Der Briefkasten wird zur Kasse

von Redaktion

Einkaufen in Aschau: Viele Geschäftsleute beleben den Ort mit neuen Ideen

Aschau – Einkaufen in Zeiten von Corona. Kleine Läden sind in ihrer Existenz bedroht, zugleich beeindruckt die Kreativität mancher Geschäftsleute. Hier die Eindrücke unserer Mitarbeiterin Elisabeth Kircher beim Einkauf in Aschau:

„Die Ruhe ist gespenstisch. Viele Geschäfte, die nicht der Grundversorgung für den täglichen Bedarf dienen, sind geschlossen. Bäcker, Metzger und die Apotheken weisen mit Schildern und Info-Zetteln darauf hin, dass sich nur maximal vier Personen pro Einkauf im Geschäft aufhalten dürfen oder dass es strikt erforderlich ist, Abstand zu halten. Auf anderen Schildern steht der innige Wunsch: ‚Bleiben Sie gesund!‘ Gewellte Plastikwände oder Absperrungen schützen die Mitarbeiter in den lokalen Geschäften hinter der Theke. In den Kassenbereichen kleben dazu gelbe Bänder zur Markierung des erforderlichen Abstands.

Trist ist das Dorfleben. Und doch gibt es Lichtblicke im so außergewöhnlichen Corona-Alltag. Manche Geschäftsleute überbieten sich geradezu in Kreativität. Ein Metzger informiert etwa, dass sein SB-Restaurant nach wie vor über die Mittagszeit geöffnet sei, ‚leider nicht mehr zum Hinsetzen, sondern nur noch zum Mitnehmen‘, so Metzgereifachverkäuferin Steffi Hofer.

Ein Gasthaus wirbt mit einem Lieferservice von Freitag bis Dienstag. Die Speisekarte sei online einsehbar. Der regionale Bauernmarkt, der nur am Freitag offen hat, bietet trotz geschlossener Grenzen immer noch österreichische Produkte an, die abgepackten Käse-Laibe werden wohl über den Zaun nach Bayern gereicht, wenn man den Worten der Damen hinter der Theke Glauben schenken darf.

Ein weiterer zusätzlicher Service läuft schon: ‚Aschau hoit zamm‘ – unter diesem Slogan hat der Seniorenbeirat Aschau in Zusammenarbeit mit dem Aschauer Helferkreis (AHK) und in Abstimmung mit der Gemeindeverwaltung und weiteren Helfern einen Lieferservice für alle Bürger in der Prientalgemeinde organisiert.

Beim Blumenladen steht die blühende Ware vor der Tür, ‚Selbstbedienung – Geld bitte in den Briefkasten an der Ecke einwerfen‘.

Buchladen liefert

über Nacht

Und der Buchladen mitten im Ort kann ebenfalls mit einem kleinen, aber hoffnungsvoll stimmenden Signal aufwarten: Nach wie vor werde über Nacht geliefert. Die Buchbranche profitiere momentan davon, dass Amazon seine Prioritäten auf sogenannte ‚systemrelevante‘ Produkte, setze, so Heide Taube, Besitzerin des Buchladens Buch und Café in Aschau per Telefon.

Zum Test versuche ich, bei Amazon ein englischsprachiges Buch zu bestellen. Tatsächlich informiert Amazon, dass es in unserer Region vorübergehend zu verlängerten Lieferzeiten komme. Anders bei meinem Aschauer Buchladen, wo ich das Buch am Folgetag (samt Rechnung) erhalte.

Ein Service, der in ‚normalen Zeiten‘ undenkbar wäre, aber in Corona-Zeiten haben Heide Taube und ihre Mitarbeiterin Ulrike Lauwitz umdisponiert und einen Lieferservice rund um Aschau und bis nach Frasdorf eingerichtet.

Für mich, die ich Buchhandlungen liebe, den Geruch von bedrucktem Papier, für mich, die ich gern in Buchregalen stöbere und die Empfehlungen durch Menschen, nicht durch Algorithmen schätze, ist dies jetzt in Corona-Zeiten ein wunderbarer Service, der zu Herzen geht.

Und ein Aufruf an uns alle in diesen so herausfordernden Zeiten zugleich: Unterstützen wir auch weiterhin den lokalen Handel vor Ort. Läden stehen für Leben im Dorf, sind Treffpunkt und machen einen großen Teil unseres Dorfes aus. Also bleiben wir nicht nur dahoam, sondern kaufen wir auch dahoam.“

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