„Riesenengpass beim Schutzmaterial“

von Redaktion

Corona-Krise: Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg mittlerweile stark betroffen

Wasserburg – Die Lage spitzt sich auch im kbo-Inn-Salzach-Klinikum zu: Derzeit befinden sich hier 19 positiv auf das Coronavirus getestete Patienten (Stand 30.März 2020) in Isolation. 13 Mitarbeiter haben ebenfalls ein positives Testergebnis, 63 sind in häuslicher Quarantäne, teilt Geschäftsführer Dr. Theodor Danzl auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen mit.

Derzeit seien zwar nur etwa 50 Prozent der Betten belegt, weil nur noch Notfälle aufgenommen und die Kapazitäten freigehalten würden für den Katastrophenschutz. Doch Danzl kann nicht ausschließen, dass es auch im Inn-Salzach-Klinikum personell zu Engpässen kommt, wenn sich die Zahl der erkrankten Mitarbeiter weiter steigern sollte. Etliche könnten Anfang April zurückkehren, weil sie genesen seien. Doch etwa 25, die vermutlich zurückkommen könnten, würden noch auf Testergebnisse warten. Bis diese eintreffen würden, dauere es derzeit: Wer wieder arbeiten will oder soll, muss zwei Tests mit negativen Bescheiden vorweisen, berichtet Danzl.

Kein Mitarbeiter
bedrohlich erkrankt

Kein Mitarbeiter ist bisher nach seinen Angaben lebensbedrohlich erkrankt. Zwei Patienten, die sich angesteckt hätten, seien aufgrund eines schweren Krankheitsverlaufes nach Rosenheim ans Romed-Klinikum verlegt worden.

Beatmungsplätze gibt es im Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum nicht, deshalb werden alle schwer an Corona Erkrankten in eine somatische Klinik verlegt, falls eine Intensivmedizin notwendig wird. Das Klinikum nimmt derzeit nur noch psychiatrische Notfälle auf. Dazu ist am Gelände am Festsaal ein Zelt aufgebaut worden, in dem die Klinik eine Screeningstelle eingerichtet hat.

Hier werden nach Danzls Informationen Patienten vor der Aufnahme durchgecheckt. Hier fahren auch die Krankenwagen mit Notfallpatienten vor.

Aufgenommen werden nur Patienten, die keine verdächtigen Symptome aufweisen. Dass trotzdem ein Risiko bleibt, ist Danzl bewusst. Schließlich heiße symptomfrei nicht virusfrei. Er bedauert deshalb die Tatsache, dass es noch keine Schnelltests gibt.

Alle Mitarbeiter – auch aus der Verwaltung – tragen Mundschutz, doch auch das sei leider kein hundertprozentiger Schutz vor Ansteckung.

Jeden Morgen tagt im Inn-Salzach-Klinikum um 8 Uhr der Krisenstab und bewertet die Situation neu. Sie ändere sich fast stündlich, sagt Danzl. Größtes Problem derzeit: „Ein Riesenengpass beim Schutzmaterial.“ Vor allem die FFP-Masken seien nur schwer zu bekommen. „Wir telefonieren uns derzeit dazu die Finger wund.“ Obwohl im Februar eine Großbestellung herausgegangen sei, könnten die Großhändler derzeit kaum liefern. Am 6. April erwarte die Klinik jedoch eine neue Lieferung von Schutzausrüstungen.

Was Danzl erzürnt: die explodierenden Preise. „Dass derzeit Unternehmen und Händler mit der Not der Menschen ihr Riesengeschäft machen, ist eine Schweinerei“, nimmt er kein Blatt vor den Mund. „Es rächt sich jetzt, dass wir in den vergangenen Jahren einen Großteil der Produktion – sei es für Arzneimittel oder für Medizinprodukte – ins Ausland verlegt haben.“

In Therapie
Mundschutze nähen

Wenn die Krise bewältigt sei, müsse in puncto Versorgungssicherheit ein Umdenken stattfinden, appelliert der Geschäftsführer. Wie gut, dass auch im Inn-Salzach-Klinikum kreativ gedacht wird: In der Beschäftigungstherapie werden derzeit auf Hochtouren Mundschutze genäht.

Danzl treibt trotzdem die Sorge um die weitere Entwicklung um. Eine Verlangsamung der Infektionsketten, so ist er überzeugt, „ist dauerhaft unsere einzige Chance gegen das hinterhältige Virus.“ Schnell müsste jetzt ein Impfstoff entwickelt werden – ebenso wie passende Medikamente. Niemals hätte der Geschäftsführer vermutet, dass er ein Jahr vor Beginn seines Ruhestands noch „so etwas Unvorstellbares“ erleben werde. „Wir alle schieben keine Panik, doch wir haben einen Heidenrespekt vor diesem Virus.“

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