Riedering –In vielem weitgehend einig, in einigem nicht weit auseinander und gelegentlich konträr, öfter mal zustimmend nickend und manchmal Seitenhiebe austeilend: So präsentierten sich die drei Bürgermeisterkandidaten bei ihrer Podiumsdiskussion.
Dr. Andreas Uhlig (parteifrei, tritt für die CSU, die Wählergemeinschaft und die Wählerunion Söllhuben an), Christoph Vodermaier (Freie Wählergemeinschaft Riedering, FWGR) und Franz Josef Sammer (SPD) stellten sich im mehr als voll besetzten Saal beim Alten Wirt in Riedering in einer Podiumsdiskussion vor.
Moderiert von Hans-Georg Schmidt und Richard Mühlbauer bezogen die Kandidaten – per Los war vorab über die Reihenfolge entschieden worden – zu den fünf Themen Infrastruktur/Wohnungsbau, Verkehr, Bevölkerung, Energie/Umwelt/Versorgung und Digitalisierung/Verwaltung jeweils Stellung.
Allen drei Kandidaten war der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum gemein, und dennoch gab es Unterschiede. Denn während Sammer für das kommunale Wohnraumförderprogramm warb, stellte Vodermaier das staatliche Wohnraumförderprogramm in den Vordergrund. Er und auch Uhlig zeigten sich offen für die Idee von Mehrgenerationenhäusern, für Uhlig waren zudem sinnvolle Nachverdichtung und moderates Wachstum der Gemeinde wichtig.
Die Busanbindung und
das Radwegenetz
gemeinsam verbessern
Beim Verkehr waren zwar alle drei für die Verbesserung des ÖPNV, aber während Vodermaier und Uhlig sich für einen nachhaltigen und vorausschauenden Schulterschluss mit Nachbargemeinden beispielsweise beim Ausbau des Radwegenetzes aussprachen, gab Sammer sich kämpferischer und forderte zum „Kampf gegen Paragrafen“ auf.
Beim Thema Bevölkerung stellte Vodermaier den Dialog mit allen Gruppen in den Vordergrund und lobte das ehrenamtliche Engagement. Uhlig äußerte sich ähnlich, gab gleichzeitig aber auch zu bedenken, dass jedes Projekt in Einklang mit einer soliden Haushaltsplanung stehen müsse. Sammer hingegen forderte mehr Dialog auf Augenhöhe – auch mit dem Gewerbeverein und der Telekom („Mit der Telekom haben wir beim Breitbandausbau Knebelverträge“).
Beim Themenblock Energie/Umwelt/Versorgung war der Zeitrahmen fast zu kurz: Sammer warf der Verwaltung fehlende Transparenz beim Energiekonzept vor. Sollte er Bürgermeister werden, werde er „das bestehende Energiekonzept anpassen und jährlich überprüfen.“ Vodermaier warb für „Bürger-Zuschüsse für energetische Sanierungen“ und ein Mehr an Nahwärme und Fotovoltaik auf Gemeindegebiet. Punkte, die auch Uhlig anmahnte, der zudem den „Schutz der einzigartigen Landschaftsräume und Kulturlandschaft“ in den Vordergrund stellte.
Transparenz soll
künftig eine hohe
Priorität bekommen
Bei der Digitalisierung hielt Uhlig Sammer vor: „Die Robin-Hood-Mentalität bringt nichts.“ Er werde die Verwaltung den aktuellen Bedürfnissen anpassen und jedem Bürger ein offenes Ohr leihen. Sammer warf der Verwaltung Versäumnisse vor, die Homepage gehöre zeitgemäß gestaltet, Dokumente sollten öffentlich zugänglich gemacht werden. Nur Transparenz schaffe Vertrauen. Vodermaier gab sich moderater. Er wolle mehr Bürgerfreundlichkeit erreichen, als Bürgermeister wolle er „ein verlässlicher Ansprechpartner“ sein.
Im Anschluss daran gab es eine erste Fragerunde mit schriftlichen Anfragen, die Mühlbauer mit den Worten „Das wird ein belebter Abend“ zusammenfasste. Auf die Frage nach der Personalfluktuation im Rathaus und dem Führungsstil erklärte Uhlig, es sei „schade um jeden, der geht“, betonte auch, dass er und der amtierende Bürgermeister unterschiedliche Charaktere hätten und dementsprechend einen unterschiedlichen Führungsstil pflegten. Vodermaier sagte, er pflege „einen kooperativen Stil“ und sei „ein guter Teamplayer.“ Sammer sagte, er wolle das „miteinander Reden“ fördern. Transparenz, auch eine Forderung aus den Reihen des Publikums, werde, wie es alle drei Kandidaten an dem Abend versprachen, hohe Priorität bekommen.
Während Uhlig beim Thema Tourismusförderung formulierte: „Mit mir wird es keinen Hotelkomplex geben, das passt nicht“, warb Vodermaier für die Förderung kleiner Übernachtungsbetriebe. Sammer sprach sich hier für ein „Riederinger Konzept“ mit Bedarfsumfrage aus.
Niedermoosen ist
zu klein für einen
Nahversorger
Bei der mündlichen Fragerunde hakte Klaus Schindler aus Niedermoosen bezüglich eines Lebensmittelmarkts in seinem Ortsteil nach. Vodermaier und Uhlig erklärten, dass der Ortsteil laut Angaben der unterschiedlichsten Betreiber zu klein für einen Nahversorger sei, Sammer machte sich für einen Dorfladen stark.
Bezüglich des Ausbaus von Feldweg/Fichtenstraße in Pfaffenbichl meldete sich Gemeinderat Josef Loferer (FWGR) zu Wort. Man habe hier zum Wohl der Allgemeinheit entschieden. Die beiden Straßen sollen, so beschloss es der Gemeinderat, bis zum 1.April 2021 ausgebaut und abgerechnet werden, drei weitere Straßen auf Gemeindegebiet, die von der Verjährungsproblematik betroffen sind, werden nicht angetastet. Er, Loferer sei es leid, „die Drecksarbeit“ machen zu müssen. Während Sammer erklärte, dass seines Erachtens der Ausbau des Fichtenwegs ausreiche, betonte Vodermaier, dass der Gemeinderat zielgerichtet arbeiten sollte. Uhlig äußerte Kritik am Beschluss: Die Verwaltung habe in ihrem Beschlussvorschlag für eine Gleichbehandlung plädiert, der Gemeinderat den Ausbau hier und Nicht-Ausbau dort beschlossen. Was die zahlreichen Zuhörer mit langem Applaus bedachten.
Verschiedene
Varianten von
„Gemeinschaft“
Abschließend bekamen die drei Kandidaten Gelegenheit, ihre Vision „Riedering 2030“ zu formulieren. Laut Vodermaier werde Riedering dann von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit gekennzeichnet und sei „auch weiterhin liebens- und lebenswerter Ort.“ Sammer sah Riedering auch zukünftig nicht als Vorort Rosenheims oder Münchens und „als Einheit, als eine Gemeinde.“ Für Uhlig werde dann die Verwaltung serviceorientierter, die Kommunikation verbessert sein und ein gutes Miteinander werde gepflegt. „Nicht jeder gegen jeden,“ – sein Seitenhieb auf Gemeinderat Josef Lindner: „Der ist immer gegen alles“ wurde mit langem Applaus vom Publikum bedacht – , sondern eine Gemeinde, in der „alle an einem Strang ziehen.“