Vogtareuth – Die Frage ist: Warum haben die Vogtareuther ihr Starkbierfest feiern dürfen? Festredner Dr. Kontrabass wusste es: Corona sei eine Fake-News („Lüge“ auf US-amerikanisch). Das sei im Gemeinderat digitalgestützt recherchiert worden: „Säuchen song die Preißn, bei uns hoaß ma’s Fake (Ferkel). Brauchma ned lang dischkriern, des mit de Seuchen is‘ Fake.“
Also, auf in die Schulturnhalle. Natürlich ist die vergleichsweise ansehnlich. Weiß-Blau geschmückte Tische und ein Podium für die Vogtareuther Blasmusik und Dr. Kontrabass als dozierenden Fastenrede-Doktor sind gebräuchlich. Die Stimmung in der Halle aber, die kommt von den Gästen selbst: Von Anfang bis Ende heiter und freundlich, freundschaftlich. Der Nockherberg-Redner und vor allem Derbleckte könnten sich eine Scheibe davon abschneiden. Scheiben vom Kesselfleisch oder der Erdbeerrolle bekommen die Münchner auf keinen Fall, sonst würden sie nie wieder ihre Weißwürste essen.
Hildegard Mayer fasst zusammen: „Auch wenn man nicht aus der Gemeinde ist, findet man immer Leute zum Reden.“ Korbi März: „A Mordsgaudi. Jeder ist willkommen. Selbst wenn man die Leut‘ nicht kennen würde, hätt‘ man lachen können.“ Kathrin Lagler, im Auftrag ihrer Trachtler um das leibliche Wohl der Gäste bemüht, ergänzt: „Und wenn man sie kennt, weiß man, das alles passt, was der Dr. Kontrabass g’sagt hat.“
Was Dr. Kontrabass (Hannes Herzog) gesagt hat und wie er seine Rede vorgetragen hat, zeugt von einer umwerfenden natürlichen Gabe. Ebenso genial machte Florian Eichberger als Verfasser seine Feder zu einem feinen Florett, das zwar piekst, aber niemals verletzt. Da schmerzen schon eher die Lachmuskeln als das Ego. So hielt Dr. Kontrabass zu Beginn seiner Rede nur einen leeren, kleinen Papierfetzen vors Publikum: „Das Gesundheitsamt ist hart geblieben: Wo mehr als zwei oder drei beisammen sind, ist die Versammlung aus Gründen des Seuchenschutzes aufzulösen. Stattfinden dürfen also weiter die Werktagsmessen in St.Emmeram sowie die Sonntagsgottesdienste in Zaisering. Mir ist das schon klar: keine Menschenmassen, keine Ansteckung. “
Gott gegenüber wies Dr. Kontrabass, in Vertretung eines Engels, auf Missstände hin: „Ich seh‘, was es gibt, das übliche Elend, das Ihr ja kennt und das uns betrübt: (…) Die Jugend, die verflossen ist, die Wirtschaft, die geschlossen ist, Eheleut‘, ohne Grund zum Bau’n, Trachtler ohne Gottvertrau’n, die Klinik ohne feste Leitung, ein OVB, doch keine Zeitung, Beratung ohne Resultat, im Rathaus ohne guten Rat. Und außerdem – und das ist saudoof: ein Bauhof ohne Bauhof.“
Dr. Kontrabass erklärt, in Vogtareuth blieben zwei Männer übrig, die Bürgermeister werden wollen: „Die Frage ist: warum? Wir haben den amtierenden Rudolf Leitmannstetter und den Berufsoffizier Alexander Unrecht. Für den ist es der zweite Versuch – die Rückkehr des Oberstleutnants sozusagen. Und zwar aus Mali. Der Unrecht ist seit sechs Jahren im Gemeinderat, zuletzt in Westafrika. Das war eine relativ ruhige Zeit, zumindest für Vogtareuth.“
Bestnoten für die
kreativen Köpfe
Leitmannstetter war von den Wortspielereien und dem feinen Humor begeistert: „Wir dürfen froh sein, das wir sowas in Vogtareuth haben. Ich habe mich gefreut, dass auch die Leute im Vortrag erwähnt wurden, die nach vielen Jahren Arbeit zum Beispiel nicht mehr für den Gemeinderat kandidieren.“ Es sei grandios gewesen. Eine Bestnote, mit der auch Alexander Unrecht einverstanden ist: „Das ist immer eine Gratwanderung für den, der solche Reden schreibt. Diese ist nicht zu schwach und auch nicht langweilig. Sie war treffend.“