Prien/Bernau/Bad Endorf – Das griechische Wort „Oikumene“, deutsch Ökumene, bezeichnete in der griechisch-römischen Antike die gesamte bewohnte Welt. Im Christentum wird das Wort meist als Synonym für den Erdkreis verwendet sowie als Gesamtheit der Christen und der christlichen Kirchen. Letzteres ist nun mit einem feierlichen multilateralen Gründungsakt beispielhaft für die Pfarrverbände von Prien, Bad Endorf und Bernau erfolgt. Zusammengeführt unter dem Mantel der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Chiemsee, kurz ACK, bilden katholische und evangelische sowie neuapostolische Kirche nun einen Verbund, der das Miteinander und die Gemeinschaft leben will.
Laien als Gesichter
für lebendige Kirche
Die leitenden Gesichter dahinter sind aber nicht die Geistlichen der Kirchen selbst, sondern bewusst Laien, die sich für ihre Kirchen engagieren. Im Rahmen des Gründungsaktes wurden sie von Delegierten gewählt. Die neuen Vorsitzenden sind: Rainer Pannenberg (für die katholische Kirche), Klaus Lerch (für die evangelische Kirche) und Rita Sandig (für die neuapostolische Kirche). Die Vorsitzenden einigten sich, den Vorsitz zu rollieren. Im ersten Jahr übernimmt Rainer Pannenberg den Vorsitz. Zur Gründung – und damit die Bedeutung des Priener Zusammenschlusses in der Pfarrkirche dokumentierend – kam Georgios Vlantis in die Marktgemeinde. Er ist seit 2016 Geschäftsführer der ACK Bayern. Für Vlantis ist die Einheit ein Auftrag Christi. Der gebürtige Grieche ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft und wird auch in seiner Mission als moderner christlicher Globetrotter für seinen Einsatz um die Ökumene betitelt. „Die Vielfalt der christlichen Kirchen kennenlernen zu dürfen finde ich großartig.“ So unterschiedlich diese auch seien, man könne doch so viel gemeinsam machen und bewegen. Grundvoraussetzung für das Gelingen der Ökumene – generell – sei „eine gewisse Offenheit und Neugierde dem anderen gegenüber“. Vlantis: „Offenheit ist die beste Medizin, um Ängste vor dem anderen, vor dem Fremden abzubauen.“ Ökumene trage deutlich dazu bei. Die Begegnung mit anderen Kulturen, Traditionen und Ansichten sind für ihn seit jeher das A und O. „Dann beginnt man den anderen positiv in seiner Andersheit wahrzunehmen und zu begreifen“, erklärt der orthodoxe Theologe. Gleichwohl er auch bekennt: Ökumene sorge immer wieder für neue Herausforderungen. Das mache aber die Arbeit so spannend.
Baum als Sinnbild
des Miteinanders
Auch wenn Weihnachten längst vorbei ist, wurde noch ein Christbaum geschmückt – mit gelben, violetten oder blauen Kugeln. Jede Farbe stand dabei für eine der Kirchen. Dass Ökumene auch Hindernisse überwinden muss, zeigte sich dann gleich bei dem Transport des Baumes von der Kirche in den benachbarten Pfarrsaal.
Nur gemeinsam konnte dieses Unterfangen – wie auch die ACK künftig – bewältigt werden. Jeder Teilnehmer an der Gründung konnte dann eine Kugel an einen anderen überreichen. „So soll sich der Ökumenegedanke, da ja jede Kugel für eine Kirche steht, schon einmal sichtbar verbreiten“, erläutert Vorsitzende Rita Sandig gegenüber unserer Zeitung. Erklärtes Ziel aller Beteiligten: Man wolle Gemeinsamkeiten fördern, aber keinen Einheitsbrei schaffen.