Becher und Deckel gehen getrennte Wege

von Redaktion

Stephanskirchen/Landkreis – Sechs verschiedene Container für Plastikmüll in Stephanskirchen, einer in Rosenheim. Die Folge: Plastikmülltourismus über die Stadtgrenze. Oder die Frage, ob die Plastikfolie auch im richtigen Container gelandet ist. Denn es gibt zwei Möglichkeiten. Muss das sein? Ein Container für Kunststoffflaschen, einer für Margarine- und Joghurtbecher, einer für Folien größer als DIN A4 – inklusive Tragetaschen, einer für Tetra-Paks, einer für Getränke- und Spraydosen, Kronkorken und Schraubverschlüsse und einer für Folien kleiner als DIN A4, Becher über einem Liter, Flaschen und Kanister über fünf Liter, Chips- und Nudeltüten sowie Blumentöpfe.

Ein halbes Dutzend für den Kunststoff

Es sind tatsächlich sechs Container allein für Kunststoff und Weißblech, die sogenannten Leichtverpackungen. Und der Joghurtdeckel ist da noch gar nicht mit dabei. Der gehört in den Aluminium-Container. So sieht es auf den Wertstoffhöfen in weiten Teilen des Landkreises Rosenheim aus.

„Das System ist für Verbraucher kaum zu verstehen“, sagt Rainer Auer, Bürgermeister in Stephanskirchen. Er selber trennt, „fein säuberlich mit einem latent schlechten Gewissen, weil ich manchmal nicht sicher bin, ob es richtig ist.“ Das kann im Zweifelsfalle das Personal am Wertstoffhof beantworten, heißt es aus dem Landratsamt.

Der Landkreis ist zuständig für die Abfallentsorgung zwischen Kiefersfelden im Süden und Soyen im Norden. Er hat mit dem „Dualen System“ eine sortenreine Erfassung über die Wertstoffhöfe beziehungsweise Wertstoffinseln vereinbart. Damit seien die verschiedenen Fraktionen auch zu einem höheren Anteil für die „stoffliche Verwertung“, sprich das Recycling, geeignet, so die Sprecherin des Landratsamtes. Klar sei aber auch, dass jedes Erfassungssystem Vor- und Nachteile berge. „Das ist vergeudete Lebenszeit“, ärgert sich Harald Arp. Der Platz und die Zeit zum Vorsortieren, der Mitarbeiter am Wertstoffhof, „der mir fast auf den Füßen steht und befiehlt, dass der eckige Becher dorthin und der runde dorthin gehört“ – unhaltbar findet das Arp, der in Stephanskirchen lebt. Und auf die Öffnungszeiten des Wertstoffhofes sei man auch noch angewiesen. „Ich bin mittlerweile richtig genervt.“ 30 Kilometer weiter nördlich sorgt Arps Ärger für hörbares Schmunzeln. Bernhard Schachner ist in der Wasserburger Stadtverwaltung für die Abfallentsorgung zuständig und sagt: „Es wundert mich schon lange, dass sich da nicht schon viel mehr Leute gemeldet haben.“ Der Landkreis Rosenheim habe nach seinem Wissen eine Sonderrolle in Bayern, er kenne keine Kommune, keinen anderen Landkreis, der so auseinander sortiere.

Schachner hat gut lachen, denn Wasserburg ist die einzige Kommune im Landkreis, die – unter anderem der engen Altstadtgassen wegen – selber für die Müllentsorgung zuständig ist. In Wasserburg wird gemischt gesammelt. Joghurtbecher und -deckel landen in einem Container. Nur Hartplastik wie der kaputte Eimer oder das Geschirrabtropfgestell müssen am Wertstoffhof getrennt entsorgt werden.

Auch die kreisfreie Stadt Rosenheim hat sich für die gemischte Sammlung entschieden, die vom Dualen System abgeholten Leichtverpackungen aus Rosenheim und Wasserburg laufen durch Sortiermaschinen. Also darf alles in einen Container. Beide Städte haben bisher keinen gelben Sack oder eine gelbe Tonne eingeführt.

Bürger lehnten
gelben Sack ab

In Wasserburg war der gelbe Sack angedacht, wurde von den Bürgern abgelehnt: Material zu dünn und ein schönes Bild geben die Müllberge am Abend vor der Entsorgung auch nicht gerade ab. Schwachstellen, die auch der Landkreis sieht. Und: Der Inhalt von gelben Säcken sei in der Hälfte der Fälle der falsche, also müsse er – wie Restmüll – thermisch verwertet, sprich: in Burgkirchen verbrannt, werden. Den hohen Fehlwurf-Anteil an den entsprechenden Containern kann Schachner nicht bestätigen, die Wasserburger trennen ziemlich sauber. Was auch daran liegen könnte, dass die Wertstoffinseln regelmäßig-unregelmäßig videoüberwacht werden. „Zur Beweissicherung ist das durchaus erlaubt.“ Im Landratsamt geht man davon aus, dass bei einer umweltgerechten Abfallentsorgung der jeweilige Wertstoffhof ohnehin angefahren werden muss. „Nicht zuletzt aus dieser Überlegung heraus gab es im Landkreis Rosenheim eine Entscheidung für die sortenreine Erfassung der Leichtverpackungen über die Wertstoffhöfe.“

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