Wasserburg – Deutschlandweit schließen Kreißsäle: Von 1991 bis 2017 hat sich ihre Anzahl fast halbiert. Auch im Landkreis Rosenheim ist mit der Aufgabe der Geburtshilfe an der Romed-Klinik Bad Aibling ein solcher Schritt vollzogen worden. Der Standort Wasserburg ist – ganz gegen den Trend – am Wachsen, zeigt die Eröffnung des Hebammenhauses in Wasserburg.
2019 hat die Romed-Klinik Wasserburg zum ersten Mal die 800 geknackt: 841 Kinder erblickten das Licht der Welt – sieben Prozent mehr als 2018. Dr. Jens Deerberg-Wittram, Geschäftsführer des Romed-Klinikverbundes, ist überzeugt, dass der Geburtsstandort Wasserburg „bald die 1000. Entbindung“ erreichen wird. Denn die Geburtshilfe Wasserburg sei mit Abstand die am stärksten wachsende in Südostbayern. Im gemeinsamen Neubau mit dem kbo-Inn-Salzach-Klinikum, ist räumlich sogar die Option für einen dritten Kreißsaal vorgesehen, teilte Deerberg-Wittram bei der Eröffnung des Hebammenhauses mit.
Beratung rund um
Vor- und Nachsorge
Die Wasserburger Hebammen tragen nach seiner Überzeugung maßgeblich dazu bei, dass so viele werdende Eltern aus dem Umland sich für eine Geburt in der Romed-Klinik Wasserburg entscheiden. Hier funktioniere die Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Klinikverwaltung und Beleghebammen seit Jahren besonders gut. Das ist ein Teil des Erfolgsgeheimnisses, ist die Sprecherin des Hebammenhauses, Marlene Ottinger, überzeugt. Die Geburtshilfe in der Wasserburger Romed-Klinik sei außerdem hebammenorientiert, mit sehr gutem Betreuungsschlüssel ausgestattet, von hoher fachmedizinischer Qualität, sicher und familiär.
Das Hebammenhaus wird diese besondere Position weiter stärken, das Angebot der individuellen Betreuung noch ausbauen. In der Koordinierungs- und Betreuungsstelle finden Frauen Beratung und Hilfestellung rund um die Vor- und Nachsorge. Das Hebammenhaus, direkt an der Romed-Klinik Wasserburg gelegen, bietet einen Kurs- und einen Behandlungsraum, ein Büro, Toiletten und einen Babytreff, gestaltet in freundlichen Farben. Das Haus ist an vier Vormittagen in der Woche besetzt: Montags, mittwochs, donnerstags und freitags von 9.30 bis 11.30 Uhr ist hier eine Hebamme telefonisch erreichbar. Sie hilft bei organisatorischen Fragen rund um die Geburt und Nachsorge. So sollen die Hebammen im Kreißsaal entlastet werden: Sie können sich dort auf die Betreuung der Geburt konzentrieren, die vielen telefonischen Anfragen laufen im Hebammenhaus an.
Es versteht sich nach Angaben von Ottinger und ihrer Kollegin Diller auch als Anlaufstelle für Frauen, die keine Hebamme für die Vor- und Nachsorge gefunden haben. Das kommt vor, denn der Hebammennotstand ist mittlerweile auch bis in den Landkreis Rosenheim durchgedrungen. Besonders bedürftige Familien, sehr junge Schwangere, Frauen mit niedrigem Bildungsstand und Sprachbarrieren, die sich nicht frühzeitig um eine Betreuung bemüht haben – aber oft mehr Betreuung bräuchten – stehen oft ohne fachliche Unterstützung da. Diese finden sie im Hebammenhaus – ein niederschwelliges Angebot, von dem auch nach Überzeugung von Bürgermeister Michael Kölbl viele Schwangere und Wöchnerinnen profitieren werden. Er sieht in der Einrichtung eine weitere Stärkung des Romed-Klinikstandortes Wasserburg.
Dieser setzt einen medizinischen Schwerpunkt auf die Geburtshilfe, betonte Romed-Klinikverbund-Geschäftsleiter Deerberg-Wittram. Für Prien nannte er unter anderem den Schwerpunkt Orthopädie, für Bad Aibling die Seniorenmedizin, für Rosenheim die Behandlung Schwerstkranker.
Die Aufrechterhaltung der Geburtshilfe ist seit einigen Jahren eine Herausforderung. Vor über zehn Jahren wurden europaweit neue Richtlinien zur Akademisierung der Hebammenausbildung beschlossen. Deutschland ist mit das letzte Land in der EU, das diese Forderungen umsetzt, Bayern das letzte Bundesland, bemängelte Ottinger in ihrer Festrede. „Man hat über Jahre hinweg zu wenig Hebammen ausgebildet und das auch noch unter EU-Niveau“, kritisierte sie den Hebammennotstand.
Der Standort Wasserburg ist als einer der wenigen nicht davon betroffen. Seit Jahren gibt es hier ein relativ stabiles Team aus 14 Hebammen, von denen elf im Kreißsaal tätig sind. Das Arbeitsklima gilt als sehr gut – auch dank hervorragender Zusammenarbeit mit den Chefärzten Dr. Michael Heindl und Anja Britta Stopik sowie mit Verwaltungsleiter Christof Maaßen. „Wir können den jährlich steigenden Geburtenzahlen ohne Personalsorgen entgegen sehen“, freute sich Ottinger als Sprecherin der Wasserburger Hebammen. Sie sind sich auch der Unterstützung des Landkreises sicher. Er ermöglichte gemeinsam mit dem Romed-Klinikverbund die Förderung des Hebammenhauses durch das 2017 von Gesundheitsministerin Melanie Huml ins Leben gerufene Zukunftsprogramm Geburtshilfe des Freistaates Bayern.
Förderung durch
Zukunftsprogramm
Aus diesem Förderprogramm heraus ist die neue Einrichtung entstanden und finanziert worden. Umbau und Renovierung kosteten etwa 30000 Euro.
Am Festakt zur Einweihung nahmen auch Vertreter des Stadt- und Kreisrates, aus der Ärzteschaft und Pflege der Romed-Klinik und niedergelassene Gynäkologen teil. Die Segnung vollzog Krankenhausseelsorger Alfred Schott, der der Hoffnung Ausdruck verlieh, dass die Einrichtung „ein Haus des Lebens“ werde.