Wildenwart – „So einfach wie sie lebte, so einfach feierte sie auch Weihnachten auf Schloss Wildenwart“ – gemeint ist damit Prinzessin Helmtrud von Bayern, die als zuletzt verstorbene Königstochter von Ludwig III. in Wildenwart lebte und dort auch ihre letzte Ruhestätte fand. An die 1977 im Alter von 91 Jahren verstorbene Adelige erinnert sich noch sehr gut Rosa Bohrer vom „Schmied-Anwesen“ in Wildenwart. Rosa Bohrer, selbst bald 90 Jahre alt, ist mit den Töchtern Berta und Rosa von der Schlosswirtschafts-Pächter-Familie Geisberger aufgewachsen und war somit als Kind viel im Schloss unterwegs.
„Weihnachten war ganz einfach, Prinzessin Helmtrud, die nach dem Tod ihrer Schwester Hildegard im Jahr 1948 alleine im Schloss Wildenwart lebte, feierte mit einem Christbaum aus dem eigenen Wald nur mit ihren Bediensteten. Das waren als Hausdame Baronin von Wulffen, die Köchin Hilde, die Zofe Frau Rögner und die Beschließerin Mina“ – erinnert sich Rosa Bohrer. Der große Christbaum war der Mittelpunkt im ansonsten ruhigen weihnachtlichen Geschehen. Die „Hoheit“, wie Prinzessin Helmtrud von den Wildenwartern liebevoll genannt wurde, bewohnte im Südflügel den ersten Stock des Schlosses, ein weitaus größerer und schönerer Raum mit einem herrlichen Deckengemälde im zweiten Stock war besonderen Anlässen vorbehalten. „Einmal zu Weihnachten, als Prinzessin Hildegard Geburtstag hatte, wurde im Schloss gefeiert. Für uns Dirndln wurden Engelgewänder genäht, die Buam waren Zwerge und es war sehr fröhlich“. Die Kinder der Schlosswirtsfamilie und vom Dorf waren viel und gerne im Schloss, unter anderem weil Baronin Guttl („Eine feine, kleine und buckelige Frau“) den Kindern Geschichten vorlas. Im Schloss war bis zum Jahr 1934 (als mithilfe des Königshauses und mit Unterstützung von Prinzessin Helmtrud auf einem nahen Hügel die Gedächtniskirche „Christkönig“ erbaut wurde) auch eine Schlosskapelle. Oft waren dort Frühmessen und da die Gottesdienste in der Regel nur im Sommer für die Wildenwarter zugänglich waren, mussten diese oft den weiten Kirchenweg nach Prien antreten.
„Die Kapelle war viel zu klein, die Gläubigen mussten oft auf der Brücke stehen und beten und so war es für die Wildenwarter ein Segen, dass trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten und mithilfe eines Kirchenbauvereins die Kirche von Wildenwart gebaut werden konnte. Der Grund wurde von unserer Schmied-Familie zur Verfügung gestellt“ – so Rosa Bohrer in ihren Erzählungen.
Stets in Kontakt
zur Bevölkerung
Auch Maria Riesinger, die zusammen mit ihrem Mann Franz über 30 Jahre lang Pächterin der Schlosswirtschaft war (diese gehörte urkundlich seit 1536 zum Schloss dazu) denkt noch gerne an die Zeit zurück, als Prinzessin Helmtrud in der schwarz vertäfelten Gaststube einkehrte.
„Die Prinzessin war eine sehr sparsame Frau. Sie zeigte Interesse am Dorfleben, ratschte gerne mit den Leuten und sie besuchte auch regelmäßig die Theatervorstellung vom Wildenwarter Trachtenverein im Saal der Schlosswirtschaft“, so Maria Riesinger.
Die Einfachheit „Ihrer Hoheit“ kennzeichnete auch König Ludwig III. So zeigte der König bis zur Revolution ebenfalls Interesse an den Menschen im Dorf. Bei der Hochzeit von Rosa Bohrers Vaters Josef Anner gratulierte er etwa persönlich und er schenkte eine kleine Statue.
Prinzessin Helmtrud brachte bei den drei Geburten von Rosa Bohrers Kindern immer einen Kuchen beim traditionellen Weisen. Zum Schloss Wildenwart gehörte auch ein Gut mit zuweilen 36 Kühen und dazu noch auch noch der Bauernhof in Mönibuch.
Die Landwirtschaft war König Ludwig III. ebenso wichtig wie seiner Tochter Helmtrud, bei ihren Spaziergängen zwischen Wildenwart und Mönibuch war es nicht selten, dass sich die Mitglieder der Königsfamilie mit den Leuten unterwegs zu landwirtschaftlichen und dörflichen Themen austauschten.
An die Winter- und Weihnachtszeit erinnert sich Rosa Bohrer auch noch deshalb gut und gerne, weil viel geheizt werden musste. „Risse in den Wänden und kaputte Fensterstöcke sorgten dafür, dass im Wohn- und Schlafzimmer viel zu heizen war, das notwendige Brennholz dafür besorgte 40 Jahre lang Sepp Spiegelberger, der für Hof und Wald in Mönibuch angestellt war“, so Rosa Bohrer.
Die Verbundenheit zwischen den Schloss-Bewohnern und den Wildenwartern ist auch heute noch gut. Die Familie von Herzog Max in Bayern kam nach dem Tod von Prinzessin Helmtrud im Jahr 1977 in den Besitz des Schlosses. Heutige Besitzerin ist ihre Königliche Hoheit Prinzessin Elizabeth.