Plädoyer für die Prientalphilharmonie

von Redaktion

Musik Forum Sachrang stellt Pläne für den Linnerhof im Gemeinderat Aschau vor

Aschau – Hamburg hat seine „Elphi“ (Elbphilharmonie), bekommt Sachrang jetzt seine „Priphi“ (Prientalphilharmonie)? Bei der Sitzung des Aschauer Gemeinderates informierten Architekt Peter Haimerl, Professor Hansjörg Schellenberger und Dieter Höpfner vom Musik Forum Sachrang über eine mögliche künftige Nutzung des Linnerhofs am nordwestlichen Ortsrand von Sachrang. Leidenschaftlich plädierte Hansjörg Schellenberger für den Erhalt des ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesens und seine Umnutzung in ein „Müllner-Peter-Haus für Natur, Kultur und Begegnung“.

Ruf nach Ort
der Begegnung

Seit 2016 geht die Idee im Dorf an der Grenze um, die verschiedenen Wirkungsfelder des Bergsteigerdorfes, das weltweit tätige Musikforum Sachrang, die Meisterkurse, das Bergbauernmodell, die Region in Aktion, der Tourismus und das vielfältige Vereinsleben bräuchten unbedingt einen Mittelpunkt, einen Ort der Begegnung.

Eine Option für einen solchen Mittelpunkt biete der Rohbau des Bauernhofes, der in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut, aber niemals bezogen und genutzt wurde. Dieser Bau biete sich – nach einem behutsamen Umbau – als Veranstaltungsraum und Tagungszentrum geradezu an.

Dieter Höpfner sammelte mit Unterstützung des „Freundeskreises Müllner Peter“, des „Musik Forums Sachrang“ und der „Sachrang Stiftung“ Mittel ein, um eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben zu können und die Möglichkeiten für solch ein Projekt im Herzen von Sachrang zu prüfen.

Der Münchner Architekt Peter Haimerl stellte dem Gremium seine Vision der künftigen Nutzung vor. Zuerst wehrte er sich gegen den Versuch, „das alte Glump – wie vielfach gefordert – einfach abzureißen“. Das Bauen im Bestand diene auch dem Erhalt von Kulturbauten, warum solle man ein Gebäude abreißen, wenn man es auch erhalten könne.

Der Linnerhof sei zwar erst 50 Jahre alt, da er aber bisher noch nie in vollem Umfang bezogen und genutzt wurde, könne er im Inneren problemlos verändert werden. Äußerlich stelle das Haus den Prototyp eines oberbayerischen Bauernhauses dar, mit Trennung in Vorderhaus und Stallungen, mit weit herabgezogenem Dachüberstand und umlaufenden Balkonen. Nach dem Ausbau sollen die gemauerten Teile so weiß wie Schnee, die üppigen Blumenbalkone so rot wie Blut und die Holzteile so schwarz wie Ebenholz werden – ein oberbayerisches Märchen. Das Dach soll mit Kupfer, wie der benachbarte Kirchturm eingedeckt werden.

„Ein Endausbau und Umbau zu einem Konzert- und Kulturhaus für Sachrang und Aschau ist möglich“. Das Haus kann in seinem Umgriff vollständig erhalten bleiben, ein großflächiger Abbruch von bestehenden Teilen ist nicht notwendig. Lediglich die Decke zwischen Stall und Tenne muss entfernt werden, um einen hochwertigen Kulturraum für rund 300 Besucher zu erhalten. Damit wird im Raum Oberbayern ein kultureller Höhepunkt geschaffen. Im ehemaligen Wohnbereich werden im Erdgeschoss Konferenzbereiche sowie Räumlichkeiten für Seminare und örtliche Vereine geschaffen, das Obergeschoss dient als Unterkunft für Künstler und andere Gäste des Hauses. Im Endausbau sollen im ehemaligen Wohntrakt rund 160 Quadratmeter nutzbare Fläche zur Verfügung stehen, davon zwei Seminarräume mit 70 und 27 Quadratmetern; dazu kommt ein Kellerbereich von rund 150 Quadratmetern. Im ehemaligen Stall stehen für den Saal mit modernster Audio-, Video- und Digitaltechnik und die notwendigen Nebenräume rund 412 Quadratmeter zur Verfügung.

16 Bedarfsträger
wurden ermittelt

Dieter Höpfner hat 16 Bedarfsträger auf seiner Liste, vom Musik Forum über den Alpenverein und diverse andere Naturschutzorganisationen bis hin zu den Ortsvereinen und den örtlichen kirchlichen Gremien, die das Haus jedes Jahr 51 Wochen lang auslasten würden.

Hansjörg Schellenberger wies darauf hin, dass der Linnerhof samt Grund und Boden Eigentum der Gemeinde Aschau sei und auch bleiben werde. Eine Beteiligung der Gemeinde an den Umbaukosten schloss Schellenberger aus. Der Umbau soll privat aus Spenden und durch weltweite Sponsoren bezahlt werden, nach vorsichtigen Kalkulationen komme hier ein mehrfacher Millionenbetrag auf den künftigen Bauherrn und Träger zu. „Mit dem Bau wird erst angefangen, wenn das Geld da ist“, versprach er dem Gemeinderat. Klare Aussagen, wie es nach dem Bau und der Eröffnung mit dem Betrieb weitergehen könne, wurden noch nicht gemacht, das könne erst später festgelegt werden. Architekt Haimerl empfahl eine Beteiligung der Gemeinde, um ein Mitspracherecht beim Betrieb zu erhalten.

Der Gemeinderat war sehr angetan von dieser Planung, Jakob Hündl (CSU) bedauerte es, „dass Haimerl nicht die Sporthalle geplant habe“. Christiane Rabich-Pichler (ABL) erkundigte sich nach möglichen Parkplätzen für 300 Besucher und Mitwirkende. Hier stünden an den Ortseingängen Nord und Süd genügend Flächen zur Verfügung, so Haimerl, in Verbindung mit Shuttle- Bussen ließe sich das Problem sicher lösen. Ammoniak aus der früheren Nutzung als Kuhstall in den Stallwänden stelle nach dem Stand der Technik kein Problem dar.

Professor Schellenberger stellte nachdrücklich fest, dass es sich bei dem Projekt nicht um ein „Prestigeprojekt Palazzo Schellenberger“ handle, sondern um ein Haus, das in Sachrang einfach notwendig sei. Auch für die Zukunft des Müllner-Peter-Hauses sei schon vorgesorgt: Mit Johannes Berger und Johanna Schellenberger stünde bereits die nächste Künstlergeneration für eine intensive Nutzung in den Startlöchern.

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