Brückenschlag der Religionen

von Redaktion

Drei Kirchen bündeln sich in der ACK Chiemsee – Vorreiterrolle in der Region

Prien/Bernau/Bad Endorf – Natürlich gibt es Unterschiede. Aber mehr noch Gemeinsamkeiten. Der Einsatz für Gott eint sie überdies: die katholische, die evangelische und die neuapostolische Kirche von Prien mit ihren zugehörigen Pfarreien und Verbänden. Unter dem Namen Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen, kurz ACK, bündeln sie sich ab 26. Januar offiziell.

Multilaterale
Vorreiterrolle

Denn dann steht die Gründung einer der ersten multilateralen Gemeinschaften bevor. Die ACK Chiemsee, wie sie dann heißen soll, nimmt dabei eine Vorreiterrolle in der Region ein. „Die Ökumene zwischen Katholiken und Evangelen gibt es schon lange und ist bekannt. Dass man aber auch andere christliche Kirchen integriert, ist gerade 2020 ein Wunsch der übergeordneten Kirchen und zukunftsweisend“, so Pfarrer Klaus Hofstetter. Mit seiner Versetzung nach Prien bekam die Einbindung der neuapostolischen Kirche nach Angaben seines evangelischen Amtskollegen Karl Wackerbarth einen Anschub.

Amtsträger bewusst
für Vorstand gedacht

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen gibt es bereits seit 1948 auf europäischer, nationaler, regionaler Ebene. Jetzt ziehen die lokalen Ebenen nach. Das künftige Miteinander der ACK Chiemsee erstreckt sich über die katholischen Pfarrverbände Bad Endorf und Westliches Chiemseeufer, die evangelischen Kirchengemeinden, Aschau-Bernau, Bad Endorf und Prien sowie die neuapostolische Kirchengemeinde Prien. Hinter der bevorstehenden ACK-Gründung steht nun von allen Beteiligten das Bestreben, dass die Ökumene in den beteiligten Gemeinden unabhängig sein soll von den derzeit leitenden Personen.

Das heißt: Es soll am 26. Januar von Delegierten ein eigener Vorstand gewählt werden, der nicht mit Pfarrer Klaus Hofstetter für die katholische Kirche, Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth für die evangelische sowie Andreas Sargant, Vorsteher der neuapostolischen Kirchengemeinde beziehungsweise dessen Nachfolger im Amt, besetzt ist. So soll die Ökumene nicht von den Geistlichen (Beraterfunktion) geleitet, sondern direkt von den Gläubigen gelebt und geführt werden. Die Entwicklung von der Basis, nicht von oben herab, sei das Ziel für ein gelebtes Mit- und Füreinander, sind sich die Köpfe hinter der Gründung einig.

Ökumene ist dabei kein Novum im Chiemgau. Bei Festgottesdiensten oder am Volkstrauertag gebe es sie schon – bis dato aber nur im Duett (Katholiken und Evangelen). Gerade bei Jubiläen ist dies laut den Pfarrern mittlerweile auch von Vereinsseite her sehr gewünscht.

Vorreiter der Ökumene war einst die Gemeinde Rimsting, wie Wackerbarth weiß. Der damalige dortige Altbischof Stelin aus Norddeutschland – „eine imposante Erscheinung“ – hatte in den 50er-Jahren schon ökumenische Gottesdienste abgehalten. „Aus dessen Bibelarbeit heraus bildeten Frauen den ökumenischen Arbeitskreis, der seit 1995 besteht mit Frauenfrühstück und Co. „Dabei wurde der Samen für das heutige Projekt gesät. Es gab erste Annäherungen mit Gottesdiensten, Erwachsenenbildung und Kursen“, schildert Wackerbarth gegenüber unserer Zeitung. Es folgten zahlreiche weitere – erfolgreiche und in Erinnerung gebliebene – Projekte der Ökumene, wie der gemeinsame Kirchentag auf der Fraueninsel, der Kreuzweg, die Eine-Welt-Initiative in Prien, der ökumenische Sternenweg und vieles mehr.

Gemeinsamkeiten
durch Generationen

„Durch alle Generationen hinweg gibt es gemeinschaftliche Aktionen“, untermauert Hofstetter und betont, dass gerade Kinder durch die Bibeltage in der Ökumene oft schon weiter seien als ihre Eltern. Die Zusammenarbeit der kirchlichen Institutionen sei in der Vergangenheit oft personenabhängig gewesen. Priens Pfarrer Bruno Fink habe diese ins Rollen gebracht. Basierend auf der gegenseitigen Wertschätzung bildet sich nun die Dreier-Gemeinschaft in der ACK Chiemsee heute. So soll jede Institution sich bei den Gemeinschaftsaktionen wiederfinden. „Das fängt bei liturgischen Gemeinsamkeiten an, bis hin zu Positionen der Geistlichen bei Festgottesdienstes etc“.

Die Gemeinsamkeiten sollen hinausgetragen werden und den Gläubigen nahegebracht werden. Ein Schritt dabei ist quasi eine „Kirchenroas“ bei der langen Nacht der Kirchen am 10. Juli. Dabei können Interessierte via Shuttlebus bei der langen Nacht der Kirchen im Juli sich vorstellen und präsentieren. Zum Abschluss gibt es eine ökumenische Andacht im Innenhof des Pfarrzentrums unter dem Motto „Da bin ich dabei“. Begegnungen sollen dabei entstehen und jede Kirche überlegt sich in ihren Gotteshäusern ein eigens Programm. Vermeintliche Hemmschwellen sollen durch die offenen Türen an diesem Abend – sichtbar – abgebaut werden. Man wolle die Menschen sinnbildlich abholen. „Wir wollen die Gemeinsamkeiten aufzeigen und leben. Gleichzeitig bleiben wir eigenständige Kirchen. Es gibt kein Durchmischen oder Einheitsbrei“, betont Sargant.

Wichtig ist den Verantwortlichen das Miteinander mit der politischen Gemeinde. Dies hob auch Priens Zweiter Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster hervor: „Die Gemeinde ist hier voll dabei und steht auch hinter der Gemeinschaft, Wie bisher werde man die Projekte, gerade im öffentlichen Raum, weiter unterstützen.“

Programm zur Gründung am 26. Januar

Zum offiziellen Gründungsakt der ACK am Sonntag, 26. Januar, sind alle Interessierten eingeladen. Um 19 Uhr wird eine gemeinsame ökumenische Andacht in der katholischen Pfarrkirche in Prien gefeiert. Im Anschluss daran finden bei einem Stehempfang im katholischen Pfarrheim Prien der Gründungsakt und die Wahl des Vorstandes statt. Georgios Vlantis, Geschäftsführer der Geschäftsstelle der ACK Bayern, wird die Predigt der gemeinsamen Andacht mitgestalten.

Die Geschichte der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen

Ziel der ökumenischen Bewegung war es, die Kirchen „zu gemeinsamem Zeugnis und Dienst“ zu vereinen. Neben dem weltweiten Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) bildeten sich in vielen Ländern Nationale Kirchen- und Christenräte. Der Zusammenschluss in der ACK erfolgte am 10. März 1948. Bedingt durch die politische Teilung Deutschlands, gab es eine Aufteilung. 1970 wurde die „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der DDR“ (AGCK) gegründet. Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten konstituierten sich die beiden Arbeitsgemeinschaften 1992 neu. Gründungsmitglieder waren fünf Kirchen. Heute hat die ACK 17 Mitgliedskirchen und sechs Gastmitglieder.

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