Aschau – „Ruhig ist es zurzeit um die Jagd in der Region geworden. Die großen Beutegreifer Bär, Wolf und Luchs machen derzeit noch einen großen Bogen um Oberbayern“, eröffnete Bürgermeister Peter Solnar die 19. Hegeschau der Hegeringe III bis VI aus dem Landkreis in der Aschauer Festhalle. „Lediglich der Biber hat es wieder in die Schlagzeilen geschafft. Die Gemeinde Aschau wird wohl zwei Leute einstellen müssen, die tagsüber die Arbeit beseitigen, die das fleißige Tierchen über Nacht geschaffen hat“, so Solnar.
Waldbader stören die
Ruhe in den Bergen
Man brauche wieder Ruhe in den Bergen. Neben den Skitourengehern, Mountainbikern und den Schneeschuhwanderern tauchen jetzt als neueste Errungenschaft die „Waldbader“ auf, die lauthals in die Stille der heimischen Wälder eintauchen. Fazit: Hirsch und Reh kommen weder bei Tag noch bei Nacht zur Ruhe.“ Die Gemeinde Aschau werde sich in den kommenden Jahren etwas einfallen lassen, um die Ruhe in den Bergen wieder herzustellen, den Freizeitdruck zu reduzieren und auf ausgesuchte Bereiche zu kanalisieren.
Franz Sommer, Vorsitzender der Jägervereinigung Rosenheim, berichtete der Jägerschaft vom Besuch der Bayerischen Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Michaela Kaniber, in Brannenburg und ihrer Forderung nach einer guten Kommunikation zwischen Jägerschaft und Grundbesitzern. „Mit einigen kleineren Ausnahmen erfüllen wir diese Anregung der Ministerin bereits. Erst miteinander reden, dann klagen.“
Landrat Josef Huber erinnerte die Jäger daran, dass die Teilnahme an der Pflichthegeschau für alle verbindlich sei. Jagdliche Trophäen seien schön, stellen aber bei Weitem nicht alles dar, was die Jagd ausmache. „Wir Jäger“, ausdrücklich schloss er sich ein, „sind verantwortlich für die Vielfalt der Natur.“
Huber wies darauf hin, dass die Erlaubnis, Nachtsichtgeräte bei der Jagd zu benützen, nur für die Jagd auf Schwarzwild gelte: „Wer keine Sau im Revier hat, hat auch keinen Bedarf an Nachtsichtgeräten.“ Eine Verwendung dieser Geräte ohne behördliche Genehmigung bei der Jagd auf anderes Wild führe unweigerlich zu unliebsamen Konsequenzen für den Eigentümer. Nach seiner Kenntnis sei die Verbisslage in den Revieren des Landkreises nirgends besonders auffällig. „Es schaut gut aus im Wald.“
Landrat Huber kam ganz alleine nach Aschau, seine Mitarbeiter aus den entsprechenden Stellen im Landratsamt musste er aus verschiedenen Gründen entschuldigen. Auch die Leiter der beiden Forstämter konnten an diesem Abend nicht nach Aschau kommen, sie schickten auch keinen Vertreter.
Georg Höhensteiger von der Waldbauernvereinigung beklagte die riesengroßen Sturm- und Hitzeschäden in den vergangenen Jahren. Zusätzlich seien die Bestände noch mit Schädlingen befallen gewesen, sodass die Waldbauern mit dem Räumen der betroffenen Flächen kaum nachkamen. Der Holzpreis sei so tief in den Keller gerauscht, dass sich die Arbeit schon nicht mehr rentiere.
Zum 19. Mal kamen die Jäger der Hegeringe III bis VI aus dem Landkreis in Aschau zusammen und zeigten an den Stellwänden über 1200 Trophäen des Vorjahres. Jagdberater Fritz Pichler verlas die Ergebnislisten: In den Revieren der vier Hegeringe wurden 130 Stück Rotwild, 3534 Rehe und 137 Gämsen erlegt, 477 Rehe fielen als Fallwild Verkehrsunfällen, wildernden Hunden oder Krankheiten zum Opfer.
910 Füchse,
176 Dachse, 94 Marder
Die Zahlen beim Raubwild sind überall rückläufig: 910 (969) Füchse, 176 (183) Dachse und 94 (121) Marder wurden erlegt. Lediglich 91 (126) Hasen wurden erlegt. Die Abschusszahlen beim Federwild: Stockente 825 (586), Ringeltaube 120 (151), Graugans 112 (143), Elster und Eichelhäher 498 (223) und Rabenkrähe 1574 (1384).
Fritz Pichler führte aus, dass die Abschusspläne bei Rotwild und Rehwild weitestgehend erfüllt worden seien, lediglich bei den Gämsen erreichten die Jäger nur 70 Prozent des geforderten Solls. „Der letzte Winter war sehr streng, rund zwei Drittel aller Rehe sind wegen Hunger und Kälte in den Wäldern eingegangen, viele Gämsen wurden in den höheren Lagen tot aufgefunden, eine Vielzahl wurde vom Raubwild gefressen und gar nicht gefunden.
Das Schwarzwild stellt noch keine echte Größe in den vier Hegeringen dar, lediglich ein Überläufer wurde gemeldet. Im gesamten Landkreis waren es 170 (Vorjahr 37) Wildschweine, der Schwerpunkt liegt dabei im Raum der Moorwälder um Maxlrain.