Stephanskirchen – Der Stadtverkehr Rosenheim (SVR) soll bis Stephanskirchen gehen. Das beantragte jetzt die CSU – und durfte sich von den anderen Fraktionen im Gemeinderat so einiges anhören.
Der Antrag der CSU Stephanskirchen passt gut zu dem just abgeschlossenen Bündnis der privaten Busunternehmen, des SVR und des Regionlverkehrs, die eine bessere Vertaktung und ein einheitliches Tarifsystem wollen (wir berichteten). Denn auch die CSU wünscht eine bessere Taktfrequenz und ein einfacheres Tarifsystem. Die Verwaltung solle dazu Gespräche mit den Beteiligten anstoßen und nach der Konstituierung der neuen Stadt- und Gemeinderäte parteiübergreifend das Gespräch suchen, so der Antrag.
Antrag kommt Parteifreien zu spät
Hubert Lechner (Parteifreie) kritisierte den Zeitpunkt des Antrags: Richtig wäre der Sommer 2019 gewesen, als es im Landkreis um den neuen Nahverkehrsplan ging, Wünsche und Anregungen der Gemeinden gesammelt wurden. „Jetzt? Sechs Wochen vor der Wahl?“ Lechner ließ keinen Zweifel daran, dass er den Antrag für puren Wahlkampf hält.
Christine Annies (Die Grünen) sah das ähnlich, warf der CSU gar Scheinheiligkeit vor. „Im vergangenen Jahr habt Ihr es noch abgelehnt, überhaupt zu prüfen, ob eine Bushaltestelle in Eitzing möglich ist. Und das nur, weil der Antrag von den Grünen kam.“ Ihr Fraktionskollege Johannes Lessing hatte das Gespräch mit dem SVR-Geschäftsführer Ingmar Töppel gesucht und der habe ihm gesagt, der SVR könne sein Gebiet gar nicht ausweiten, selbst wenn er wolle. Denn es gebe Konzessionsverträge, die zehn Jahre lang laufen. Erneuert wurden diese erst 2018.
Dr.Rolf Löffler (CSU) warf der SPD und den Grünen Inkonsequenz vor: Wer eine engere Vertaktung wolle, müsse auch bereit sein, dafür tiefer in die Tasche zu griefen. „Und schrecken SPD und Grüne dann zurück: Da ginge ja gar nicht“, so der Fraktionsvorsitzende.
Sinnvoll wäre die Ausweitung sicherlich. Denn während Schloßberg und Kragling/Haidholzen über mehrere Linien relativ gut angebunden sind, mit mindestens zwei Bussen pro Stunde, kommen die Baierbacher nur mit der Ringlinie in die Stadt oder nach Hause. Zurück werktags letztmals um 16.42 Uhr ab Stadtmitte, der nächste Bus fährt morgens um 6.29 Uhr. Nach Haidholzen kommt man zumindest bis 19.44 Uhr.
Allerdings ist das Thema „besserer Takt“ über das Büro plan:mobil bereits in den Nahverkehrsplan eingeflossen, so Bürgermeister Rainer Auer (parteilos). Janna Miller (Die Grünen) fiel bei der Gelegenheit ein, dass es doch einmal ein Treffen mit plan:mobil gegeben habe, wo Vorschläge/Wünsche geäußert und Informationen angefordert wurden. „Und dann war irgendwie nichts mehr zu hören“, meinte sie fragend. Das Schmunzeln des Bürgermeisters war ihr Antwort genug: „Aha, eine unglückliche Reihe von Versäumnissen aller Beteiligten?“ Was Auer bestätigte und ergänzte, dass es dann noch unterschiedliche Auffassungen über die Auftragsvergabe gegeben habe.
Allerdings sei, so Auer, der politische Wille, schnell zu Potte zu kommen, nur begrenzt: Der Landkreis habe allein fünf Jahre angesetzt, um sich darüber klar zu werden, ob der Anschluss an den Münchner MVV-Tarif sinnvoll wäre.
Letztlich einigte sich der Gemeinderat darauf, dass der Antrag der CSU an das Büro plan:mobil weitergereicht wird, die sollen sich kümmern.
Die Ausweitung des SVR nach Stephanskirchen ist der CSU aber nicht genug: Sie will einen gemeindeeigenen und kostenlosen Ortsverbindungsbus. Der optimiere den öffentlichen Nahverkehr vor allem für alte und/oder behinderte Mitbürger.
Gemeindebus? Schön und schön teuer
„Oh, der kostenlose Gemeindebus kommt der Ringlinie aber sehr in die Quere“ warnte Lechner. „Spornt den Betreiber an“, befand Löffler. Und mit dem Anruf Sammeltaxi (AST) habe der ja auch keine Probleme. „Oh, doch! Es gibt massive Beschwerden über das AST, bis hinauf zu Regierung“, stellte Auer klar. Steffi Panhans (SPD) findet einen Ortsverbindungsbus fantastisch, „er ist aber nicht zu finanzieren“. Etwa 900000 Euro an Kosten standen im Raum. Petra Hofmann (CSU) erinnerte daran, dass es um einen Überprüfungsauftrag gehe, nicht gleich um die Einrichtung. Und der Ortsverbindungsbus müsse ja nicht ganzjährig und flächendeckend fahren. „Aber so ein Badebus nach Baierbach…“ Den Prüfungsauftrag soll auch das Büro plan:mobil übernehmen.