„Bitte wählen Sie mich nicht“

von Redaktion

Kommunalwahl 2020: Max Neumüller steigt aus Kampf ums Rathaus aus

Aschau – Er war Anfang April vergangenen Jahres der Erste, der sagte „Ich will Bürgermeister werden“. Nun wendet sich Max Neumüller mit einem offenen Brief an alle wahlberechtigten Bürger der Gemeinde Aschau und bittet darum, ihn nicht zu wählen.

Zur Amtsübernahme
nicht imstande

Weil er sich außerstande sieht, im Falle seiner Wahl das Amt zu bekleiden. „Es gebietet die Ehrlichkeit Ihnen gegenüber, Sie über Folgendes zu informieren: Ende der letzten Woche ist ein zufälliger Anfangsverdacht zur Gewissheit geworden. Ich habe eine ernst zu nehmende, schwere Erkrankung, die mich in den kommenden Wochen, Monaten, vielleicht auch Jahren begleiten und beanspruchen wird.“

Die Wahlunterlagen liegen bereits im Rathaus, die ersten Briefwahlunterlagen sind beantragt, „zu bremsen gibt es bei uns nichts mehr“, sagt Gemeindewahlleiter Markus Heinerich. Das hat er auch mit der Kreiswahlleiterin im Landratsamt ganz eng abgesprochen. „Wir dürfen und können keine neuen Unterlagen drucken.“

Rückzug als Kandidat
ist nicht möglich

Und Max Neumüller, 55 Jahre alt, verheiratet, zwei erwachsene Kinder, kann seine Kandidatur nicht mehr zurückziehen. Weder die zum Bürgermeister, noch die als Mitglied des Gemeinderates. Die Fristen sind verstrichen. Die Bewerbungen waren laut Gemeindewahlleiter fristgerecht und ordnungsgemäß eingereicht worden, wurden vom Wahlausschuss genehmigt.

So blieb Neumüller letztlich nur der Weg in die Öffentlichkeit. „Da es unsinnig wäre, die Bürgermeisterwahl noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen, muss ich Sie leider schweren Herzens darum bitten, mich am 15. März nicht zu wählen.“, schreibt Neumüller in seinem offenen Brief, der auf der Internetseite der Bürgerbewegung Aschau zu finden ist. „Unser Ort benötigt einen gesunden Menschen für das Bürgermeisteramt, um den Herausforderungen der kommenden Zeit gerecht werden zu können. Das kann ich leider aufgrund der Diagnose nicht erfüllen. Daher nochmals meine Bitte: Machen Sie bei der Bürgermeisterwahl kein Kreuz in der Spalte ‚Max Neumüller‘“.

Neumüller ist auch Listenführer der Bürgerbewegung Aschau für die Mitglieder des zukünftigen Gemeinderates. Auch diese Kandidatur kann er nicht mehr zurücknehmen. Im Falle seiner Wahl in den Gemeinderat hat er allerdings, so erklärt es der Gemeindewahlleiter, eine Woche Zeit, sich zu entscheiden, ob er die Wahl annimmt oder nicht. Stand jetzt tut er es nicht. Für den Wahlleiter kein rechtliches oder organisatorisches Problem. Denn da ist die Nachfolge eindeutig geregelt: Es rückt die Person nach, die mit den meisten Stimmen gerade nicht mehr in das Gremium gewählt wurde.

Offener Brief mit
Wahlempfehlung

Neumüller, nach eigenem Bekunden „stolzer Aschauer“, trat als Bürgermeisterkandidat an, weil ihm die Zustände in seiner Heimatgemeinde gar nicht gefallen und er sie ändern will. Das kann er nun selber nicht tun. Aber: „Wenn Sie sich eine Veränderung der Aschauer Kommunalpolitik wünschen, bitte gehen Sie dennoch auf jeden Fall zur Wahl und schenken Sie Ihre Stimme einem der beiden verbleibenden Gegenkandidaten Simon Frank und Wolfgang Rucker. Auch würde es mich sehr freuen, wenn Sie meine Gruppierung, die Bürgerbewegung Aschau, weiterhin unterstützen und wählen würden“, bezieht er in seinem offenen Brief ganz klar Position.

Bitte um Diskretion,
auch für Familie

Genaueres über seine Krebserkrankung will Neumüller nicht preisgeben. „Bitte geben Sie sich mit dieser spärlichen Information über meinen Gesundheitszustand zufrieden und gewähren Sie meiner Familie und mir ein gewisses Maß an Intimität und Diskretion.“

Es folgt der Dank an seine Familie, an seine Gruppierung und an die Aschauer für die bisher zuteil gewordene Unterstützung. Der offene Brief endet mit „Ich wünsche Ihnen und unserem Ort für die Zukunft alles Gute. Ihr Max Neumüller“. Ob Freund, Unterstützer oder Kontrahent – es gibt in Aschau derzeit wohl nur wenige, die Max Neumüller nicht dasselbe wünschen.

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