Vogtareuth – Hurra, der Pumuckl ist da! Es gibt viele, die das nach den Aktionen des Brumbuckl, Holznuckl oder Krumbuckl zumindest zwischenzeitlich anders sahen: Haushaltshilfe Frau Eichinger, Schlossermeister Schorsch Bernbacher, sein Perücke tragendes Ehegespons Hildegard oder Herr Meier, dem das Schlimmste passiert ist, was einem Bayern bei einer Geburtstagsfeier passieren kann: Sauerkraut im Bier („A so a Sauerei!“).
Sogar Schreinermeister Franz Eder, dem der Klabauter das Haus angezündet hat, ist beim „Großen Krach“ und den „Folgen des großen Krach“ schlecht auf seinen Hausgast zu sprechen. Wie herrlich waren die Folgen der Serie danach, denn der Meister und sein Pumuckl hatten nie wieder so einen Streit.
Warm werden mit
dem Wirbelwind
Christian Schleinzer, Hauptdarsteller des Musicals „Pumuckl“ am Gärtnerplatztheater in München, weiß also bei seinem Besuch in der Kinder- und Jugendabteilung der Schön-Klinik in Vogtareuth: Nicht jeder mag den rothaarigen Wirbelwind auf Anhieb. Pumuckl Christian zu Luisa: „Magst Du Musik?“ Luisa: „Nein!“ Christian Pumuckl zu Michele: „Kommst du später in den Saal?“ Michele zu seiner Mama: „Ich will zum Chiemsee.“ Mama: „Und was machen wir morgen? Übermorgen fahren wir heim.“ Michele: „Nein! Ich bleibe hier. Wir ziehen nach Bayern!“
Pumuckl ist, eigenen Angaben zufolge, dreihundertzwölfundzwanzig Jahre alt, er kann mit Ablehnung umgehen. Christian Schleinzer hat noch mehr zu bieten: Einfühlungsvermögen. Eine schwere Krankheit fesselte ihn in der Kindheit lange ans Krankenhaus und niemand durfte zu ihm – nicht einmal seine Eltern. Jetzt sagt er: „Wir können mit so kleinen Dingen Freude machen, die lange bleibt. Es ist ein Privileg so was machen zu dürfen. Es macht glücklich, wenn wir Kinder und junge Leute lachen und vor allem lächeln sehen dürfen.“
Der Pumuckl hat
für jedes Kind Zeit
Professionell unterstützt von Maske, Busfahrer oder Musik von Anke Schwabe gibt sich Christian/ Pumuckl seinem Publikum hin. Jeder ist anders und für jeden hat er Zeit. „Hallo, sehen wir uns später im Saal?“ Das Gärtnerplatztheater hat sofort zugesagt, Christian Schleinzer zu unterstützen, sogar einen Bus hat die Intendanz bereitgestellt. Eine Wunde blutet wieder auf dem Krankenhausgang. Blutspritzer auf fünf Meter Länge. Der Pumuckl scheitert. Das Kind schreit. Reinigungskräfte packen an. Pumuckl Christian und seine Begleiter senken den Blick.
Seit 1991 kommt mittlerweile mindestens einmal wöchentlich der Klinik-Clown nach Vogtareuth. Hunde, Pferde und vielleicht demnächst ein Bulldog sorgen für Abwechslung bei den Patienten. Regelmäßig zwei Wochen in der Schön-Klinik sein zu müssen oder mehrere Monate am Stück, das zehrt an den Nerven. Was ist? Was wird? Wie sollen wir unseren Hof bewirtschaften und uns gleichzeitig um unser Kind kümmern?
Korbinian ist ein echter Bayer, Pumuckl Christian nennt ihn den „kleinen Meister Eder“: „Hurra, der Pumuckl ist da.“ Korbinian erzählt stolz: „Ich bin auf der Kletterwand scho‘ mal ganz auffe kemma.“ Pumuckl singt, schafft die Hälfte der Wand. Eigentlich erbärmlich, denn als Klabauter muss er auf schwankenden Schiffen bis ganz nach oben in die Masten. Kiro schafft nur ein Hauchen, wenn er spricht. Papa hört, was Kiro sagen möchte. Pumuckl Christian ist bei ihm, singt, vergisst alles andere. Papa nimmt alles auf Video auf, lächelt. Kiro lächelt. Er ist glücklich.
Mit dem Dino auf der
Suche nach Philip
Philip ist nicht in seinem Zimmer. Christian nimmt den Dinosaurier von Philip. Überhaupt ist Christian immer auf der Suche: Wo sind denn die Patienten? Philip sitzt in seinem Rollstuhl und Pumuckl Christian fragt auch ihn, ob er denn in den Saal kommt? Philip sagt, ja. Michele, Luisa sagen Nein. Leo sagt gar nichts, Leo ist aufgewacht, als Pumuckl Christian in sein Zimmer kam. Leo versteckt sich müde. Christian singt für den Papa, der weint.
Ein bisschen Glück
und ein Autogramm
Rund 100 junge Patienten werden in der Schön-Klinik betreut, die Mehrzahl muss im Zimmer bleiben. Mehr als 40 strahlen beim Konzert von Christian und Anke im Saal. Leo ist nicht dabei. Luisa, Philip und auch Michele holen sich ihr Poster mit dem Autogramm: „Für …, von Pumuckl Christian.“ Gut 40 junge Fans holen sich ein paar Momente Glück. Sie lachen, erzählen von sich. Christian Pumuckl schreibt Autogramme auf die Plakate und jeder lächele. Hurra, der Pumuckl ist da, das ist wirklich wunderbar. Und was sich reimt, das ist gut.