Brannenburg – Für Staatsministerin Michaela Kaniber ist es klar: Ohne die Jägerschaft werden Herausforderungen wie die des Klimawandels nicht zu stemmen sein. Stichworte wie Stürme, Schneebruch, Trockenheit, Borkenkäfer stünden für Gefährdungen, die von den Waldbauern allein nicht bewältigt werden könnten, ein starker Wald baue auch auf einem angepassten Wildbestand auf. Große Herausforderungen setzten, so die Ministerin weiter, zu ihrer Bewältigung immer einen möglichst breiten Konsens voraus.
Schweinepest vor
deutscher Grenze
Vor diesem Hintergrund sei es ihr ein wichtiges Anliegen gewesen, bei der Hegeschau der Hegegemeinschaften Rosenheim und Inntal in der Wendelsteinhalle in Brannenburg das Grußwort zu sprechen, denn, so die Landwirtschaftsministerin: „Ich sehe die Zukunft der Hegeschau in der Rolle als eine entscheidende Kommunikationsplattform.“
Franz Sommer, der Erste Vorsitzende der Jägervereinigung Rosenheim, würdigte den ersten Besuch der Staatsministerin bei einer Hegeschau.
Für ihn ist die freie Diskussion unter den Besuchern ein wesentlicher Bestandteil der Hegeschauen: „Wichtig ist mir, dass die Jäger ausreichend Gelegenheit haben, um sich untereinander auszutauschen. Das ist ja die Voraussetzung dafür, dass etwaige Probleme als solche erkannt werden können, vor allem aber auch dafür, dass sich daraus neue Anregungen entwickeln können“.
Die Hegeschau als Kommunikationsplattform ist für die Ministerin aber nicht nur in Fragen des Klimawandels wichtig, sondern auch für unmittelbare Problemstellungen: Die Afrikanische Schweinepest sei derzeit nur noch zwölf Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Es bestehe aber Hoffnung, ein Einschleppen der Seuche doch noch verhindern zu können.
Die Staatsregierung habe mit dem im Februar in Kraft getretenen Waffengesetz das Verbot für Nachtsichtgeräte zur Jagdunterstützung aufgehoben, den Jägerinnen und Jägern seien damit effektive Instrumente zu einer waid- und tierschutzgerechten Schwarzwildbejagung an die Hand gegeben.
Der stellvertretende Landrat Josef Huber griff in seiner Ansprache direkt die von Kaniber angesprochenen waffenrechtlichen Veränderungen auf. Er bedankte sich bei der Staatsregierung für die grundsätzliche Klärung dieser Frage, die dem Landratsamt Rechtssicherheit gebe.
Er ging auch auf nähere Ausführungsbestimmungen ein. Zwar würden Anträge auf Nachtsichtgeräte schnell und unbürokratisch bearbeitet werden, an der grundsätzlichen Praxis, dass ein Bedarf dafür nachgewiesen werden müsse, wolle man im Landkreis jedoch nichts ändern.
Das neue Gesetz sei auf jeden Fall aber ein wichtiges Element für die Abwehr der Schweinepest, für die der stellvertretende Landrat den Kreis insgesamt gut aufgestellt sah.
Für den CSU-Landtagsabgeordneten Otto Lederer zeigt sich die Bedeutung der Hegeschauen über die Jägerschaft hinaus.
Sie seien eine Möglichkeit, so sagte er in seinem Grußwort, jagdliche Sachverhalte auch einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln. Ein wichtiger Punkt, denn die Jägerschaft befinde sich im Spannungsfeld unterschiedlichster Forderungen: Mehr Abschüsse auf der einen Seite, um zum Beispiel den Waldaufbau nicht zu gefährden, Betonung von Artenvielfalt und Hege auf der anderen.
Revieroberjäger Fritz Pichler, stellvertretender Hegeringleiter der Hegegemeinschaft Inntal, trug die Abschusszahlen für das vergangene Jagdjahr vor (siehe Infokasten).