Sondersitzung soll Klarheit bringen

von Redaktion

Halfing will sich gegen Überschwemmungen wappnen – Experte stellt Varianten vor

Halfing – Das Hochwasserschutzkonzept der Gemeinde muss weiter überprüft werden, so die einhellige Meinung des Halfinger Gemeinderats in seiner Sitzung. In dieser hatte Johannes Steinkellner vom Siegsdorfer Büro Aquasoli sechs Varianten für den Ausbau des Hochwasserschutzes in Halfing vorgestellt. Schon bei der Bürgerversammlung im November letzten Jahres hatte Bürgermeister Peter Böck (CSU) vor einem hundertjährigen Hochwasser (HQ100) gewarnt.

Bei einer Untersuchung des alten Dammes beim Waldsee/Hinterbach, vor 100 Jahren als Sägewerksantrieb, dann zur Stromgewinnung genutzt und nun seit einigen Jahrzehnten stillgelegt und aufgelöst, seien Setzungen im Dammbauwerk festgestellt worden. Zudem werde der Ablauf durch Geäst und Holz gefährdet. Bei einem HQ100 könnte sich das Wasser über das Sägewerk in Richtung Ortsmitte ausbreiten. Um dem zuvorzukommen, sei das Büro Aquasoli beauftragt worden, Varianten für ein Hochwasserschutzkonzept vorzubereiten.

Sechs verschiedene Möglichkeiten

Steinkellner ging erst auf den Ist-Zustand ein. Die bestehende Verrohrung beim Sägewerk lasse 3,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch, bei einem HQ100 könnten zwischen 9,6 bis 11 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abfließen. Auf einer Karte präsentierte er sechs Varianten, die von einer Ertüchtigung des Bestandsrückhaltebauwerks (Variante 1) über einen Neubau eines Rückhaltebauwerks (Varianten 2 bis 4), einer Erneuerung der Bestandsverrohrung (Variante 5) bis hin zu Variante 6 (Verrohrung mit Flutmulde) reichten. Variante 2 (Neubau Rückhaltebauwerk unterstrom von bestehendem Rückhaltebauwerk) und Variante 4 (Neubau Rückhaltebauwerk weiter oberstrom Waldsee) schieden seiner Meinung nach aus technischen Gesichtspunkten aus. Variante 5 sei „sehr teuer und sehr umfassend“ als „naturnaher Gewässerausbau“; die bestehende Verrohrung müsste aufgeweitet werden und erstreckte sich bis in den Norden der Gemeinde. Alles in allem empfehle er deshalb, der Variante 1 den Vorzug zu geben, alternativ kämen die Varianten 3 und 6 in Betracht.

Verschiedene Gemeindemitglieder meldeten sich anschließend zu Wort. Sepp Stettner (Freie Wähler Halfing) wollte wissen, ob eine Vertiefung des jetzigen Beckens am Waldsee schon untersucht worden sei. Laut Steinkellner sei dies noch nicht betrachtet worden, aber dessen ungeachtet müsse das bestehende Bauwerk saniert werden und um eine Erhöhung der Dammkrone komme man auch nicht herum.

Stefan Schlaipfer (CSU) sah eine Verlandung des Waldsees. Seinen Vorschlag, hier die Spannweite zu erhöhen („Da kriegen wir noch ein paar Meter hinzu“) beschied Steinkellner ebenfalls abschlägig, das Bauwerk müsse als solches auf einer Länge erhalten bleiben.

Gemeinde Simbach als mahnendes Beispiel

Auf Nachfragen Konrad Aichers (Halfinger Wählervereinigung, HWV) erklärte Steinkellner, dass auch Halfing nicht vor einem HQ100 gefeit sei und erinnerte in diesem Zusammenhang an das niederbayerische Simbach (Dort waren in wenigen Stunden 175 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, was massive Überschwemmungen nach sich zog, Anm. der Red.). Die Variante mit mehreren gestaffelten Becken oberstrom Waldsee sei bis jetzt noch nicht untersucht worden. In Hinblick auf die biotopkartierten Flächen werde dies aber sehr problematisch. Zum einen wegen des massiveren Eingriffs in die Natur und zum anderen sei es fraglich, ob die Fachbehörden da mitspielten.

Mehrere Gemeinderäte begrüßten deshalb eine Kombination der Varianten 1 und 3. Johann Landinger (HWV) wandte ein, ob alle Einzugsgebiete, von denen Wasser kommt, mitberücksichtigt worden seien. Josef Murner (CSU) schlug eine weitere Variante vor. So sollten Dammbauwerke aus Beton („eine Betonmauer ist schlank und schön“) über die Staatsstraße zur gezielten Ableitung am Dorf und Gewerbegebiet vorbei errichtet werden. Die Einfahrten zu den Betrieben sollten prinzipiell frei bleiben, im Notfall könnten „wie an der Donau“ Barrieren aus Aluminium gesteckt werden. Dieser Hochwasserschutz käme laut Murner „am allerbilligsten“.

Steinkellner wandte hierzu ein, dass man die Gewässer nicht vergleichen könne. Bürgermeister Böck beendete die Debatte und fasste die Überlegungen in konkreten Fragestellungen zusammen. Bei der Variante 6 soll das höhenmäßige Niveau der Ableitung geprüft werden, bei Variante 1, ob eine Eintiefung und dadurch eine geringere Dammhöhe möglich sei und bei Variante 3, ob diese auch mit mehreren kleinen Bauwerken möglich sei. Zudem müssten der Einzugsbereich Forchtenegg und die oberirdische Ableitung über die Staatsstraße mit seitlichen Dammwänden geprüft werden.

Ein Katalog
mit vielen Fragen

Kann man das Dammbauwerk der Variante 2 weiter in Richtung See verschieben und das alte Dammbauwerk auflassen, ist eine Nutzung der alten Rohrleitung über das Sägewerk in Richtung Bahnhofstraße möglich? Auch diesen Fragen solle nachgegangen werden, ebenso, ob eine Kombination mehrerer Varianten möglich ist.

Der Gemeinderat stimmte diesen Punkten zu und begrüßte den Vorschlag des Rathauschefs, eine Sondersitzung hinsichtlich des Hochwasserschutzes anzuberaumen.

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