Ein Engel am neuen Steg

von Redaktion

Bauwerk bei Dösdorf kostet rund 118000 Euro

Frasdorf – „Brücken verbinden – hier die beiden Ufer der Prien – voneinander Getrenntes kann leichter zueinander finden“, so Pfarrerin Betina Heckner bei der Segnung der neuen Brücke über die Prien bei Dösdorf noch vor der Ausgangsbeschränkung. Zusammen mit Pfarrer Paul Janßen stellte sie das Bauwerk und alle, die es künftig nutzen werden, unter den Schutz des Herrn. Die Anwohner von beiden Seiten des Flusses aus Dösdorf und Öd kamen zur Brückensegnung, dazu die Touristiker aus Aschau, Frasdorf und Prien. Dr. Heinrich Wrede stiftete die Brückenfigur – einen eisernen Engel.

Lückenschluss
nach sieben Jahren

Sieben Jahre nach der Sperrung des Dösdorfer Steges über die Prien und der damit verbundenen Unterbrechung des „Grenzenlos Wanderweges“ zwischen Aschau und Wildenwart ist die Lücke endlich wieder geschlossen. Bürgermeisterin Marianne Steindlmüller bedankte sich bei allen, die mit ihrer Arbeit und viel Beharrlichkeit zum Erfolg des Vorhabens beigetragen haben. „Was lange währt, wird endlich gut. Wir haben eine sehr schöne Brücke bekommen. 14 Tonnen Stahl wurden für das stählerne Bauwerk gebraucht, in dreieinhalb Metern Höhe überquert es künftig die Prien. Die Spannweite der Brücke beträgt 22 Meter. Damit kann in der Frasdorfer Gemeindeverwaltung ein wichtiges Kapitel abgeschlossen werden. Im Anschluss an die Stegweihe sind alle zu Steaksemmeln in Dösdorf eingeladen“. Bei der Brotzeit erzählte die Bürgermeisterin den Gästen dann noch die Geschichte vom Dösdorfer Brückenkrieg, der im September 1679 beinahe die Welt zwischen Aschau und Wildenwart durcheinander gebracht hätte.

Vollkommen unerwartet war die alte Brücke kurz vor Weihnachten 2013 wegen Einsturzgefahr gesperrt worden. Mehrere Betonbrocken hatten sich aus dem Bauwerk gelöst, die Stahlarmierung musste auf ihre weitere Tragfähigkeit überprüft werden. Eine eingehende Untersuchung ergab, dass eine wirtschaftliche Reparatur des Bauwerks aus den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts nicht mehr möglich war. Die Gemeinde Frasdorf überprüfte mehrere Möglichkeiten für einen Neubau und entschied sich schließlich für die Stahlbrücke.

„150 Jahre, wie die letzte Brücke, wird sie vielleicht nicht halten“, so Olaf Hoffmeyer vom Frasdorfer Bauamt, „aber wir werden uns längere Zeit keine Gedanken über eine Erneuerung machen müssen. Die Bauausführung hat so lange gedauert, da der Stahlbrückenbauer ständig volle Auftragsbücher, damit keine Zeit für die Bauausführung hatte und erst im Herbst dazu gekommen ist.“

Der Weg von Dösdorf zur Prien ist ein Feldweg, der bei nassem Wetter für Tieflader und Autokräne nicht befahrbar ist. Deshalb musste der Untergrund für den Brückenschlag trocken sein und die Prien nach Möglichkeit Niedrigwasser führen. „Die Brücke kostet nach aktuellem Stand 117439 Euro“ ergänzt Kämmerer Andreas Oppacher.

Wann der Vorgänger des jetzigen Bauwerks genau gebaut wurde, ließ sich im Gemeindearchiv nicht mehr feststellen. Vermutlich wurde sie im Zusammenhang mit dem Ausbau der Geh- und Reitwege rund um Schloss Wildenwart durch Großherzog Franz V. von Modena-Este in den 70er- Jahren des 19. Jahrhunderts erbaut. Dabei wurde nur der Zement mit Fuhrwerken direkt an die Baustelle angekarrt und das sonstige Material Kies und Wasser direkt aus der Prien entnommen; jede beteiligte Behörde, vom Naturschutz bis zum Wasserbau, würde heute die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Übergabeort
für Missetäter

Doch die Geschichte der Brücke reicht bedeutend weiter zurück: Jahrhundertelang markierte der Prienfluss die Grenze zwischen den beiden Herrschaften von Wildenwart und Hohenaschau. Die Brücke bei Dösdorf war der Hauptübergang über den Prienfluss, die Geländeformation links der Prien an der Brückenstelle lässt auf eine alte Befestigung schließen. An der Dösdorfer Brücke wurden Missetäter, die von einer Herrschaft in die andere geflohen waren wieder zurück überstellt und der Herrschaft gegeben.

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