Oberpfälzer teilen ordentlich aus

von Redaktion

„Altneihauser Feierwehrkapell’n“ stichelt nicht nur gegen Kommunalpolitiker

Rohrdorf – Im nördlichen Bayern gehört die „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ aus der Oberpfalz seit 1985 zu den Highlights einer jeden Fastnachtveranstaltung. Auch in der BR-Faschingssendung „Fastnacht in Franken“ haben die Herren mit ihren rußverschmierten Gesichtern in Feuerwehruniformen aus dem 19. Jahrhundert seit Jahren einen festen Platz. Dort nehmen sie insbesondere Landes-, Bundes- oder Europa-Politiker ins Visier ihrer Satire. Auch vor schlüpfrigen Darbietungen machen sie nicht Halt, was bereits zu heftigen Diskussionen beim BR geführt hat. Ob der Kapelle das allerdings auch in „fremden Landen“, also im oberbayerischen Rohrdorf, mit dortigen Kommunalpolitikern gelingen kann?

Nach wenigen
Tagen ausverkauft

Offensichtlich! Zu dem Auftritt hatte der Verein Bürgerblock Rohrdorf eingeladen und die rund 1000 Zuschauer fassende Rohrdorfer Turner Hölzl Halle war bereits Tage zuvor komplett ausverkauft. Dabei zeigte sich der Feuerwehrkommandant, Kabarettist und Schauspieler Norbert Neugirg, als außerordentlich gut informiert und konnte im weiteren Verlauf des Abends mit vielen Details aus dem Rohrdorfer Rathaus politisch-provokant glänzen. Wen wundert es da, dass er gleich zu Anfang den Bürgermeister aufs Korn nahm? Dieser hatte im letzten Herbst seine Tochter als Vollzeitmitarbeiterin im Einwohnermeldeamt des Ortes eingestellt, ohne den Job im Rathaus vorher öffentlich auszuschreiben oder gar den Gemeinderat darüber zu informieren. So hieß es bei der „Feierwehrkapelle“ gleich zu Beginn „Wasser marsch aus allen Rohren“ und es war der Spott zu hören: „Rohrdorf heißt der schöne Fleck, hier ist die CSU noch keck, trotz Bürgerblock und Querulanten, mit Kindern und Verwandten geht man trotz Protest und Mist so um, wie’s nun mal üblich ist: Die Bürgermeister stellen Töchter ein, Gemeinde soll Familie sein.“ Vergleichsweise harmlos waren die Kommentare zu den Sozialdemokraten: „Die SPD sitzt, wenn auch ohne Sinn in Rohrdorfs Plenum auch mit drin, sie hält sich zäh seit langer Zeit, die roten Pfosten sind zu zweit und erdulden dort die CSU so wacker, wie Mohnblumen den Gülleacker.“

Seitenhiebe auch
gegen den Pfarrer

Die scharfen Seitenhiebe machten nicht einmal vor dem Vorsitzenden des Bürgerblocks Rohrdorf oder den Haustüren der Nachbargemeinde Neubeuern halt. Selbst der örtliche Pfarrer bekam sein Fett ab, denn die Recherchen der Satiriker ergaben offenbar, dass liturgische Termine zu lange dauern. „Noch immer ist in Rohrdorf jede Messe Ergebnis langsamster Prozesse, denn Pfarrer Baumgartners Gefühl für Zeit ist ein Hinweis auf die Ewigkeit,“ und weiter: „Besuchen Frauen seine Messen, heißt das: Strickzeug nicht vergessen!“

Doch zumeist machten die bissigen Feuerwehrleute Witze auf ihre eigene Kosten ohne ihre Zuschauer außer Acht zu lassen, die sich „den Eintritt leisten, den Oberpfälzer sich erdreisten, den CO2-vernebelten Geschöpfen im Abgas-Inntal abzuknöpfen!“.

„Alles in allem, ein schräger und absolut toller Abend“, kommentierte ein Zuschauer.

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