Aschau – Die Gemeinde Aschau will einen Antrag zum Abschuss eines Bibers stellen. Das Tier gefährdet, wie es in der Sitzung des Gemeinderats hieß, das Moor am Bärnsee. Die Gemeinderäte waren sich einig: Die Filze ist von enormer Bedeutung für die Prientalgemeinde.
„Sobald ein Reh oder eine Gämse im Wald ein paar Zweigerl vom Baum frisst, müssen sie ohne Pardon erschossen werden, denn bei unseren Förstern und Naturfreunden geht Wald vor Wild“, ereiferte sich Gemeinderat Jakob Hündl (CSU) am Aschauer Ratstisch. „Die Biber im Bärnseemoos haben mittlerweile über 80 Bäume umgelegt, das wird von unseren Naturschützern beklatscht und als ganz großer Erfolg verkündet“. Hündl wies darauf hin, dass die Bauern rund um den Bärnsee und die Gemeinde Aschau seit Jahren alles versucht haben, um mit dem Biber in Frieden leben zu können.
50 Bäume im Jahr
als Nahrung
Mehrfach habe man sich mit dem Biberbeauftragten an einen Tisch gesetzt, aber immer nur gute Ratschläge vom Schreibtisch erhalten, die nichts gebracht hätten. „Im Norden des Landkreises entlang des Inns dürfen Biber bereits wieder aus der Natur entnommen – sprich geschossen – werden. Hier in Aschau gibt es keine Möglichkeit der Plage Herr zu werden“.
Mindestens 50 Bäume braucht ein Biber pro Jahr als Nahrung, keiner davon gehöre jedoch denen, die den Biber einbürgerten; alle sind oder waren Privatbesitz der Grundanlieger.
Das Fällen dieser Bäume stelle einen Eingriff in den Geldbeutel dar, die Entschädigung von einem Euro pro gefälltem Baum sei lachhaft und mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden.
Mittlerweile werde der Biberbestand in Deutschland auf 120000 Stück geschätzt, von bedrohter Tierart könne keine Rede mehr sein; wie viele davon am Bärnsee leben weiß allerdings niemand.
Das nachtaktive Tier entzog sich mitsamt seiner vielköpfigen Familie bisher einer Zählung im Moor. Die Bauern stellen ihm weiterhin unfreiwillig Unterkunft und Logis zur Verfügung. Dafür vernässt er durch seine Dammbauten ihre Streuwiesen und macht sie weitestgehend für eine Bewirtschaftung unbrauchbar. Was er von den gefällten Bäumen nicht fressen kann, bleibt liegen und muss von den Anliegern aufgeräumt werden; eine Hilfe durch den Biberberater ist laut Hündl nicht gegeben.
Peter Thaurer (CSU) fragte, was denn wichtiger sei, der Erhalt des Moores oder der Erhalt des ortsfremden Bibers? „Wenn das Moor absäuft, hat das ungeahnte Auswirkungen auf Aschau“. Sebastian Pertl (FWGA) sah den Antrag auf Entnahme zwar kritisch, aber die Zahl der Biber und die von ihm verursachten Schäden im Landschaftsschutzgebiet ließen keine anderen Maßnahmen mehr zu. Der Charakter des von Menschenhand gemachten Bereichs rund um den Bärnsee werde total verändert, wenn die Bauern zur Pflege nicht mehr auf ihre Streuwiesen fahren könnten. Das Vielerlei der bestehenden Flora und Fauna könne ohne behutsame menschliche Eingriffe so nicht weiter bestehen.
Moor ist idealer
Hochwasserschutz
Bürgermeister Peter Solnar wies darauf hin, dass die Bärnseefilze für den Hochwasserschutz der Gemeinde Aschau von elementarer Bedeutung sei. Sie diene mit ihrer hohen Aufnahmekapazität bei Starkregen oder Dauerregen wie ein Schwamm als Wasserspeicher und gebe das Hochwasser im Anschluss wieder dosiert über die Gräben an die Prien ab. Dadurch werde Hochwasser, sowohl in Aschau als auch in den flussabwärts liegenden Gemeinden verhindert. Das Konzept funktioniere allerdings nur, wenn das Bärnseemoor nicht ständig vernässt sei.
Mit Hündl stimmte er überein, dass die Biber-Population deutlich verringert werden müsse. Er schlug eine Einbeziehung des Wasserwirtschaftsamtes mit den bisher getroffenen Maßnahmen zum Hochwasserschutz in die Argumentationskette der Gemeinde vor. Einstimmig beschloss der Gemeinderat, zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt den Hochwasserschutz der Gemeinde als Argument einzubringen, um den Bestand an Bibern im Bereich des Bärnsees deutlich zu vermindern.
Auch die drei Gemeinderäte der ABL schlossen sich dem Antrag an. Ausgelöst hatte die Diskussion Ludwig Moosmüller (ABL). In einem Antrag forderte er zwei 450-Euro-Stellen für Bärnseemoor-Grabenreiniger zu genehmigen. Das Bärnseemoor verdanke seinen jetzigen Zustand der Arbeit von Generationen von Bauern.
Mit mehreren Entwässerungsgräben hielten sie in den letzten 100 Jahren den Wasserstand im Moor immer konstant. Seit acht Jahren funktioniere das Grabenreinigen jedoch nicht mehr.
Zehn Dämme
verstopfen Gräben
Seit dieser Zeit baue der Biber seine Stauwerke in die Moorgräben und das Moor saufe ab. Zehn Dämme sperren aktuell die Gräben, drei konnten in Absprache mit dem Biberbeauftragten entfernt werden, sieben sind so angelegt, dass sie mit einfachen Mitteln nicht herausgenommen werden können. Die zwei 450-Euro-Jobber sollten nach seiner Vorstellung täglich den gesamten Grabenverlauf kontrollieren und die über Nacht angelegten Bauten sofort wieder entfernen; da der Biber an 365 Tagen beziehungsweise Nächten ständig arbeite, lasse sich die Arbeit von einem alleine nicht schaffen.
Der Erhalt der Landschaft mit einzigartiger Flora und Fauna sowie der Hochwasserschutz müsse der Gemeinde doch zwei Euro pro Einwohner im Jahr wert sein.
Der Aufwand von rund 10000 Euro zur Lösung eines Problems, das die Gemeinde nicht verursacht habe, erschien dem Gemeinderat zu hoch; einstimmig stimmten die Räte daher dem Abschussantrag zu.