Eine Brücke schließt die Lücke

von Redaktion

Neuer Dösdorfer Steg führt in 3,5 Metern Höhe 22 Meter über die Prien

Frasdorf – Sechs Jahre nach der Sperrung des Dösdorfer Steges über die Prien und der damit verbundenen Unterbrechung des „Grenzenlos Wanderweges“ zwischen Aschau und Wildenwart ist die Lücke endlich wieder geschlossen. Ein 160-Tonnen-Autokran hob die neue Stahlbrücke auf die Fundamente. 14 Tonnen Stahl wurden für das Bauwerk gebraucht, in dreieinhalb Metern Höhe überquert es künftig die Prien. Die Spannweite der Brücke beträgt 22 Meter. Damit kann in der Frasdorfer Gemeindeverwaltung ein wichtiges Kapitel abgeschlossen werden.

Vollkommen unerwartet war die alte Brücke kurz vor Weihnachten 2013 wegen Einsturzgefahr gesperrt worden. Mehrere Betonbrocken hatten sich aus dem Bauwerk gelöst, die Stahlarmierung musste auf ihre weitere Tragfähigkeit überprüft werden. Eine eingehende Untersuchung ergab, dass eine wirtschaftliche Reparatur des Bauwerks aus den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts nicht mehr möglich war. Die Gemeinde Frasdorf überprüfte mehrere Möglichkeiten für einen Neubau und entschied sich schließlich für die Stahlbrücke.

Volle Auftragsbücher beim Brückenbauer

„150 Jahre, wie die letzte Brücke, wird sie vielleicht nicht halten“, so Olaf Hoffmeyer vom Frasdorfer Bauamt, „aber wir werden uns längere Zeit keine Gedanken über eine Erneuerung machen müssen. Die Bauausführung hat so lange gedauert, da der Stahlbrückenbauer volle Auftragsbücher, damit keine Zeit für die Bauausführung hatte und erst im Herbst dazu gekommen ist. Versprochen war die Brücke auf Pfingsten.“

Der Weg von Dösdorf zur Prien ist ein Feldweg, der bei nassem Wetter für Tieflader und Autokräne nicht befahrbar ist. Deshalb musste der Untergrund für den Brückenschlag trocken sein und die Prien nach Möglichkeit Niedrigwasser führen.

„Die Brücke kostet nach aktuellem Stand 117000 Euro“, ergänzt Kämmerer Andreas Oppacher. Die Brücke ist derzeit noch nicht freigegeben, eine offizielle Abnahme muss noch erfolgen.

Wann der Vorgänger des jetzigen Bauwerks genau gebaut wurde, ließ sich im Gemeindearchiv nicht mehr feststellen. Vermutlich wurde sie im Zusammenhang mit dem Ausbau der Geh- und Reitwege rund um Schloss Wildenwart durch Großherzog Franz V. von Modena-Este erbaut.

Doch die Geschichte der Brücke reicht bedeutend weiter zurück: Jahrhundertelang markierte der Prienfluss die Grenze zwischen den Herrschaften von Wildenwart und Hohenaschau. An der Dösdorfer Brücke wurden Missetäter, die von einer Herrschaft in die andere geflohen waren, zurück gegeben.

Und kaum zu glauben: Zwischen Aschau und Wildenwart hätte es beinahe einmal Krieg wegen dieser Brücke gegeben. Dies ist Gerichtsunterlagen zu entnehmen, die in Kopie beim Aschauer Heimat- und Geschichtsverein aufbewahrt werden. Die gut 360 Jahre alten Dokumente stammen aus dem ehemaligen Hauptstaatsarchiv zu Landshut.

Die Brücke war der einzige Übergang über den Fluss auf mehrere Kilometer. Die Instandhaltung der Brücke war mit Kosten verbunden. Beide Angrenzer wollten gleichermaßen die Weg- und Zollrechte, aber keine Verpflichtungen für den Unterhalt des Bauwerkes leisten. Im Jahr 1679 wurden erste Unterhandlungen geführt, die sich wiederum auf Aufschreibungen aus dem Jahre 1547 berufen. Mit dem Neubau der Brücke wollte der Wildenwarter Gerichtsherr, dass hierfür auch die zwei Dösdorfer Bauern auf Aschauer Seite ihren Obolus beitragen sollten. Diese wollten sich allerdings der Mitfinanzierung entziehen.

Statt dass sie pflichtgemäß beim Zöllner in Wildenwart oder Hohenaschau ihre Gebühren ablieferten, zogen sie als harmlose Reisende durchs Land und über die Brücke – und die Herrschaft war wieder um einige Kreuzer betrogen. Der Aschauer Gerichtsverwalter Stefan Ziegler stellte 1679 einen Wächter auf die Brücke, der gleich an Ort und Stelle Maut und Zoll erheben sollte. Zusätzlich stellte er ein Wachhäusl auf, am linken Ufer der Prien, auf Wildenwarter Boden.

Wachhäusl landete in der reißenden Prien

Der Bau auf seinem Territorium erzürnte den Herrn von Wildenwart mächtig. Nach einem Schriftwechsel mit seinem Nachbarn, Johann Maximilian Graf von Preising, griff er zur Selbsthilfe: Mit seiner ganzen „Heeresmacht“, bestehend aus einigen alten Gerichtsdienern und Jägern, zog sein Verwalter gegen die Dösdorfer Brücke. Der Aschauer Wächter flüchtete, suchte auf dem Grund und Boden seines Herrn Schutz. Die Wildenwarter kümmerten sich nicht um den Flüchtling, sondern stürmten in ihrer Begeisterung das Wachhüttl. Sie trugen es zur hochgehenden Prien und warfen es in die reißenden Fluten. Graf Preising bewahrte in Aschau ruhig Blut. Er wandte sich an den Kurfürsten. Dieser befahl die Wiederherstellung des Wachhüttls und Auslieferung des Wachtgewehrs. Vergeblich.

Wie es in den Niederschriften weiter heißt, schlief die Streitsache ein, „weil andere größere Sorgen den friedlichen Nachbarverkehr wieder hergestellt hatten“.

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