Eggstätt – Mit rund 1000 Hektar ist die Eggstätt-Hemhofer-Seenplatte das größte Naturschutzgebiet des Landkreises Rosenheims. Gleichzeitig ist es auch das Älteste – am 23. Juni 1939 wurde im Bayerischen Regierungsanzeiger der Eintrag der 1007,81 Hektar großen Eggstätt-Hemhofer Seenplatte ins Reichsnaturschutzbuch verkündet.
Ein Titel, der verpflichtet, denn schließlich gehören die Übergangsmoore der Seenplatte zu den ökologisch bedeutendsten Kostbarkeiten des Voralpengebietes, die sich im Laufe von rund 10000 Jahren gebildet haben.
Der Ursprung der Eggstätt-Hemhofer-Seenplatte liegt an der Nahtstelle des Chiemsee- und Inntalgletschers. Während des Hauptvorstoßes der Gletscher setzten sich hier Eisblöcke ab, die später durch Schmelzwasserablagerungen überschüttet wurden. Vor rund 10000 Jahren, zum Ende der Würmeiszeit, bildete sich rund um dieses Gebiet eine Eiszerfallslandschaft mit Moränenhügeln, Toteislöchern und Seen, das bis heute mit seinen Wasserflächen, Tümpeln, Bächen und Auen, Moorinseln und lichten Wädern ein einzigartiges Refugium für seltene und vom Aussterben bedrohte Pflanzen und Tiere darstellt.
Die wohl einmalige Artenvielfalt an Flora und Fauna, wie die Libellenart zierliche Moosjungfer, der goldene Scheckenfalter, die Sumpfschrecke, das breitblättrige Knabenkraut, der langblättrige Sonnentau oder der Lungenenzian, zeugen davon. In den 20er-Jahren hatten Münchner Geologen, Naturfreunde und Botaniker festgestellt, dass die vielen unterschiedlichen Lebensräume auf so engem Raum eine einzigartige Artenvielfalt bedingen, und sich um eine Ausweisung der Seenplatte als Naturschutzgebiet bemüht.
Ein Verbund
von zehn Seen
Und so wurde schließlich vor 80 Jahren das Gebiet, das zehn Seen und die Gemeinden Hemhof, Eggstätt, Höslwang, Breitbrunn und Rimsting umfasst, zum Naturschutzgebiet erklärt. 1982 wurde die Schutzgebietsverordnung mit dem Bayerischen Naturschutzfonds aktualisiert und 1989 um das Boots- und Surfverbot erweitert.
Seit 2004 ist die Seenplatte auch Teil des europaweiten Schutzgebiet-Netzes „Natura 2000“, bei der über eine Biotopverbundachse die beiden Naturschutzgebiete Eggstätt-Hemhofer Seenplatte und Seeoner Seen miteinander verbunden sind.
Aber ein solcher Juwel birgt auch Gefahren, denn 10000 Jahre alte Erden bergen auch Rohstoffe, sei es beim Torfabbau, der um 1800 begann und erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts eingestellt wurde oder sei es das Ansinnen der RAG Austria, unterhalb des Naturschutzgebietes Langbürgner See nach Gas zu bohren (das Vorhaben wurde 2013 nach erheblichen Widerständen aufgegeben, Anm. der Red.)
Landwirtschaftlich intensiv genutzte Flächen oder hohe Trinkwasserentnahmen bedrohen das Naturschutzgebiet ebenso wie der Tourismus.