Stephanskirchen – Manchmal passt es einfach. Da flattert der Verwaltung eine Bauvoranfrage ins Haus. Für ein Grundstück, das die Gemeinde selber gerne hätte. An dem sie den Besitzern schon Interesse signalisiert hatte und an der zerstrittenen Erbengemeinschaft scheiterte. Nur wenige Tage später steht die Versteigerung just dieses Grundstücks an. Und dazwischen ist Gemeinderatssitzung.
Bebauungsplan und Veränderungssperre
In dieser beschlossen die Stephanskirchner Räte einstimmig, dass für ein 2700 Quadratmeter großes Grundstück an der Eichendorffstraße in Haidholzen ein Bebauungsplan aufgestellt werden soll. Da sich das direkt an die katholische Kirche angrenzende Grundstück bestens für eine öffentliche Nutzung anbietet, beschließt der Gemeinderat, dort eine „Gemeinbedarfsfläche Kinderbetreuung“ festzulegen. Denn der benachbarte Kindergarten ist nur angemietet, damit nicht dauerhaft gesichert.
„Wir werden ihn wohl in absehbarer Zeit auch vergrößern müssen“, so Bürgermeister Rainer Auer (parteilos). Mit dem Beschluss, einen qualifizierten Bebauungsplan aufzustellen, geht die einstimmige Verhängung einer Veränderungssperre Hand in Hand.
Denn die Bauvoranfrage eines Investors, der auf diesem Grundstück zwei Mehrfamilienhäuser mit 16 Wohnungen bauen will, steht auch im Raum. Angesichts der Minuten zuvor beschlossenen Veränderungssperre lehnen die Gemeinderäte das Vorhaben einmütig ab.
Keine 48 Stunden später ist beim Amtsgericht Rosenheim die Versteigerung des Grundstücks angesetzt. Die halbe Gemeindeverwaltung und etliche Gemeinderäte drängeln sich mit vielen Interessenten und Investoren im Raum.
„Es war sehr voll“, berichtet Bürgermeister Rainer Auer, von den Gemeinderäten bevollmächtigt, mitzusteigern. Allerdings erlahmt bei einigen Anwesenden das Interesse schlagartig, als die Veränderungssperre der Gemeinde bekannt wird.
Erbengemeinschaft bis zuletzt uneins
Die Erbengemeinschaft, der das Grundstück an der Eichendorffstraße gehört, hätte die Versteigerung aufhalten können. Vier Erben wollten das auch, der fünfte nicht.
Zwei Stunden und einige Beschimpfungen vonseiten der Erben in Richtung Bürgermeister später gehört das Grundstück der Gemeinde. Für 1,4 Millionen Euro alles in allem.
„Da Auer griagd’s ned!“, hatte einer der Erben am Tag zuvor gegenüber der Heimatzeitung gewettert.