Wasserburg – Ein Rapper, alleinerziehender Vater und „der beste Papi auf der Welt“: das ist FLA da Liquid, der mit bürgerlichem Namen Martin Weiherer heißt. Heute, Freitag, erscheint seine zweite EP „Good Life“ (Extended Play – das ist keine Single, aber auch kein vollständiges Album, Anm. d. Red) auf allen Streamingportalen. Ein Dreivierteljahr hat der 40-Jährige an seinem Werk, das neun Stücke umfasst, gearbeitet.
In „Elefant“ rappt der Wasserburger, der in Mühldorf lebt, mit seiner tiefen Stimme einen Mutmacher-Song für alle Alleinerziehenden. „Wir sind groß wie ein Elefant, stark wie ein Elefant, niemand sollte uns unterschätzen.“ Scheiden tue weh – aber noch mehr, die eigenen Kinder leiden zu sehen. Das Leben als Alleinerziehender sei ein harter Kampf, aber zum Wohle der Kinder gebe man nicht auf, ist die Botschaft dieses Songs.
Seine Töchter singen
eine Zeile zu „Elefant“
Seine beiden Töchter (acht und zehn) durften sich einbringen, sie singen die Zeile „du bist der beste Papi auf der Welt“ ein. „Für die Mädels ist das was Besonderes, dass sie Anteil haben dürfen. Und natürlich ist ,Elefant‘ ihr Lieblingslied auf der EP, die in seinem Studio daheim im Dachgeschoss aufgenommen wurde.
Weiherers Schwester Tanja Schorn-Engstler hat sich um die Gestaltung des Covers gekümmert. Aber nicht nur das „Familything“ ist etwas Besonderes auf der EP, die echte Banger, also „was, was richtig abgeht“ und auch Nachdenkliches und Melodisches enthält und beim Schweizer Label „Codex Records“ erscheint. FLA da Liquid, der seit den 90ern ein Oldschool-Rapper ist, hat bekannte Größen und Newcomer der Szene dazu gewinnen können, zu einzelnen Liedern etwas beizutragen. So sind Olli Banjo (Sparring, Schizogenie, Dynamit, u.a.), Rilla aus Marzahn (gehört zu Haudegen), DJ Reaf aus Berlin (u.a. Tour-DJ für Bushido, Capital Bra), Ricky E$PO aus der Schweiz, Jireh aus München sowie Issoe aus Halle auf der musikalischen Gästeliste.
Feature-Gäste sind
wie eine Wundertüte
Banjo und Weiherer kennen sich von Live-Auftritten in Köln und Bamberg. Für das Stück „Welt der Musik“ hat Olli Banjo die Hook gemacht und einen Part (Part ist Strophe und Hook ist der Refrain und sorgt für den Ohrwurmeffekt, Anm. d. Red.); also selbst getextet und gesungen. „Ich gab ihm das Thema und den Beat dazu. Für mich war, was ich zurückbekomme, wie eine kleine Wundertüte. Banjo ist spontan und überrascht“, erklärt Weiherer.
Die Wundertüte wuchs mit jedem Stück Sprechgesang. Etwa durch Rilla, der einen Part zu „Immer noch“ beisteuert, und FLA da Liquid rappt „immer noch fresh, immer noch up to date“ – weil er immer noch der Alte ist. Wie auch Rilla – die beiden feiern das Genre, wie es in den 90ern war. „Das Leben ist vergänglich, Musik nicht“, lautet die Message. Ricky E$PO liefert auf „Schwyzerdütsch“ den Refrain zu „Baby, du weißt“ und verwendet leichtes Autotune (ein Audio-Effekt).
Oder DJ Reaf, der für den Gauner-Song „Crooks“ die Scratches macht. Die Töne erzeugt er durch Hin- und Herbewegen einer laufenden Schallplatte auf einem Plattenspieler bei aufgelegter Nadel – ein Klassiker im Hip-Hop seit den 1970ern.
„Leben ist vergänglich
–Musik nicht“
Der junge Jireh aus München singt die Hook zu „Es hat alles seinen Sinn“ aus FLA da Liquids Feder. Der nachdenkliche Song spricht das Karma-Konto an, also ausgleichende Gerechtigkeit. Issoe aus Halle, der seit 15 Jahren in der Szene bekannt ist und schon eigene Alben produziert hat, hat einen Part zum „Good Life Remix“ geliefert. „Good Life“ im Original ist der Opener der EP und handelt vom Partymachen, Lebengenießen und davon, dass FLA da Liquid den Club zum Hotspot macht. Der kurze Happen „Tippin“ enthält wieder Lokalkolorit: es geht um Wasserburg.
Wie immer hat Kumpel Gostshut aus München die Videos und Fotos gemacht. Und FLA da Liquid hat schon ein neues Projekt: Er arbeitet an einem „Elefant-Monster-Remix“ mit 24 Rappern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – aber nicht ohne seine Töchter.