Großkarolinenfeld – André Wiersig hat sieben Meerengen der Welt von bis zu 44 Kilometern durchschwommen – nur in Badehose, mit Schwimmbrille und Badekappe, als erster Deutscher. Alleine in den hohen Wellen, teils nachts und im oft eiskalten Wasser hat der Paderborner seine Liebe zu diesem wilden und rauen Lebensraum entdeckt. Er hat aber auch die extreme Verschmutzung des Meeres gesehen, die der Mensch verursacht hat.
Deswegen geht es in seinem Vortrag morgen, Freitag, 24. Januar in der Karolinenkirche in Großkarolinenfeld im Rahmen der Veranstaltungsreihe „MUT“ nicht nur um den Mut, den man braucht, um eine Meerenge zu durchschwimmen. Es geht auch um die Demut, die der Mensch gegenüber der Natur lernen sollte.
Nur Sie und das weite Meer: Was ist für Sie die größte Herausforderung beim Extrem-Freiwasserschwimmen?
Mit den vielen, ja teils menschenfeindlichen Bedingungen zurechtzukommen. Die Kälte, die Wellen, die Dunkelheit – ich schwimme ja auch in der Nacht – die gefährlichen Quallen, die einen stechen, die Strömungen, die einen stundenlang in ihrem Bann halten und nicht weiterkommen lassen.
Neben Kraft und Ausdauer – was braucht man, um durch den Ärmelkanal oder die Meerenge von Gibraltar zu schwimmen?
Die richtige mentale Einstellung entscheidet, hört sich ganz leicht an, ist aber ein langer Prozess und verlangt einem alles ab.
Was war für Sie das beeindruckendste Erlebnis beim Schwimmen im freien Wasser?
Wenn ich da draußen Haien, Walen, Seelöwen und anderen Meeresbewohnern begegnen durfte. Ich bin immer gut behandelt worden, sehe mich als Gast im Ozean und als Gast hält man sich zurück.
Als Botschafter der „Deutschen Meeresstiftung“ möchten Sie auch auf die Verschmutzung der Meere durch den Menschen aufmerksam machen. Wie erleben Sie die Zerstörung des Lebensraumes, wenn Sie schwimmen? Und was fordern Sie zum Schutz der Meere?
Ich kann aus einer einmaligen Perspektive berichten, schwimme ich doch ohne „Schutz“ und entsprechend verletzlich durch diese riesigen Weiten des Ozeans. Mitten in der Nacht bin ich so mit dem Kopf zuerst in eine Plastikplane geschwommen, diesen Schock werde ich nie vergessen. Ich habe die Aufgabe mitgenommen, zu erzählen, wie es dort draußen ist. Da wo ich hingehe, das hat nichts mit aufgeräumten, weißen Sandstränden und türkisem Wasser zu tun. Der Ozean ist groß, kennt keine Grenzen, keine Religionen oder persönliche Befindlichkeiten. Wir haben nur genommen als Menschen, ich schäme mich oft, wenn ich da draußen schwimme, schäme mich für uns alle. Jeder von uns sollte sich genau beobachten und sich die Frage beantworten, was er bereit ist zu geben. Das kann nur mit Verzicht einhergehen, es ist keine gute Idee einfach so weiterzumachen und die Lösung anderen zu überlassen. Interview: Katharina Heinz