Albaching – Die Familie Westermaier aus Berg bei Albaching hat ein altes bäuerliches Anwesen umgebaut und renoviert und dafür den Staatspreis 2019 für Dorferneuerung und Baukultur erhalten. Die Heimatzeitung hat mit Juliane und Christoph Westermaier gesprochen, die zusammen mit ihren beiden Kindern Amelie und Vincent in dem Haus wohnen.
Wofür haben Sie den Preis erhalten? Gibt es da verschiedene Kategorien?
Christoph Westermaier: Die Aktion geht vom Amt für Ländliche Entwicklung aus. Jeder Bezirk in Bayern reicht da seine Projekte ein. In einem speziellen Gremium werden dann die jeweiligen Objekte ausgewählt.
Juliane Westermaier: Es geht hier um denkmalgeschützte Bauwerke, die saniert worden sind und hauptsächlich von der Außengestaltung her gelungen sein sollen und dass man grundsätzlich das alte Bauwerk erhält; ein Beispiel ist bei uns eine Innenwand im Esszimmerbereich und im Hausflur, wo noch alte Feldbummerl erkennbar sind und dass wir das böhmische Gewölbe des ehemaligen Stalls erhalten haben.
War der Denkmalschutz involviert? Wie war die Zusammenarbeit mit den Behörden?
Christoph Westermaier: Ja, der Denkmalschutz war vor Baubeginn zur Besichtigung vor Ort. Sie gaben auch das Okay, anstelle eines Fensters eine Tür einzubauen.
Gab es etwas, das nicht gut gelaufen ist? Wenn ja, was?
Juliane Westermaier: Eigentlich nicht. Es hat alles gepasst.
Wie alt ist das Grundgebäude?
Juliane Westermaier: Mitte des 19. Jahrhunderts ist es erbaut worden.
War der Hof – eine ehemalige Landwirtschaft – in Familienbesitz?
Juliane Westermaier: Ja, das ist das Elternhaus von meinem Papa.
Mussten Sie für den Staatspreis eine Bewerbung einreichen, oder wie muss man sich das Prozedere vorstellen?
Juliane Westermaier: Beim Amt für Ländliche Entwicklung kann man einen Antrag auf einen Zuschuss stellen. Das kann jeder, der im Dorf etwas machen will; zum Beispiel jemand, der Fenster in ein altes Gebäude einsetzt, das von der Straße her sichtbar ist, kann einen solchen Antrag stellen. Das haben auch wir für diesen Umbau gemacht. Anfang des letzten Jahres wurde uns dann mitgeteilt, dass es da eine Ausschreibung gibt, und man hat uns gefragt, ob wir da mitmachen wollten, weil wir gute Chancen hätten. Dazu mussten wir eine Bewerbung schreiben, einen Fragenkatalog durchgehen und ausfüllen. Das haben wir dann alles gemacht.
Christoph Westermaier: Von uns aus gab es keine Initiative, bei so etwas mitmachen zu wollen, wir wurden gefragt, ob wir teilnehmen wollten.
Was ist das Besondere an Ihrem Haus?
Juliane Westermaier: Der Stil des Hauses, also eines Bauernhauses. Zum Beispiel die Fensterumrahmungen draußen: die wurden so übernommen, wie es vorher war. Dafür wurden extra Schablonen angefertigt, damit es wieder so ist, wie es vorher war. Nur die Farbgebung ist jetzt anders. Die kleinen Fenster mit den Eisenstäben wurden wieder so eingesetzt, wie es vorher war. Eine weitere Besonderheit ist der selbstgeschmiedete Balkon. Den hat noch der Opa von meinem Papa 1932 gemacht.
Christoph Westermaier: Das ist der Originalbalkon, den haben wir abgenommen, wieder herrichten lassen und ihn dann wieder draufgesetzt.
Juliane Westermaier: Die Balkontür ist auch die alte, das äußere ist das Original, es wurde nur aufgedoppelt, damit sie dicht ist. Das böhmische Gewölbe ist besonders, und auch die Wände bestehen noch aus dem Reichsformatziegel und Feldbummerl.
Wie lange hat das Bauvorhaben insgesamt gedauert?
Christoph Westermaier: Angefangen haben wir im November 2010, und an Silvester 2011/2012 sind wir eingezogen. Also hat es ein gutes Jahr gedauert. Die Außenanlagen waren da noch nicht fertig, aber wir konnten das Haus schon bewohnen.
Haben Sie selber mitgeholfen beim Umbau?
Juliane Westermaier: Ja, jede freie Minute.
Was waren damals typische Arbeiten, bei denen Sie mitgeholfen haben?
Julia Westermaier: Am Anfang zum Beispiel eine Wand abtragen.
Christoph Westermaier: Bei den Maurerarbeiten haben wir immer mitgeholfen, beim Verputzen, beim Weißeln.
