Miami/Rosenheim – Schnee, Lichterglanz in dunkler Winternacht, vom Frost rote Nasen, der Atem, der als Dampf vor der Nase steht, Becher heißen Glühweins in behandschuhten Händen, Lodenklamotten und Schlitten: So hat Kathrin Rein das weihnachtliche Treiben kennengelernt. Ihre Gegenwart aber, die ist ganz anders. Sonne, Palmen, kurze Klamotten. Weihnachten im Warmen, fern von Bayern. Kann man sich daran gewöhnen? „Ich find’s spitze hier“, sagt Kathrin Rein.
Wir reden via Skype, und Kathrin Rein, Rosenheimerin, die auszog, ihr Glück zu schmieden, verbindet das Nützliche mit dem Angenehmen: Gespräch mit dem Reporter der Heimatzeitung und Frühstück. „Oatmeal mit Apfelmus“, sagt sie, „super gesund und lecker. Isst die Familie in Bayern auch“.
Das muss alles miteinander und quasi nebenher gehen. Um 10 Uhr steht ein Termin beim Arzt an, dann noch ein Interview, danach „Coaching Calls“, wie sie mampfend erklärt. „Ich hab da noch Unterricht“, sagt sie „Man soll niemals mit dem Lernen aufhören.“
Sturm der Liebe?
Lange her!
Kathrin Rein: Ihre Heimat war mal die Umgebung von Rosenheim (genauer: Schloßberg) und Berge, und sie war die blonde Schönheit aus dem „Bavaria Blu“-Werbespot. Sie war Isar Roth in „Sturm der Liebe“, hatte ein Gastspiel auf heimischem Platz – bei den Rosenheim Cops. Eine junge Frau mit blonden Haaren, Schalk in den blaugrünen Augen – und einem ganz schönen Dickkopf. Mission: Schauspielerin in Hollywood werden. „Man kann mir wirklich schwer ausreden, was ich mir in den Kopf gesetzt hab“, sagt sie.
Als Au Pair kam sie in die Vereinigten Staaten. Am Ende des Aufenthalts hatte sie 700 Dollar. Und zwei Wochen frei. Und die nützte sie, um erstens einen gebrochenen Arm behandeln zu lassen und zweitens „Leute“ kennenzulernen.
Von Hollywood
nach Miami
Das tat sie dann auch, mit einem gewissen Risiko: Eines Tages, so erzählt sie in einem Beitrag für ein Buch, habe ihr der berüchtigte Hollywood-Produzent Harvey Weinstein den Zimmerschlüssel angeboten. Sie lehnte ab. Sie erzählt in diesem Beitrag viel von Partys. Und von Zeiten, in denen es nicht so lief. „Ich schlief zwei Wochen in meinem Auto.“ Sie begann eine Stand-up-Comedy-Karriere („ziemlich erfolgreich“) und beendete sie 2009 wieder, weil sie Mutter wurde, wie sie erzählt.
Und heute: ist sie Kathrin Rein, die Immobilienmaklerin, Unternehmerin (Beautiful Miami), Dozentin, Akteurin in einer TV-Reality-Show, die Wohnungen und Häuser mit Life Style verbindet. Erfolgreich, wie es scheint. Sie nimmt ihr Smartphone und führt es im Kreis um sich herum, Augenführung für den Gesprächspartner im fernen Bayern. Man ahnt einen Pool, das Wohnzimmer ist so groß wie anderer Menschen Wohnung. Sie ist allein zu Haus, ihr Mann Hugh Feist, in der alten Heimat noch immer bekannt als Hubert Feistl, bringt die Kinder zur Schule.
Der Traumdreh wäre mit Hannesschläger
Er ist ein ziemlich bekanntes Model – unter anderem für Joop, Diet Pepsi, American Crew und Kohl’s –, kümmert sich aber im Gespann mit Kathrin Rein um die Geschäfte der Familie. „Der Hubi kümmert sich um die Investments. Da ist mal der Kühlschrank kaputt, dann mal das Dach, der eine zieht ein, der andere aus“, erzählt sie. „Er sagt immer, ich sei die schlechteste Immobilienmaklerin für unsere eigenen Häuser.“
Kathrin Reins Deutsch ist noch ganz leicht bayerisch und schon ziemlich schwer englisch eingefärbt. Die Schauspielerei hat sie 2013 zu den Akten gelegt. Mit Maximilian Brückner („Tatort“, „Hindafing“) teilt sie Erinnerungen an Fahrten im Schulbus und an die Watschn, die er ihr gab, „weil ich eine solche Zicke war“; mit Rosenheim Cop Joseph Hannesschläger würde sie gerne nochmals drehen. „Ich liebe Schauspiel“, sagt sie, „aber nicht so sehr, dass ich noch in einer Ein-Zimmer-Wohnung leben könnte“. Schauspielerei, sagt sie, sei ziemlich schlecht bezahlt.
Kathrin Rein lebt ihren amerikanischen Traum, mit Glamour, Erfolg und Anerkennung, gegründet auf klaren Gewissheiten. „Es sieht einfach aus, ich habe aber immer hart gearbeitet“, sagt sie beispielsweise.
Oder: „Viele Leute nehmen sich zurück, um andere nicht zu beleidigen. Aber wenn man hell genug scheint, dann inspiriert man andere Leute.“ Oder: „Beachte die Neider nicht.“
Klingt nach Lebenshilfebuch. Schaut aber bei ihr ganz gut aus, ebenso wie die Nikolauskutsche oder der Santa-Claus-Briefkasten oder die vielen bunten Lichter am Haus, die man sich so in Deutschland kaum vorstellen kann. In diesem Augenblick merkt man sogar über einen Ozean hinweg, wie anders Amerika ist.
In kurzen Klamotten
Weihnachten feiern
Kathrin Rein, ihr Mann, ihre Kinder – sozusagen out of Rosenheim. Einige Sachen vermisst sie. Hallenbäder, das Gesundheitssystem, „meine Freunde, das Rosenheimer Herbstfest, deutsche Züge, Käsekuchen, meine Familie. Und die Berge, die vermisse ich auch“. Ansonsten aber gilt der American Way of Life, kombiniert mit Wurzeln in Bayern. Wie neulich beim Gang übern Weihnachtsmarkt. Es gab Glühwein, es gab Blasmusik. Es gab Buden, die ein bisserl wie Hütten aussahen. Auf einer stand Bavarian Holiday Kitchen. Alles bunt, nicht wirklich traditionell, aber unterhaltsam. Der Familie gefällt das, „da waren es 21 Grad“, sagt Kathrin Rein. „Das warme Wetter, das liegt mir schon sehr.“
Schnee und rote Nasen sind nicht mehr ganz so unentbehrlich, wenn‘s auch mal mit Sonne und Palmen geht.