Stephanskirchen-Baierbach – In dem kleinen Ort Baierbach am Simssee in der Gemeinde Stephanskirchen sind innerhalb eines Monats die beiden ältesten Bürgerinnen gestorben. Im Februar verschied einige Monate vor ihrem 100. Geburtstag Liselotte Hotter, eine große Tier- und Naturfreundin. Jetzt starb Hemine Mittasch, die mit ihrem schon früh verstorbenen ersten Mann Josef Milkreiter viele Jahre in Baierbach einen Kramerladen führte. Das Grundstück mit dem Kramerladen lag an einem kleinen Bach, so hatte das Geschäft nach kurzer Zeit den Namen „Bachkramer“ inne. Hier gab es alles, was das Herz begehrte, auch war der Laden ein Treffpunkt für die Dorfbewohner und vor allem die Kinder fanden in den eher mageren Nachkriegszeiten manche Leckerei. Zudem hatte die Bachkramerin einige Jahre lang am Simssee, beim jetzigen Baierbacher Badeplatz, an den Schönwetter-Wochenenden einen kleinen Verkaufskiosk.
Hermine Mittasch, verwitwete Milkreiter, wurde als Hermine Pribil am 4. Juli 1916 in Hausham bei Schliersee geboren. Sie stammte aus einer Bergmanns-Familie. Nach der Volksschule und Hausarbeitsschule schloss sie eine Lehre zur Herren-Schneiderin ab, Sie arbeite dann einige Jahre als Schneiderin. Später fing sie in Rottach-Egern als Zimmermädchen an. 1939 kam sie an den Simssee in den damaligen Gasthof Sandbichler und arbeitete hier als Bedienung. Hier lernte sie auch ihren ersten Mann Josef Milkreiter aus Baierbach kennen und lieben. Der Simssee und später Baierbach wurden somit ihre neue Heimat für das ganze Leben. 1939 wurde bereits geheiratet, denn ihr Mann musste zur Wehrmacht. 1940 kam Sohn Siegfried zur Welt.
Die Kriegs- und Nachkriegsjahre waren von großer Not geprägt. Jetzt kam ihr auch der erlernte Beruf der Schneiderin zugute. Die Familie zog 1951 zurück an den Simssee nach Baierbach. Aber schon 1959 starb ihr Mann nach längerem Leiden allzu früh.
Doch die Bachkramerin kämpfte unermüdlich weiter um ihren kleinen Laden – mit starker Unterstützung ihres Sohnes und später auch dessen Frau Christa. Ende 1973 schloss sie ihren Kramerladen.
1974 heiratete sie Franz Mittasch. Doch endete dieses Glück, als er im Jahr 2000 starb. Im Jahr zuvor hatten sie noch die Silberhochzeit gefeiert. Aber trotz aller Rückschläge konnte sie noch bei einigermaßen guter Gesundheit und geistig voll aktiv ihren 90. und 95. Geburtstag feiern und sich an einem Enkel und drei Urenkeln erfreuen, welche mit der Familie ihres Sohnes im Haus leben. Nach gesundheitlichen Rückschlägen und Stürzen verbrachte sie dann die folgenden Jahre mit Betreuung der Angehörigen und des Sozialwerks Stephanskirchen weiterhin in ihrer geliebten Wohnung in Baierbach. Nach ihrem 99. Geburtstag bekam sie noch im hohen Alter ein neues künstliches Hüftgelenk.
Aber schließlich blieb nur noch der Weg ins Pflegeheim übrig, St. Martin in Rosenheim. Hier hatte sie sich gut eingelebt.
Auch die Heilige Messe hat sie regelmäßig im Rollstuhl besucht. Für die Urenkelkinder Magdalena, Simon und Julia war sie die „Uroma“, die sie stets mit Freuden besuchten. Immer noch erstaunlich frisch und geistig voll da, konnte sie im Juli 2016 ihren 100. Geburtstag feiern.
Jetzt schloss sie nach einem langen, ereignisreichen Leben für immer die Augen. ni