Riedering – Eine Gegenstimme gab es in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates bei der Abstimmung über die geplante Stellplatzanordnung beim neuen Lebensmittelmarkt am südlichen Innenortsrand Riederings.
Das Thema Lebensmittelnahversorgung war jahrelang in der Gemeinde und im Gemeinderat umstritten. Mehrheitlich wurde schließlich bei einem Bürgerentscheid im Oktober 2018 ein Edeka-Supermarkt samt darüberliegenden Wohnungen an der Tinninger Straße gutgeheißen (wir berichteten mehrfach).
Keine Staus an der Söllhubener Straße
Da in der vorangegangenen Sitzung mehrheitlich der Wunsch nach mehr Informationen hinsichtlich des Verkehrsgutachtens (Das Gutachten wurde im Rahmen der Planung erstellt, Anm. der Red.) geäußert wurde, stellte Peter Nolden, Verkehrsgutachter von PVT Planungsbüro für Verkehrstechnik Essen GmbH, das Gutachten in der jüngsten Sitzung vor. An drei unterschiedlichen Wochentagen im Frühjahr 2019 sei über zwölf Stunden der Verkehr gezählt worden, berichtete Nolden. Das Ergebnis war, dass sich an der Einmündung zur Söllhubener Straße kaum Autos stauten. Und selbst bei einer zu erwartenden Mehrbelastung durch Einkäufer und Anwohner, beim neuen Supermarkt, werde es hier kaum zu einem Stau kommen.
Das PVT Büro habe auch die Varianten Kreisel und/oder einer Ampel bei der Berechnung der Leistungsfähigkeit der Einmündung miteinbezogen. Mit einem Kreisel bleibe die Kreuzung beinahe staufrei, für ihn sei deshalb ein Kreisel die „quasi ideale Lösung“. Aber einen Kreisel bekomme man räumlich nicht hin und dieser nehme auf Fußgänger wenig Rücksicht, gab der Verkehrsplaner zu bedenken.
Richard Mühlbauer (Freie Bürger Pietzing) und Marianne Loferer (CSU) wandten an der Stelle ein, dass es dem Gemeinderat auch mehr um die Frage nach der Verkehrsgefährdung (querende Schüler und andere Fußgänger) und weniger um die Verkehrsbelastung gehe. Nolden befand die Frage für sehr wichtig, erklärte aber, dass an neuralgischen Stellen immer die Unfallschwerpunkt-Statistik herangezogen werde. Demzufolge sei auch die Option „Einführung einer Ampel“ an der Kreuzung eher unwahrscheinlich.
Sebastian Niedermaier (Freie Wählergemeinschaft Riedering, FWGR) merkte an, dass für ihn „die Burgmauer“ beim Restaurant auf der anderen Seite der Kreuzung Tinninger Straße / Söllhubener Straße zur Unübersichtlichkeit der Kreuzung beitrage. Bürgermeister Josef Häusler (Wählergemeinschaft Söllhuben) beendete die Diskussion mit der Feststellung, dass es wohl selbst mit Supermarkt und angeschlossenen Wohnungen bei der Straßenführung bleiben werde, und leitete zum nächsten Punkt über, der Frage nach der Gestaltung der Stellplätze.
Ferdinand Feirer-Kornprobst, Architekt und Stadtplaner, verwies hierzu auf den neuen Entwurf der Außenanlagen. Dieser sei nach intensiven Gesprächen mit dem Bauwerber und den Einwänden der Gemeinderäte wie folgt erstellt worden: Insgesamt werden 100 Stellplätze, davon einige in der Tiefgarage, angelegt. Eine Zahl, die „städtebaulich und wirtschaftlich verträglich“ sei, so der Architekt. Viel Grün rund um das Areal, runde das Ganze ab. Selbst zur Straße hin habe der Bauherr mehr Grünfläche geschaffen, indem der Außenverkehrsbereich um die Hälfte, auf nur noch 50 Quadratmeter verkleinert worden sei.
Rupert Schelle von Schelle Heyse Landschaftsarchitekten ging näher auf die Bepflanzung ein. Intension sei es, so betonte er mehrfach, „quantitativ und qualitativ zu begrünen“. So werde beispielsweise das Flachdach begrünt, der Gehweg südlich des neuen Areals werde locker bepflanzt und eine Baumgruppe am Ende des Fußwegs an der Straße kennzeichne den Ortsrand. Retensionsmulden werden in das Grün an allen Außenseiten (bis auf die östliche Straßenseite) integriert, um Oberflächenwasser abzufangen. Auf Nachfragen Matthias Pummerers (FWGR) erklärte Schelle, dass die westliche Begrünung samt Bergahorn-Bäumen erhalten bleibe, lediglich der Spitzahorn an der jetzt geplanten Ein- und Ausfahrt an der Tinninger Straße müsse weichen.
Linde statt Gingko
auf dem Parkplatz
Andreas Hitziger (CSU) bat darum, heimische Bäume und insektenfreundliche Pflanzen zu setzen. Ein Wunsch, den Schelle schon quasi erfüllt sah. So sei beispielsweise am Ortsrand an eine Linde gedacht. Auch würden heimische Sträucher angepflanzt, um Artenvielfalt nicht nur zu erzeugen, sondern zu betonen. Und schloss kategorisch aus: „Auf dem Parkplatz wird es sicher keine Gingko-Bäume oder Kugelakazien geben.“
Bürgermeister Häusler forderte einen Beschluss für den neuen Entwurf, dem bis auf Pummerer die übrigen Gemeinderäte zustimmten. Bezüglich des Zeitplans erklärte Martin Wimmer vom Investor und Bauträger Immobilien-Chiemgau-Conzept: „Wir sind kompromissbereit.“ Man hoffe, dass der Gemeinderat schnellstmöglich den Satzungsbeschluss fasse, um mit dem Bau so rasch wie möglich beginnen zu können.