Kiefersfelden – Noch sichtlich angespannt von der Pressekonferenz zum Thema Mautfreiheit in Kufstein ging Bürgermeister Hajo Gruber gleich zur Tagesordnung der Bürgerversammlung in der Turnhalle über. Nach Begrüßung der Ehrengäste nahm er sich der „Geißel des überregionalen Verkehrs“ an. Dabei stand der sogenannte Mautausweichverkehr im Fokus, der jedoch mit der Aufhebung der Mautgebühr bis zur Autobahnausfahrt Kufstein-Süd ab morgigem Sonntag der Vergangenheit angehören sollte. „Sechs Jahre Verkehrswahnsinn sind somit zu Ende und das werden wir entsprechend feiern“, versprach der Rathauschef.
Probleme durch
die Grenzkontrollen
Anders der Grenzkontrollenausweichverkehr: „Das haben wir nach wie vor.“ Obwohl die Verhandlungen in Richtung „Schleierfahndung“ laufen, ist ein Ende der bisherigen Kontrollpraxis nicht abzusehen. Allerdings könnte die Problematik des Ausweichverkehrs deutlich gemindert werden, „wenn endlich die von uns schon lange geforderte dritte Kontrollabfertigungsspur an der Grenze eingerichtet wird“, so Gruber.
Einen breiten Raum nahmen dann die getätigten Investitionen der Gemeinde ein. Ob Lärmschutz an Kieferbach oder Autobahn (Kosten rund 700000 Euro), die Digitalisierung der Grundschule (150000 Euro) oder die Generalsanierung der Turnhalle (1,3 Millionen Euro). Das alles war notwendig und unaufschiebbar, zum Wohle der Gemeinde und ihrer Bürger. Ein neuer Weg wurde beschritten mit der Einrichtung einer Waldkindergartengruppe (42000 Euro), die scheinbar stark nachgefragt ist, und der marode hölzerne Gießbach-Steg wurde durch eine Stahlkonstruktion abgelöst (150000 Euro). Weiter wurde eine Sportstätte für die Jugend geschaffen, raus aus dem Wohngebiet, mit vielseitigen Trendsportmöglichkeiten.
Der Winter steht vor der Tür – und da braucht es einen bestens ausgerüsteten Bauhof, der mit Eis und Schnee fertig wird. Hohe Investitionen (441000 Euro) in Gerät und Struktur sollen dies auch in Zukunft gewährleisten. Die Barrierefreiheit im Dorf hat sich die Gemeinde nicht nur auf die Fahne geschrieben, sondern sie setzt dies auch gezielt um. Neben den entsprechenden Umbauten am Heimatmuseum Blaahaus, am Kieferer See und im Rathaus wurden weitere diesbezügliche Akzente zur Barrierefreiheit gesetzt (175000 Euro).
Die Kanalsanierung verschlang 1,3 Millionen Euro und die Straßensanierungen im Ortsbereich rissen ein 315000 Euro großes Loch in den Haushalt, der mit knapp 21 Millionen Euro in Rekordhöhe pendelt. Er kommt aber ohne Neuverschuldung aus und auch für die Tilgung alter Kredite ist noch eine Million Euro drin, so dass die Pro-Kopf-Verschuldung auf 681 Euro sinkt.
Investitionen
in die Zukunft
Von vielen weiteren Investitionen in die Zukunft der Gemeinde wusste der Bürgermeister zu berichten. Da ist das Naherholungsgebiet Bippenwaldwiese mit seiner Obstbaumalle oder die neue Kieferbachpromenade, die sich nahezu gänzlich durch den Ort zieht. Auch der Rathausvorplatz wurde gelungen umgestaltet, „zur neuen Kieferer Mitte“.
Das neue Gewerbegebiet Kaiserreich mit seinen vielfältigen Möglichkeiten im Bereich Wirtschaft, Verkehr und Tourismus eröffnet der Gemeinde gänzlich neue Perspektiven. Nach dem Wegfall so vieler Arbeitskräfte mit verbundenem Wegzug, kommen jetzt „die Leute wieder zurück“, denn sie erwartet in der Region ein völlig neues wirtschaftlich-touristisches Konzept. „Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Gemeinde lebens- und liebenswert bleibt und weiter wächst“, so das Motto des Bürgermeisters, unter dem diese Anstrengungen einzureihen sind.
Vereine als „Schatz“
der Gemeinde
Darunter sind auch die vielen örtlichen Vereine und Verbindungen zu subsumieren, die das kulturelle und sportliche Leben der Gemeinde maßgeblich prägen. Ob die Ritterschauspiele, die in diesem Jahr ihr 400-jähriges Jubiläum feierten oder die Heimatbühne mit ihren Nachwuchskünstlern. Kurparkleben ohne die Musikkapelle oder den Männergesangverein ist undenkbar und die vielen Sportvereine runden das Bild bestens ab. „Die Gemeinde weiß, welchen Schatz sie mit ihren Vereinen hat“, so der Bürgermeister.
Im neuen Jahr wird der Neubau des Feuerwehrhauses die Finanzkasse enorm belasten. Hinzu kommen weitere Straßenbaumaßnahmen und die verkehrsmäßige Anbindung des Gewerbegebiets Kaiserreich. Aber nach Ansicht des Bürgermeisters und seiner Ratskollegen alles Dinge, „die unbedingt notwendig sind für die Sicherheit und das Wohlbefinden unserer Bürger“.
In diesem Jahr wurde durch die Gemeinde der Preis für die beste Gartengestaltung an das Ehepaar Birgit und Markus Egger verliehen. Neben der räumlichen Aufteilung der Gebäude, der gelungenen Differenzierung von befestigten und grünen Flächen sowie der Vermeidung ausländischer Pflanzen und der sparsamen Verwendung von Pflaster überzeugte die Juroren auch, dass der Garten wohnlich, harmonisch und gut zu pflegen ist. Aus der Hand des Bürgermeisters empfingen die beiden Urkunde und Plakette sowie die Glückwünsche für den gelungenen Garten.
Schwarzer Peter
an den Freistaat
Auf die Anfrage eines Bürgers zu der oftmals prekären Verkehrssituation im Ortskern ging der Rathauschef ebenfalls ein. Die Rosenheimer und Kufsteiner Straße ist eine Staatsstraße „und unterliegt damit nicht gemeindlicher Hoheit“. Soll heißen, alle verkehrsbedingten Maßnahmen werden durch den Freistaat angeordnet und auch bezahlt.
„Wir haben in der Vergangenheit bereits viele Anträge in verkehrstechnischer und verkehrsberuhigender Hinsicht gestellt, die jedoch bisher nicht genehmigt wurden“, so Gruber weiter. „Aber wir werden auch in dieser Hinsicht weiter aktiv bleiben“, lautete seine Botschaft.