Juliane Westermaier: Es war immer was zu tun.
Christoph Westermaier: Für den Boden am Gang haben wir alte Ziegel auseinandergeschnitten und als Boden neu verlegt.
Wurde die Planung von einem Planungsbüro ausgearbeitet?
Juliane Westermaier: Ja, wir haben mit „Kammerl & Kollegen“ zusammengearbeitet, aber es waren schon auch viele Ideen von uns selber dabei.
Christoph Westermaier: Das Architekturbüro konnte uns auch Referenzen nennen, die wir uns vorher anschauen konnten, was beispielsweise bei der Raumgestaltung der bodenebenen Fenster recht hilfreich war.
Hat Ihnen der Umbau Spaß gemacht, oder war es einfach nur anstrengend?
Juliane Westermaier: Am Anfang war es schon schön, aber je länger sich das hingezogen hat, umso anstrengender ist es geworden. Damals haben wir ja beide noch zu 100 Prozent gearbeitet, dann nach der regulären Arbeit sind wir hierhergekommen zum Arbeiten.
Christoph Westermaier: Und samstags und sonntags waren wir immer auf unserer Baustelle.
Waren die Arbeiten auf mehrere Firmen aufgeteilt?
Juliane Westermaier: Es waren ganz verschiedene Firmen, und mein Papa ist Heizungsbauer. Die haben uns schon sehr geholfen mit allem. Wir haben beispielsweise einen Kachelofen eingebaut, der auch teilweise das Wasser mit heizt. Man muss auch dazu sagen, dass es für die Handwerker auch oft Neuland war, was sie bei uns gemacht haben. Der Türenbauer hatte noch nie solche Türen gemacht, wie ich sie mir vorgestellt hatte, und unsere Treppe, die besteht aus Altholz, das hat der Handwerker auch noch nie so verarbeitet, und der Verputzer hatte das mit der Wischtechnik und den unebenen Stellen so auch noch nicht gemacht. Aber es hat alles super geklappt, und jeder hat sich dann gefreut, dass es so geworden ist, wie es jetzt ist.
Wie lange wurde das Anwesen noch landwirtschaftlich genutzt?
Juliane Westermaier: Bis 1970 war die Landwirtschaft aktiv, ab 1984 war es vermietet, und von 1993 bis 2010 stand es leer.
Was bedeutet Ihnen persönlich dieser Preis?
Christoph Westermaier: Es ist schon auch eine Anerkennung für das Jahr, und was wir damals an Arbeit reingesteckt haben. Es war für uns auch ein Anlass, uns nochmal in Erinnerung zu rufen, was wir eigentlich geleistet haben.
War es Ihnen auch wichtig, anhand Ihres Bauwerkes etwas zu zeigen, immerhin wurde es ja durch den Preis auch publik?
Juliane Westermaier: Das kann man so nicht sagen. Wir haben das ja ausschließlich für uns gemacht, damit es uns gefällt und dass man das Alte erhalten kann. Mir persönlich hat so etwas schon immer gut gefallen.
Wie heizen Sie?
Christoph Westermaier: Wir haben eine Zentralheizung mit Biomasse (Pellets) sowie eine Solaranlage für Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung.
Kann man ein so altes Gebäude richtig beheizen? War dafür eine spezielle Dämmung notwendig?
Juliane Westermaier: Wir haben noch eine Wandheizung in den Außenwänden mit drin, und das ist auch notwendig. Man sieht schon an manchen Stellen, dass es Ausblühungen gibt. In so einem alten Gemäuer kann man das wahrscheinlich auch nie ganz verhindern. Ansonsten haben wir in jedem Raum eine Fußbodenheizung installiert.
Christoph Westermaier: Wo jetzt die Küche ist, war früher der Stall, und da sind sehr viele Salze in den Wänden von den Tieren. Bevor verputzt wurde, haben wir extra noch einen Sachverständigen kommen lassen, der Proben genommen hat, um festzustellen, welchen Putz man da überhaupt nehmen kann. Wir haben Sanierputz genommen und diesen in mehreren Schichten aufgetragen.
Würden Sie das alles nochmal machen, wenn Sie nochmal an dem Punkt der Entscheidung stehen würden?
Juliane Westermaier: Ja.
Christoph Westermaier: Ich glaube schon. Anfangs war ich nicht so dafür, ich wollte lieber ganz neu bauen. Ich konnte mir das nicht so richtig vorstellen. Aber letztendlich bin ich froh, dass wir es gemacht haben, weil es uns hier so richtig gut taugt.
Juliane Westermaier: Man kann die beiden Sachen auch nicht miteinander vergleichen: Neu- und Altbauten haben jeweils ein ganz anderes Flair.
Interview: Irmi Günster