Aschau – „Ein Sturm blies am Wahlabend durch Aschau und hat vieles durcheinandergewirbelt“, so schrieb die Kollegin vor sechs Jahren. Wie sich die Bilder gleichen: Wieder gibt es einen neuen Bürgermeister. Wieder war der vorher politisch nicht aktiv. Wieder wurde der amtierende Bürgermeister aus dem Amt gefegt. Wieder schaffte es die CSU nicht, den Bürgermeistersessel zu erringen.
2014 siegte Solnar,
2020 verlor Solnar
Vor sechs Jahren hatte Peter Solnar (Freie Wählergemeinschaft Aschau) Werner Weyerer mit 58,75 Prozent der Stimmen bezwungen, dieses Jahr musste er sich Simon Frank (Zukunft für Aschau) geschlagen geben, der 57,8 Prozent einfuhr. „Konstruktive Zusammenarbeit mit einem zielorientierten Gemeinderat“ und eine „modern geführte, motivierte Verwaltung“ zählte Simon Frank zu seinen Zielen.
Die Aschauer Verwaltung zu motivieren dürfte eher einfach sein. Denn von den Mitarbeitern hatte es – meist hinter vorgehaltener Hand, manchmal ganz offen – immer wieder Klagen gegeben, dass Solnar alles selber mache, nicht delegieren könne und niemandem vertraue. Da kommt ein selbstbewusster, nach eigener Aussage zielstrebiger 40-Jähriger, der für ein paar Jahre selbst Wassermeister und technische Führungskraft im Aschauer Wasserwerk war, vielen Mitarbeitern vermutlich gerade recht: tief durchatmen, Ärmel hochkrempeln und loslegen.
Konstruktive Zusammenarbeit mit einem zielorientierten Gemeinderat – auch da stehen die Chancen nicht so schlecht. Denn vor allem im letzten Drittel der jetzigen Legislaturperiode schienen einige Mitglieder des Gemeinderates eher am Konflikt als an der Kooperation interessiert. Von „gemeinsamen Besprechungen“, wie Frank es sich wünscht, war der Rat zum Teil meilenweit entfernt. Eine Sitzung musste gar ausfallen: Es waren nicht genug Mitglieder da, der Rat war nicht beschlussfähig. Einige der Scharfmacher traten nicht mehr an, andere wurden nicht mehr gewählt. Die von Frank gegründete Gruppierung „Zukunft für Aschau“ bekam auf Anhieb sieben Sitze. Die vom erkrankten Max Neumüller gegründete Bürgerbewegung Aschau (BBA) errang zwei Sitze. Die fehlen anderen Parteien und Gruppierungen. So schrumpfte beispielsweise die CSU-Fraktion von sieben auf drei Vertreter. Deren Angriffe auf Solnar scheinen nicht belohnt worden zu sein.
Die Turnhalle
als Lackmustest
Ein erster Knackpunkt für Frank: Wie geht es mit der Turnhalle weiter? Noch ist da alles möglich. Vom schlichten Zweckbau für die Schule und den Vereinssport – den die Aschauer beim Bürgerbegehren mehrheitlich wollten – bis hin zur großen Lösung mit Jugendraum und Vereinsheim des Sportvereins, wie ursprünglich geplant. Die Bindung der Gemeinde an das Ergebnis des Bürgerentscheids besteht seit Oktober 2019 nicht mehr.
„Ein Riss scheint nun durch Aschau zu gehen. Es wird die Aufgabe des künftigen Rathaus-Chefs sein, zerschlagenes Porzellan zu kitten“, schrieb die Kollegin vor sechs Jahren. Wie sich die Bilder gleichen: Wieder muss „der Neue“ Wogen glätten. Wieder muss er eine geteilte Gemeinde einen. Verantwortung zu übernehmen ist für den engagierten Feuerwehrmann Simon Frank nichts Neues. Und beim Kitten von zerschlagenem Porzellan lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen, bleibt entspannt, denn: „Ich bin ziemlich diplomatisch veranlagt.“