Aschau – „Wir Aschauer brauchen uns mit diesen vier Bürgermeisterkandidaten nicht vor den Kommunalwahlen zu fürchten“, zog der Vorsitzende des Aschauer Gewerbevereins, Rainer Küblbeck, den Schlussstrich bei der Präsentation der Kandidaten in der Aschauer Festhalle. Jeder Sitzplatz war belegt, kein Stehplatz wäre in der Halle noch zu ergattern gewesen. So voll war die Halle wohl letztmalig bei den legendären ersten Heimatabenden in den 60-er Jahren besetzt.
Gespannt warteten alle auf den ersten – und letzten – gemeinsamen Auftritt der vier Männer, die sich für den Chefposten im Aschauer Rathaus bewerben. Simon Frank tritt für die „Bürgerliste Zukunft für Aschau“ an, Max Neumüller für die „Bürgerbewegung Aschau“ (BBA), Wolfgang Rucker ist der gemeinsame Kandidat der Prientalliste (PTL) und der SPD und Amtsinhaber Peter Solnar strebt für die Freie Wahlgemeinschaft Aschau (FWGA) eine zweite Amtszeit an.
Die beiden Vorsitzenden des Gewerbevereins, Rainer Küblbeck und Christian Trattner, gaben den Kandidaten jeweils zehn Minuten, um sich und ihr Programm vorzustellen.
Zehn Minuten
für die Statements
Die Reihenfolge der Statements wurde ausgelost, als Erster präsentierte sich Peter Solnar dem Publikum: „Wir haben im Gemeinderat in den letzten sechs Jahren viel angeschoben und viel erreicht. In den letzten Wochen hat sich gezeigt, dass alle vier Kandidaten im Prinzip dasselbe für Aschau wollen – nur auf verschiedenen Wegen. Die Listen der Bewerber für den Gemeinderat der kommenden Periode sind alle mit hervorragenden Personen zusammengestellt, wir sind toll aufgestellt für die Zukunft.“
„Wir wollen verbinden – nicht spalten, unsere zukünftige Arbeit im Rathaus soll von Wertschätzung und gegenseitigem Respekt geprägt sein“, begann Simon Frank seine Vorstellung. „Als geborener Aschauer, der im Schatten der Burg aufgewachsen ist, kenne ich das Vereinsleben und bin ausgewiesener Insider im Gemeindeleben. Wir wollen als Bürgerliste die Zusammenarbeit von Gemeinderat und Gemeindeverwaltung stärken und unsere hauseigenen Sachverständigen fördern. Wir wollen Aschau und seine Traditionen lebendig erhalten und kein Vorort von München werden. Wir stehen daher für eine zeitgemäße Ortsentwicklung mit der Errichtung von Mehrfamilien-Anlagen. Dabei haben wir besonders junge Familien und Senioren im Blickfeld“. „Aus Sorge und Liebe für unseren schönen Ort“, will sich Max Neumüller für das Bürgermeisteramt bewerben. „Heimat darf keine Frage des Geldbeutels sein, wir müssen unseren Kindern und Enkeln genügend finanziellen Spielraum lassen, damit sich der Ort auch in Zukunft weiterentwickeln kann. Das bedeutet in nächster Zukunft vor allem die Sanierung der Finanzen und die Beschränkung der Gemeinde auf die gemeindlichen Pflichtaufgaben. Kostspielige Prestigebauten und teure Geschenke für Vereine und Institutionen könne man sich nicht mehr leisten. „Das Parteiengeplänkel und gegenseitige Blockieren im Gremium muss ein Ende haben. Ich verstehe das Amt des Bürgermeisters als Bindeglied zwischen Gemeinderat und Verwaltung, dabei ist der Bürgermeister erster unter gleichen“.
Wolfgang Rucker schloss den Vorstellungsreigen mit seiner Forderung nach mehr Transparenz und einer besseren Unterrichtung des Gemeinderates. Der ständige Rückzug in die nicht öffentliche Sitzung und die Geheimniskrämerei seien dem Ansehen der Gemeinderäte abträglich. Nach dem Warmlaufen der Kandidaten und der Bekanntgabe ihrer Ziele stellten Rainer Küblbeck und Christian Trattner ihre Fragen an jeden Einzelnen zur sofortigen Beantwortung. Dabei wurde keines der drängendsten Aschauer Probleme ausgelassen – und siehe da: mit ganz wenigen Ausnahmen waren sich die vier auf dem Podium über die Ziele einig; lediglich die vorgeschlagenen Lösungsmöglichkeiten waren unterschiedlich. Vom fehlenden Wohnraum für junge Familien über das Hotelprojekt bis zu den Schulden verursachenden Bauprojekten Sporthalle, Kanalisation Staffelstein und Straßenbau ging die Palette. Dabei stand immer die Nachfrage im Hintergrund, ob für diese intensiven Maßnahmen Steuererhöhungen oder weitere Beschränkungen und Belastungen für die Aschauer Bürger notwendig seien. Der Schuldendienst der Gemeinde sei beschränkt, ein Mehr an Schulden gehe zulasten kommender Generationen. Den Abschluss der Fragerunde bildete die Frage, wie sich die Kandidaten die Ausgestaltung ihres Amtes vorstellen. Dabei war die übereinstimmende Antwort: Der Bürgermeister dürfe sich nicht überschätzen und müsse als Teamplayer arbeiten, Erfolg gebe es nur im Zusammenwirken aller, dabei müsse man auch die Hilfe von außen annehmen, wenn es notwendig sei. Eine ständige Einschaltung externer Berater sei in der Masse der Fälle aber nicht notwendig.
Ruf nach
Respekt
Als vorrangige Aufgabe nach einem Wahlsieg sah es Wolfgang Rucker bei der allerletzten Frage der Gesprächsrunde, das Parteiengezänk im Gemeinderat zu beenden, Simon Frank möchte nach einem Überblick über die Ist-Situation Offenheit und Transparenz im Gremium herstellen, auch Max Neumüller will nach einem Kassensturz den gegenseitigen Respekt voreinander und das frühere Miteinander wieder herstellen. Danach – so waren sich alle einig – können man an Visionen für die kommende Legislaturperiode bis 2026 arbeiten. Bürgermeister Peter Solnar hat klare Ziele, die nächsten sind der Ausbau des ÖPNV in Zusammenarbeit mit Tirol und die Vermehrung von bezahlbarem Wohnraum.