Kiefersfelden – Bei der jüngsten Pressekonferenz in Tirols Landeshauptstadt Innsbruck wartete die Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe (Die Grünen) mit überraschenden und auch beeindruckenden Verkehrszahlen auf, die an den „Tiroler Dauerzählstellen“ erhoben worden waren. Seit der Wiedereinführung der Mautfreiheit am 15. Dezember letzten Jahres sank die Zahl der die Ausweichrouten nutzenden Pkw signifikant und in dieser Größenordnung auch nicht unbedingt erwartet.
Mehr als 40000 Fahrzeuge weniger
Bei genauer Betrachtung der Zahlen ist festzustellen, dass in der Zeit der Mautbefreiung vom 15. bis 31. Dezember gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr rund 40700 Kraftfahrzeuge weniger an den stationären Messstationen Kufstein-Innbrücke (Inntalautobahn A93) und Kufstein Grenze (Staatsstraße 2089) gezählt wurden, das ist knapp ein Viertel weniger. Dies bedeutet letztlich, dass exakt diese Anzahl an Fahrzeugen in dem nur 16-tägigen Messintervall weniger auf der österreichischen Bundesstraße 171, die am ehemaligen Grenzübergang Kiefersfelden in die Staatsstraße 2089 übergeht und die als Mautausweichstrecke genutzt wurde, unterwegs war – ohne Zweifel wegen des Wegfalls der „Pickerlpflicht“ bis Kufstein-Süd.
Im Gegensatz dazu war ein Rückgang des Verkehrs im österreichischen Niederndorf an der B 175 nicht zu erkennen, was darauf hindeutet, dass hier die Mautbefreiung keinerlei verkehrsentlastende Wirkung gezeigt hat. Im Gegenteil musste „ein geringfügiger Anstieg mit rund 100 Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden festgestellt werden“, wie dies das Messprotokoll dokumentiert.
Für Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber sind diese Zahlen Indiz „für ein wieder deutlich lebenswerteres Leben in dem Grenzort“. Für ihn sind die Messergebnisse „tatsächlich erstaunlich und die werden noch besser, bis sich die Mautbefreiung vor allem auch in den Köpfen der ausländischen Verkehrsteilnehmer festgesetzt hat“, ist er überzeugt.
Der Rathauschef sieht seit der Wiedereinführung der Mautfreiheit für seine Gemeinde „eine deutliche und unmittelbare Entlastung durch die entspannte Verkehrslage auf unseren Straßen. Es findet so langsam eine Rückkehr zur Normalität statt, und das ist nicht nur von mir so gefühlt“, was auch die zuvor genannten Zahlen eindrucksvoll belegen.
Autofahrer weichen Grenzkontrollen aus
Befreit von der Belastung durch den Mautausweichverkehr, spannt der Bürgermeister sogleich den Bogen zum Grenzkontrollen-Ausweichverkehr. Diesen ebenfalls zu minimieren „ist jetzt unser oberstes Ziel. Doch das wird nicht ganz so einfach“, schätzt Gruber die Sachlage ein. „Die Grenzkontrollen sind ein Politikum und das wird sich zunächst einmal nicht so schnell ändern. Daher brauchen wir“, so plädiert er eindrücklich an die Verantwortlichen, „eine dritte Abfertigungsspur am Autobahn-Grenzübergang Kufstein, die dann sicher eine wesentliche Entlastung des innerörtlichen Verkehrs und damit auch der Kieferer Bürger mit sich bringt“.
Wie reagieren diese auf die Mautbefreiung, die seit dem 15. Dezember des Vorjahres gilt? Hildegard Prinz, 57-jährige selbstständige Kauffrau und Künstlerin, sieht „zu gewissen Zeiten nachts und an den Wochenenden ein deutlich geringeres Verkehrsaufkommen in Richtung Kufstein. Allerdings ist die Verkehrssituation auf der Staatsstraße 2089 in Richtung Rosenheim durch den Grenzkontrollenausweichverkehr für mich und meine Familie immer noch nicht schmerzfrei, das muss noch besser werden“.
Für den 68-jährigen Rentner Harold Danier „hat sich im Prinzip nicht wirklich viel verändert. Ein bisschen weniger Verkehr ist es schon geworden, zählbar ist das für mich aber nicht“. Und einen guten Rat schiebt er noch nach: „Mit ein wenig Rücksicht aller Verkehrsteilnehmer wäre alles noch ein gutes Stückchen besser, und das nicht nur bei uns.“.