Stephanskirchen – Den Tipp von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, durch Geschichten die Geschichte zu lernen, nahmen Lehrer Simon Dietl von der Grundschule Schloßberg und die Zweite Vorsitzende der Seniorenbegegnungsstätte Stephanskirchen, Cornelia Gerner, auf und initiierten einen Begegnungstermin für einen Vormittag zwischen Schülern und Senioren. Die ältere Generation hatte zu dem Treff im Roten Schulhaus Fotografien sowie Gegenstände aus ihrer Schulzeit mitgebracht. „Die Zeit ist so schnell vergangen wie in keiner Stunde Heimatkunde“, meinte eine Schülerin im Rückblick.
Ein Gedicht
zu Beginn
Mit einem eingeübten Gedicht begrüßten die Mädchen und Buben der vierten Klasse ihre Gastgeber in der Seniorenbegegnungsstätte. Im Vorfeld hatten die beiden Organisatoren ausgemacht, dass neben einer Seniorin beziehungsweise einem Senior jeweils zwei Schülerinnen oder Schüler sitzen sollten. So konnte gleich beim gemeinsamen Frühstück ein Kontakt geknüpft werden.
Mit einer Geschichte aus seiner Schulzeit startete ein Senior die eigentliche Geschichtsstunde. Die heutigen Schüler erfuhren dabei, dass die Schule vor 60 oder 70 Jahren viel strenger und auch brutaler war: Bereits beim Nichtkönnen von Inhalten setzte es bei manchen Lehrkräften sogenannte „Tatzen“. Dass dieses Vorgehen nicht immer gerecht war, teilten die Schüler in der folgenden Gesprächsrunde mit. Ihr Lehrer Simon Dietl hatte im Vorfeld mit den Schülern Fragen vorbereitet, so dass die Gespräche sehr zielgerichtet verliefen. Besonderen Eindruck machten die mitgebrachten Fotos. „In den Schulzimmern früher waren viel mehr Schüler als bei uns heute,“ stellte ein Schüler fest. Interessant für die Kinder war auch, dass einige Senioren in den Räumen des Roten Schulhauses ihren ersten Unterricht erhalten hatten. Als die heutigen Schüler von ihren Gesprächspartnern alte Hefte und Ordner gezeigt bekamen, wurden sie schon etwas neidisch: „Da wurde ja alles selbst gezeichnet, es gab keine Arbeitsblätter,“ stellte Philippa fest. „Und so schön schreiben wie früher können wir auch nicht“, ergänzte ihre Freundin.
Schnell waren die vereinbarten 45 Minuten vorbei. Die Klasse präsentierte noch ein Lied über die geschenkte Zeit. Gemeinsam sangen Alt und Jung unter Federführung des Ehepaars Jakubik einige Volkslieder. Sehr beeindruckend war am Schluss die Rückblicksrunde, die die Gefühle der Senioren widerspiegelte. Franz Stingl: „Ich habe von den Mädchen und Buben viele Fragen gestellt bekommen. Das hat gezeigt, dass sie sehr an der Sache, also ihrer Heimatkunde, interessiert waren. Dabei ist mir beim Nachdenken viel aus meiner eigenen Geschichte eingefallen, was ich schon vergessen habe. Mir hat es gut getan, dass ich mich wieder erinnert habe.“
Die über 80 Jahre alte Maria Noppenberger sagte: „Ich lebe im Alltag völlig allein. Da ist man manchmal einsam. Die beiden Mädchen, die sich mit mir unterhalten haben, waren für mich sehr erfrischend. Ich hab mich richtig wohl gefühlt,“ und sie ergänzt: „Ich wurde heute wieder daran erinnert, wie brutal manche Lehrer mit uns umgegangen sind.“ Michael Gerner stellte fest: „Ich habe die Fragen der Schüler als sehr wichtig empfunden. Sie haben aber auch gemerkt, dass reifere Menschen noch viel von der Geschichte wissen und weitergeben können, auch wenn sie wie ein Esel graue Haare haben.“ Mit einem Kompliment konnte der junggebliebene Musiker Klaus aufwarten: „Mir konnten die Schüler so viel von ihrer Heimatgemeinde erzählen, was sie bereits intus haben. Da musste ich nur wenig beitragen. Im Gegenteil, ich habe von den Schülern gelernt.“
Austausch soll
wiederholt werden
Vorsitzender Werner Schweda forderte am Schluss gar: „Der Austausch war sehr lebendig und muss unbedingt wiederholt werden. Uns hat es sehr gut gefallen und die Schüler bringen unsere Senioren zum Aufblühen.“
Mit einem Lob von Gerti Ziegler beendeten die Senioren die Geschichten-Geschichtsstunde: „Ich möchte den Umgang des Lehrers Dietl hervorheben, der den Kindern viel beibringt, der aber auch ein sehr gutes Verhältnis zu den Schülern hat. Sie folgen ihm aufs Wort.“