüssige Arbeit ersparen.“
Durchschnittsalter
liegt bei 44 Jahren
Noch aber ist es nicht so weit. Noch läuft die Suche nach Listenkandidaten. „Sehr erfolgreich“, grinst Thusbaß. Er habe in den letzten Wochen und Monaten viele Gespräche geführt, was zeitintensiv aber auch sehr spannend war. Am kommenden Montag ist Aufstellungsversammlung. Das Durchschnittsalter der CSU-Liste wird bei 44 Jahren liegen, der jetzige Gemeinderat hat einen Schnitt von 59 Jahren. Was Thusbaß bedauert: Nur ein Viertel der Kandidaten sind Frauen. „Die sind schwerer zu überzeugen“, hat er festgestellt.
Ein Entwicklungskonzept für Prutting, mehr digitales arbeiten, mehr soziale Netzwerke – das klingt nach den Vorstellungen eines jungen Mannes. Und dann das: „Ich habe den Traum von einer bayerischen Wirtschaft im Dorf.“