Den Großmüttern und Müttern zur Ehre

von Redaktion

Krieger- und Reservistenverein Bad Feilnbach: Warum jetzt drei Frauen dabei sind

Pius Graf

Bad Feilnbach – Erstmals in seiner 97-jährigen Geschichte verstärken drei Frauen den Krieger- und Reservistenverein Bad Feilnbach. Das sind Vroni Gasteiger, Lisa Weidlich, Marlene Müllauer und Anita Stadler. Aber was hat sie zum Beitritt bewegt – und was hat ihren Beitritt erst möglich gemacht?

Mahnerinnen
des Friedens

Sorge über Fortbestand und Zukunft des Vereins in Bad Feilnbach machte sich beim Vorstand breit. Daraufhin haben die Männer eine Änderung der Vereinssatzung vorgenommen: Ab dann konnten sowohl gediente als auch nichtgediente Mitglied werden – und eben auch Frauen.

Die Drei sehen sich als Mahner für Frieden und Freiheit. Und sie setzen sich gegen das Vergessen der Kriege ein. Dabei verwiesen sie auf das Kriegerdenkmal als Zentrum des Gedenkens in der neugestalteten Dorfmitte von Bad Feilnbach, vor allem aber auf die Namen auf den Tafeln.

Die darauf verzeichneten gefallenen, vermissten und verstorbenen Männer waren Bezugsgrößen im Ort.

Sie erinnern sich auch an Gespräche von Angehörigen, darunter Großmütter und Tanten, über den Verlust eines Familienmitglieds jener Zeit oder an Invaliden, die verstümmelt oder schwer traumatisiert von den Fronten oder Gefangenschaften zurückkamen.

Sie erzählen von Repressalien, welche die Heimkehrer erdulden mussten. Aber auch vom Schweigen ihrer Großmütter über schreckliche Erlebnisse, wie beispielsweise Vertreibung mit Verlust von Heimat oder Übergriffen nach Einmarsch der Alliierten.

Umso mehr, wie Vroni Gasteiger bestärkte, macht „es Sinn weitere Frauen, zur Ehre jener weiblichen Vorfahren, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg viele Opfer auf sich nahmen, für einen Eintritt in den Krieger- und Reservistenverein zu bewegen und an der Erfüllung der Vereinsstatuten mitzuwirken“. Dazu gehört: Erhalt und Pflege des Kriegerdenkmals. Bislang widmeten sich Frauen als starke Säulen engagierter Mitglieder eher im Hintergrund in Form von Blumenschmuck zum Vereinsjahrtag, Volkstrauertag sowie Festen mit Gedenken am Kriegerdenkmal.

Wie Sebastian Gasteiger, den alten Hausnamen „Schutzhäusler“ tragend, sowie Vorstand Lorenz Müllauer beim Thema Kriegerdenkmal ergänzten, sei das Zeichen mit der Pieta und zwei weinenden Engeln dem 1922 existierenden, aber nicht eingetragenen Kriegerdenkmalverein Feilnbach zu verdanken.

Mitglieder darin waren Männer und Frauen aus der damaligen Feilnbacher Bürgerschaft. 1923 ging das Denkmal an die Gemeinde über und der in diesem Jahr gegründete Veteranen- und Kriegerverein Feilnbach-Wiechs übernahm dessen Pflege und Erhalt.

Als eingetragener Verein von damals war eine Mitgliedschaft nur männlichen Kriegsteilnehmern aus den Krieg 1870 und dem ErstenWeltkrieg gestattet.

Außerdem ist jährlich ein Vereinsjahrtag abzuhalten.

„Frauen sind eine wertvolle Unterstützung und wichtige Bereicherung“

Interview mit Pius Graf, Obmann der Interessensgemeinschaft Rosenheim Nord.

Gibt es innerhalb der Interessensgemeinschaft Zahlen über Frauen als Mitglieder in Veteranen-, Reservisten- und Soldatenvereinen?

Es liegen keine Angaben aus den einzelnen Vereinen vor. Je nach Vereinssatzung seien Frauen, etwa frühere Flakhelfer oder auch Polizistinnen sowie nichtgediente Männer und Burschen als fördernde Mitglieder vertreten. Einige Frauen führten nach dem Tod ihres Mannes die Mitgliedschaft weiter.

Wie sieht es mit den Statuten aus?

Viele Vereine haben das Thema Zugehörigkeit von Frauen in ihren Statuten historisch gewachsen verankert oder diese in letzter Zeit angepasst.

Wie ist die Haltung der Interessensgemeinschaft über Frauen in den Vereinen?

In Kriegszeiten und auch danach trugen Frauen in allen Bereichen, wenn Männer an den Fronten waren, große Verantwortung etwa im Erhalt von Haus und Hof, in der Erziehung von Kindern in Lazaretten sowie als Flakhelfer. In den Vereinen, dazu gehört auch Bad Feilnbach, sind Frauen geschätzte Mitglieder, die sich um den Fortbestand eines Vereins und zum Erhalt und Pflege eines Kriegerdenkmals wertvolle Unterstützung leisten. Frauen sind eine wichtige Bereicherung als Mahner für Frieden und Freiheit. INterview: Peter Strim

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