Eggstätt – Patrick Guderitz betreut des Naturschutzgebiet Eggstätt-Hemhofer-Seenplatte. Mit zu seinen Hauptaufgaben gehört es, viele Interessen zu vereinen. Er ist überzeugt: Platzverweise bringen nichts, was zählt, ist Aufklärung.
Soll ein Naturschutzgebiet für den Menschen zugänglich sein oder sollte es soweit möglich wirklich unberührt bleiben? Es gibt ja einige Badestellen und Wander-/ Radwege, so dass ein Rundum-Schutz für die Landschaft nicht immer garantiert ist.
Naturschutzgebiet steht für zweierlei. Zum einen soll „echte Natur“ erfahrbar sein, zum anderen gilt es, der Natur mit Respekt zu begegnen, was zur Folge hat, dass einige Bereiche eines Naturschutzgebiets sehr wohl von Besuchern freigehalten werden müssen. Natürlich gilt der Satz: Man schätzt das wert, was man kennt. Gleichwohl müssen wir feststellen, dass der Besucherdruck aus den Städten aufs Land zu uns raus sehr viel größer geworden ist.
Wie darf man sich Ihre Arbeit vorstellen? Patrouillieren Sie, bieten Sie Führungen an oder halten Sie Vorträge?
Ich bin kein Naturschutzwächter, das heißt, ich setze mehr auf Aufklärung als auf Platzverweise. Entscheidend ist, die Menschen vor Ort für unsere Natur zu sensibilisieren. Die Reaktionen sind gemischt, aber überwiegend erfahre ich positive Resonanz. Und das hohe Interesse zeigt sich ja auch bei allen Führungen, die hier angeboten werden. Ich selbst biete heuer zwei Führungen an: unter www.tournatur.bayern.de erfährt man mehr.
Hochmoore gehören zu den faszinierendsten, aber auch am meisten gefährdeten Lebensräumen, ihr Anteil in Bayern macht heute nur noch etwa 0,3 Prozent der Landesfläche aus. Östlich von Eggstätt gibt es das Weitmoos, in dem früher Torf gestochen wurde. Soll dieses Gebiet wieder renaturiert werden? Gibt es hier Bestrebungen?
Hochmoore sind in der Tat sehr bedeutsam. Ein Hektar gesundes Moor schluckt 15 Tonnen CO2. Aber man muss auch wissen, dass sich das Moorwachstum nur sehr langsam vollzieht und bei etwa einem Millimeter pro Jahr liegt. Durch Dämme und Holzbohlen staut man das Wasser, was wiederum das Moorwachstum ermöglicht. Ich selbst biete Führungen im Weitmoos an, um für dieses Thema zu sensibilisieren. Aber wir müssen auch die Grundeigentümer davon überzeugen, wie klimatisch sinnvoll eine Renaturierung ist. Moore bieten eine Pufferwirkung bei Starkregen durch den verzögerten Regenwasserabfluss aus dem Moos. Und für eine Wiedervernässung brauchen wir Grund.
Wie eng ist Ihre Zusammenarbeit mit den Landwirten?
Wir sind auf die Landwirte angewiesen, ohne Landwirtschaft können wir nichts ausrichten. Die Bauern sind unsere wichtigsten Partner, wir müssen zusammenarbeiten und uns nicht feindschaftlich gegenüberstehen. Meines Erachtens wächst aber hier das Verständnis.
Interview: Elisabeth Kirchner