Oberaudorf – Es ist ein besonderer Dienst: Menschen in Extremsituationen begleiten. Vor zwölf Jahren hat Pastoralreferent Anton Lechner die Leitung der Klinikseelsorge in Bad Trissl übernommen. Jetzt wurde er in den Vorruhestand verabschiedet. Alle Redner waren sich einig: Es geht ein ganz besonderer Seelsorger.
Mut zum Schweigen und Mut zum richtigen Wort – beides kennzeichnet die Arbeit in der Klinikseelsorge. Im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes erinnerte sich Toni Lechner vor allem an die vielen Begegnungen mit den Patienten. Gerade in extremen Lebenssituationen hätten ihn viele von ihnen besonders beeindruckt.
Pastoralreferentin Monika Zuber-Schild erinnerte an die Anfänge des Wirkens. Vor zwölf Jahren sei man in großer Not gewesen: Eine Palliativstation mit 16 Betten war anvisiert – und nur zwei Seelsorger. Man habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, mit Erfolg. „Und dann kamst Du und hast uns sozusagen gerettet“, betonte sie. Diese 30 Stunden ermöglichten ein angemessenes und sinnvolles Arbeiten in der Palliativstation, die letztlich mit zwölf Betten ausgestattet wurde.
Die 30 Stunden pro Woche hätten dazu geführt, dass täglich jemand von der Klinikseelsorge im Haus war. Es lag nahe, Anton Lechner aufgrund dieses Zeitkontingents auch die Leitung der Klinikseelsorge zu übergeben.
Neben der besonders fürsorglichen Patientenbegleitung hat „der Toni“ auch das „digitale Zeitalter“ für das Seelsorgeteam eingeläutet: „Ein Meisterwerk“, so Zuber-Schild anerkennend. Unendlich vieles habe Lechner selbst übernommen. Bis zum Schluss sei er darauf bedacht gewesen, etwa die wichtigsten Aushänge und Weihnachtsbriefe anzufertigen. Nicht nur das respektvolle und unterstützende Miteinander, auch eine weitere Gabe Lechners habe die Arbeit des Seelsorgeteams begleitet: sein Humor.
Monika Zuber-Schild: „Für all das, was Du hier eingebracht hast an Offenheit, an Herzlichkeit, an Präsenz, für deine ehrliche und echte Sorge und Anteilnahme an den Patienten genauso wie an Deinen Kolleginnen und Kollegen, für all das sagen wir ein ganz herzliches Dankeschön.“
Den herzlichen und anerkennenden Worten schlossen sich auch der Leiter des Fachbereichs Krankenhausseelsorge, Dr. Martin Sednader, der neue Pfarrer im Pfarrverband Oberes Inntal, Dr. Hans Huber, sowie der evangelische Pfarrer Gunter Nun an.
Ein Übungsradl für
die neue Freiheit
Den großen Dienst der Klinikseelsorge im Allgemeinen sowie die segensreiche Arbeit Toni Lechners würdigte im Namen der Klinik Bad Trissl der Ärztliche Direktor, Professor Dr. Klaus Friese. Oft habe er Lechner auch noch spät abends auf den Gängen der Klinik getroffen, immer auf dem Weg zu einem Patienten.
Im Rahmen der Feierstunde wurden zudem die evangelische Pfarrerin Renate Hübner-Löffler sowie Monika Herzog im seelsorgerlichen Team begrüßt.
Toni Lechner selbst zeigte sich überaus bescheiden: Er widmete seinen Dank den Patienten, die ihm so viel gegeben hätten. Freudestrahlend nahm er das Abschiedsgeschenk seiner Teamkollegen entgegen: Ein Übungsradl, das etwa mit Standfestigkeit, Leichtigkeit und Kreativität Eigenschaften aufzeigte, die der Vorruhestand unbedingt erfordere.