Aschau – „Seine Herzlichkeit und sein Lächeln werden unvergesslich bleiben.“ Diese Worte aus den Reihen des Männerchores, bei dem Siegfried Gattinger jahrzehntelang den Bass verstärkte, prägen die Erinnerung an den ehemaligen Lehrer und Rektor der Schule in Rechtmehring/Maitenbeth. Gattinger, der schon während seiner Lehrtätigkeit und verstärkt nach seiner Pensionierung seine Leidenschaft für die Musik als Sänger beim Männerchor Aschau, beim Peter-Müllner-Chor und im Kirchenchor, als vormaliger Kantor und Chorleiter in Kirchdorf und als Konzertkritiker für das OVB auslebte, war überhaupt sehr kulturinteressiert. Sei es seine Passion für die Aquarell-Malerei, das Theaterspiel (unvergesslich seine Darstellung als Petrus beim Aschauer Auferstehungsspiel 2005) oder seine Sprachbegabung – er sprach fließend italienisch und spanisch und brachte sich kroatisch bei – oder das Reisen, die Kultur war für ihn zeitlebens sehr wichtig. Gattinger, am 3. Juli 1931 in Hausen bei Geltendorf geboren, war das jüngste von sieben Kindern. Die Schule meisterte er spielend, dem Abitur schloss sich die Lehrerausbildung an der Lehrerbildungsanstalt, später Pädagogische Hochschule, in München-Pasing an. Dort lernte er auch seine Edeltraud kennen, die er 1956 heiratete. Mit ihr zusammen zog er nach Kirchdorf bei Haag, wo sie unterrichtete, während er erst in Kirchweidach, später dann in Ramsau und Haag als Lehrer tätig war und schließlich Rektor in Rechtmehring/Maitenbeth wurde. Tochter Andrea und Sohn Michael und die zwei Enkelkinder Leonie und Eric krönten die Familie. Nach dem Tod seiner Ehefrau 2014, die er selbst im hohen Alter jahrelang pflegte, fand er noch einmal privates Glück mit Erika Zuchold, mit der er viele Reisen unternahm und Konzerte besuchte. Siegfried Gattinger war, wenn man so sagen darf, ein umtriebiger Mann: Er interessierte sich für Geschichte sowie für Flora und Fauna, und schon in jungen Jahren begann er, Europa zu bereisen. Die Hochzeitsreise 1956 führte nach Dubrovnik (Kroatien), auf Reisen quer durch Italien, Spanien, Griechenland und Kroatien lernten er und seine Familie Land und Leute kennen, indem man sich gerne privat einquartierte, und selbst noch im hohen Alter von 87 Jahren fuhr er nach Berlin, um sich die Hauptstadt noch einmal aufs Genaueste anzuschauen. Er liebte den Sport, er spielte Tennis, im Sommer wie im Winter war er in den Bergen unterwegs und Jahre hintereinander bekam er goldene Sportabzeichen in Leichtathletik verliehen. Er war ein begeisterter Hobbykoch und ein überaus geselliger Mensch, der gern große Feste feierte. 1994 zog es die Familie nach Aschau, wo er sich trotz offiziellem Ruhestand beim Peter-Müllner-Museum und dem Kräutergarten in Sachrang sowie bei der Landesausstellung Adel in Bayern 2008 als sachkundiger Museumsführer einbrachte. Gattinger schrieb, basierend auf seiner Liebe zur Heimatgeschichte, zwei Bücher: 1990 das Kirchdorfer Heimatbuch und 2010 das Buch „Kreuze unter freiem Himmel in Aschau und Sachrang.“ Bei klassischen Konzerten in Aschau, Sachrang und ab und an auch in Erl und Thiersee, Tirol, war er ein gefragter Rezensent. Sein Allgemeinwissen war riesig, seinem Ruf als „wandelndes Lexikon“ wurde er oft und dennoch stets bescheiden im Auftreten gerecht. Aber auch seine Herzlichkeit und sein ehrliches Wesen zeichneten den Oberbayern aus. Hubertus Burckhardt, der dem Verstorbenen jahrelang in Freundschaft verbunden war, pflegte ihn bis zuletzt. Im vergangenen Jahr ließen Gattingers Kräfte nach, mehrere Lungenentzündungen zwangen den umtriebigen Pensionär, die geliebten Reisen und die Konzertbesuche aufzugeben. Siegfried Gattinger am Dreikönigstag friedlich zu Hause gestorben. elk