Trend geht zur Briefwahl

von Redaktion

Technische Probleme bei Stimmenauszählung – Viele junge Kandidaten erfolgreich

Söchtenau/Prutting/Stephanskirchen/Riedering – Abspringende Wahlhelfer, enge Rennen, streikende Technik – in den Gemeinden rund um den Simssee und im Inntal nördlich von Rosenheim war am Wahlsonntag einiges geboten. Das letzte Ergebnis einer Gemeinderatswahl kam per Fax in der Redaktion an, am späteren Montagnachmittag. Aus Prutting. Der dortige Verwaltungs- und Wahlleiter Georg Plankl war schier am verzweifeln, weil ihn die Technik verließ. Auch am frühen Montagabend war auf der Internet-Seite der Gemeinde nur das Ergebnis der Bürgermeisterwahl zu finden. Technische Probleme gab es zeitweilig auch in Riedering, wie der scheidende Bürgermeister Josef Häusler sagte.

Viele Absagen bei
den Wahlhelfern

Söchtenaus Sebastian Schreider sprangen am Wahlmorgen vier Helfer kurzfristig krankheitsbedingt ab, es gab aber noch eine Reserveliste und die „Reservisten“ sprangen sofort ein. Genauso sah es in Riedering aus: Absagen wegen Krankheit oder Corona und Einspringen der Reserve. „Und, was mich ganz besonders gefreut hat: Während des Tages meldeten sich noch einige Freiwillige. Die haben wir gerne mit in die Teams eingebaut“, so Häusler. Was bei über 50 Prozent Briefwählern durchaus eine Arbeitserleichterung für die Zählenden bedeutete.

Generell ging der Trend hin zu den Briefwahlen. Ob das nun demografisch oder Corona-bedingt war, kann man nur spekulieren. Aber an der Wahlbeteiligung ist es in fast allen Kommunen abzulesen, denn die stieg an. Und Briefwähler wählen zu annähernd 100 Prozent, treiben damit den Schnitt hoch. Und sie nutzen noch viel mehr die Möglichkeit, ihre Stimmen quer durch alle Listen zu verteilen, zu kumulieren und zu panaschieren.

Was besonders beim Kreistag zu deutlicher Mehrarbeit führt: 70 Stimmen lassen sich großflächig verteilen. In der Wahlnacht schaffte es kaum eine Gemeinde, auch dieses Gremium noch auszuzählen – sieht man vielleicht von der kleinsten politischen Gemeinde Bayerns, Chiemsee, ab. Deswegen ist der Kreistag auch erst am Dienstag ausgezählt.

Schreider befürchtete in Söchtenau schon eine katastrophale Wahlbeteiligung, denn bis 11 Uhr hatten keine 70 Frauen und Männer an den Wahlurnen ihre Stimmen abgegeben. „Es wurde besser“, lachte er.

„Keine besonderen Vorkommnisse“ hatte der Stephanskirchner Wahlleiter Georg Plankl vermeldet. Und gestand auf Nachfrage, dass er sehr froh sei, in zwei Wochen nicht zwei Stichwahlen per Briefwahl organisieren zu müssen. Das bleibt den Riederingern nicht erspart: Erst als der letzte Briefwahlbezirk ausgezählt war, stand fest, dass dort Christoph Vodermaier und Dr.Andreas Uhlig in die Stichwahl gehen.

Bürgermeisterrunde
noch ohne Frauen

In der Runde der 46 Landkreis-Bürgermeister wird es nach dem 1.Mai einige neue Gesichter geben. Frauen sind derzeit nicht dabei. Im ersten Wahlgang hat es im gesamten Landkreis Rosenheim keine Frau auf den Chefsessel geschafft. In fünf Kommunen gehen Frauen am 29.März in die Stichwahl: Bad Aibling, Prien, Bernau, Bad Endorf und Halfing. Das Inntal ist von Kiefersfelden bis Soyen fest in Männerhand.

Frauen auch in Räten
die Minderheit

Auch in den Gemeinderäten sind die Frauen deutlich in der Minderheit. Sie stellen zwar die Hälfte der Bevölkerung, aber meist höchstens ein Viertel der Gemeinderäte, nur Stephanskirchen kann bei 24 Gemeinderäten mit acht Frauen aufwarten. In Großkarolinenfeld sind es fünf von 20, in Prutting drei von 14, in Riedering vier von 20, in Rohrdorf und Schechen jeweils fünf von 20 und in Vogtareuth fünf von 16. „Wenn ich Frauen frage, ob sie für den Gemeinderat kandidieren, fragen die mich und sich erst mal ‚Kann ich das?‘. Das ist eine Frage, die Männer sich nach meiner Erfahrung nicht stellen. Die machen einfach“, hat Marianne Steindlmüller, die scheidende Bürgermeisterin von Frasdorf, zu diesem Thema einmal gesagt. Jetzt sind sechs Jahre Zeit, mehr Frauen für die Kommunalpolitik zu gewinnen.

Rathauschef
mit 28 Jahren

Bemerkenswert bei der Kommunalwahl 2020: Es gab viele junge Kandidaten. Nicht nur für die Stadt- und Gemeinderäte, sondern auch für die Bürgermeisterposten. Die Rohrdorfer wählten den 30-jährigen Simon Hausstetter, die Pruttinger den 31-jährigen Johannes Thusbaß. In Eggstätt geht der 33-jährige Hans Plank in die Stichwahl. Und auch Aschaus Simon Frank ist gerade mal 40 Jahre. Die Neubeurer entschieden sich schon im November für den 28-jährigen Christoph Schneider.

Der Rosenheimer Bürgermeisterchor muss zwar möglicherweise ohne weibliche Stimmen auskommen – deutlich verjüngt hat er sich nach der Wahl 2020.

Artikel 1 von 11