Bad Endorf – Vor sechs Jahren war Doris Laban Bürgermeisterkandidatin des Aktionsbündnisses für Bad Endorf (ABE) und errang auf Anhieb den Chefsessel im Rathaus. Sie gewann die Stichwahl gegen Alois Loferer, der beim Urnengang am vergangenen Sonntag gut 65 Prozent der Stimmen holte und die 57-jährige Juristin nach nur einer Amtsperiode aus dem Amt drängte (wir berichteten).
Während Laban sich gleich nach der krachenden Wahlniederlage in den Urlaub verabschiedet hat, analysiert der stellvertretende Bürgermeister Wolfgang Kirner (SPD; zuvor CSU) sehr offen: Ohne das ABE einzuweihen, habe sich der Gemeinderat nach nur einem Jahr Amtszeit der neuen Rathauschefin hinter den Kulissen darauf verständigt, sie schnell wieder loszuwerden.
Eine Aussage, die Helmut Fleidl, Bürgermeisterkandidat der Überparteilichen Wählergemeinschaft und bisher nicht im Marktgemeinderat, entsetzt: „Wenn das so war, dann ist das unredlich. Dann haben die Herrschaften die Aufgabe von Gemeinderäten nicht verstanden. So eine Einstellung behindert doch auch die Entwicklung der Gemeinde!“
Doris Laban ist sprachlos, sagt nach kurzer Bedenkzeit: „Da haben mir offensichtlich einige ihre Niederlage 2014 nicht verziehen.“ Und manch ein Gemeinderat habe wohl nicht nachvollziehen können oder wollen, dass man in der Funktion auch unbequeme Entscheidungen treffen und gegenüber den Bürgern vertreten muss – wie die Schließung des maroden Moorbades oder Bau des Schulzentrums.
Unmut im Rat war
früh zu spüren
Alois Loferer (CSU), der künftige Bürgermeister, sieht die Angelegenheit nicht so eindeutig wie Kirner. Ja, der Unmut der Gemeinderäte sei früh und lange zu spüren gewesen, auch weil diese sich in ihrer ehrenamtlichen Arbeit „nicht wahrgenommen fühlten“. Dementsprechend kritisch sei die Berichterstattung der verschiedenen Fraktionen im örtlichen Mitteilungsblatt gewesen.
Da sei die Arbeit im Gemeinderat meist nicht wiederzuerkennen gewesen, konstatiert Dr. Horst Zeitler, Vorsitzender des ABE. Während im Rat zwar unterschwellig Unmut zu spüren war, sei trotzdem zusammengearbeitet worden, mit Ausnahme des Themenkomplexes Moorbad „herrschte immer große Einigkeit“. Das sei aber in der Öffentlichkeit anders kommuniziert worden.
Der Zweite Bürgermeister Kirner erklärt die Diskrepanz zwischen mit großer Mehrheit oder einstimmig gefassten Beschlüssen und der Front gegen Doris Laban gegenüber den OVB-Heimatzeitungen so, dass die Marktgemeinderäte versucht hätten, möglichst wenig Streit nach außen zu tragen. Aber: „Wir waren uns einig, dass Frau Laban nach sechs Jahren gehen muss. Egal, wer Nachfolger wird.“
Eduard Huber (Die Grünen) möchte diese Aussage inhaltlich nicht kommentieren. Doris Laban habe es von Anfang an nicht leicht gehabt: In Bad Endorf sei über viele Jahre vieles versäumt worden, der Aufgabenberg sei hoch gewesen. „Dann kam sie noch von außen und bekam es mit einer CSU zu tun, die nach der relativ knappen Niederlage ihre Wunden leckte…“ Erschwerend kam seiner Ansicht nach hinzu, dass Laban ein Mensch sei, der keine Fehler machen wolle, eher distanziert sei. Das habe sich angesichts des Unmutes derer, die ihre Einzelinteressen nicht durchsetzen konnten, nach seinem Eindruck noch verstärkt.
Als Ursache für Labans Scheitern sieht Huber, dass die Bad Endorfer sich vor der Wahl gefragt hätten, was sich für sie in den vergangenen sechs Jahren spürbar verbessert habe und wenig bis nichts gefunden hätten. Für Fleidl gibt es noch eine Ursache: Doris Laban habe die „Endorfer Seele“ nicht kennenlernen wollen, die sei ihr nicht wichtig gewesen.
Was Huber sauer aufstößt: „Herr Kirner war jetzt sechs Jahre lang Zweiter Bürgermeister. Wenn er solche Probleme mit Doris Laban hatte, dann hätte er den Posten nicht annehmen dürfen oder ihn abgeben müssen. Dieses Nachtreten hat Doris Laban nicht verdient.“ Die ist verblüfft über Kirners unverblümte Aussage, denn kurz vor der Wahl habe Kirner ihr auf dem Flur im Rathaus noch gesagt: „Wenn ich nicht gegen Dich in die Stichwahl komme, dann unterstütze ich Dich, denn den Loferer will ich bestimmt nicht.“
Verlierer spricht
von „Rufmord“
Kirner wirft der Bürgermeisterin und der Verwaltung vor, dass man als Gemeinderat schlecht arbeiten kann, wenn Unterlagen sehr spät kommen oder falsch sind.
Ein Vorwurf, der nicht erst sechs Jahre alt ist, den gab es auch schon in der Amtszeit von Labans Vorgängerin. Was Loferer, der 2012 in den Gemeinderat nachrückte und im Mai 2014 Kirner als CSU-Fraktionssprecher ablöste, indirekt bestätigt: Da müsse man aus langer Erfahrung lernen, es künftig besser zu machen.
Darauf ist Zeitler gespannt. Denn gerade Loferer und seine CSU hätten ziemlich zu Anfang der Legislaturperiode von Bürgermeisterin und Verwaltung gefordert, der Taktschlag müsse erhöht werden. „Wir werden ja sehen, ob und wie der Taktschlag jetzt erhöht wird.“
Doris Labans ernüchtertes und ernüchterndes Fazit nach sechs Jahren: „Mit Morddrohungen empfangen worden und mit Rufmord verabschiedet.“