Bad Endorf/Brannenburg/Frasdorf – Eine Karwoche ohne gemeinschaftliche Gottesdienste? Kaum vorstellbar. Die Corona-Krise zwingt aber auch die Christen zum Gebet dahoam. Die Kreativität der Seelsorger und Gläubigen in der Region ist aber beeindruckend: Mit Osterkrippen, Care-Paketen oder sogar einer Klagemauer begehen sie diese in der Kirchengeschichte wohl einmaligen Tage. Ganz nach dem Motto: „Wenn die Leute nicht zur Kirche kommen können, muss die Kirche eben zu den Leuten kommen.“ Die gesamte Karwoche soll für die Menschen „spürbar“ werden, sagt Seelsorgerin Ursula Sacheder aus Bad Endorf. Deshalb wird sie die Pfarrkirche St. Jakobus in einen symbolträchtigen Raum verwandeln, der den Menschen Trost und Hoffnung spendet. Vorzufinden sei dann zum Beispiel eine Klagemauer aus Ziegelsteinen, in die man kleine Zettelbotschaften stecken kann. Auch ein „Hoffnungsbaum“ werde aufgestellt, erklärt Sacheder. „Dort können die Menschen ihre Hoffnungen und Klagen loswerden.“ Am Karfreitag ziert ein aus Weizenkörnern errichtetes Kreuz die Kirche, das an Ostern grün aufblühen soll. Am Ostersonntag lasse man die Osterkerze in der Kirche brennen. Der Seelsorgerin ist es ein Anliegen, die Menschen miteinzubinden. „Der Glaube lebt von der Gemeinschaft“, sagt sie. Und da im Moment die Gemeinschaft nicht zusammenkommen dürfe, versuche sie nun, durch kreative Einfälle diese „große Lücke“ zu schließen.
Auch Pfarrer Klaus Hofstetter, zuständig für die Pfarrverbände Bad Endorf und Westliches Chiemseeufer, wurde erfinderisch und dachte sich: Warum nicht eine Osterkrippe gestalten?
Vor vier Jahren habe er zusammen mit ein paar Leuten aus dem Seelsorgeteam bei einem Krippenbau-Meister gelernt, wie man eine Krippe baut. Und damals habe er seine Krippe nicht gleich nach Weihnachten abgebaut, sondern bis nach Ostern stehen lassen. Bei einem Spaziergang vor zwei Wochen habe er überlegt, wie man während der Corona-Krise das Osterfest gestalten könne. Dann sei ihm der Gedanke gekommen, die Weihnachtskrippe wieder hervorzuholen und zu einer Osterkrippe werden zu lassen. „Es gibt ja in vielen Kirchen, so auch in der Endorfer Pfarrkirche St. Jakobus, Jahreskrippen, in denen zum Kirchenjahr passend biblische Szenen dargestellt werden“, erklärt Pfarrer Hofstetter. Darum der Vorschlag: Die Krippe hervorholen und Szenen des Evangeliums nachstellen.
Josef wird zum
erwachsenen Jesus
„Jeder hat einen Esel zu Hause“, sagt Hofstetter. Den könne man problemlos zu einem „Auferstehungsesel“ umfunktionieren. Josef werde zum erwachsenen Jesus und der Verkündigungsengel werde kurzerhand zum Auferstehungsengel. Der Glaube trete dadurch „mehr ins Bewusstsein“.
Auch der Pfarrverband Oberes Priental möchte die Bevölkerung mit geweihten Palmzweigen versorgen. In den Pfarreien Darstellung des Herrn (Aschau), St. Margaretha (Frasdorf) und Hl. Blut (Umratshausen) können sich die Leute am morgigen Palmsonntag geweihte Palmzweige mit nach Hause nehmen, erklärt Anna Ramsauer von der Verwaltung des Pfarrverbands Oberes Priental. In Sachrang können die Einwohner ihre Palmbüschel, mit Namen versehen, heute noch in die Pfarrkirche St. Michael bringen. Nach der Segnung können diese im Laufe des Palmsonntags wieder abgeholt werden. Wer auf Gottesdienste nicht verzichten möchte, findet auf der Homepage des Pfarrverbands Oberes Priental Anregungen für einen Hausgottesdienst, erklärt Ramsauer.
Hausgottesdienste bietet auch der Pfarrverband Selige Irmengard an. Die Gebetsunterlagen sind auf der Homepage des Pfarrverbandes zu finden. „Um auch unsere Senioren ohne Internet zu versorgen, haben wir die Unterlagen zugestellt“, sagt Pfarrer Andreas Przybylski. Seit dem dritten Fastensonntag können Interessierte das Angebot wahrnehmen. Das Ganze sei „wie ein kleiner Gottesdienst“ für zu Hause aufgebaut. Und, wie der Pfarrer versichert, das Angebot komme an: „Die Leute sollen spüren, Gott ist bei mir“, sagt er. Gebetet werde immer, auch wenn es im Moment keine Gottesdienste gebe.
Am morgigen Palmsonntag sowie am Ostersonntag seien die Kirchen des Pfarrverbands Selige Irmengard geöffnet. Die Leute können dort gesegnete Palmbuschen, Osterkerzen und ein „Oster-Care-Paket“ abholen. Eine Besonderheit hat sich Pfarrer Przybylski einfallen lassen: An die 300 Pakete habe er geschnürt. Darin befinden sich jeweils eine Osterkerze, ein verschlossenes Glas mit Weihwasser, ein Päckchen Salz, ein Schoko-Ei sowie ein Gebetsbild von der Auferstehung Jesu. Damit möchte er den Menschen eine kleine Freude machen.
Geschmückte Kreuze
an den Weihbischof
Was wäre der Karfreitag ohne ein Kreuz, findet Helmut Kraus, Dekan des Dekanats Inntal. Und deshalb möchte er die Pfarreien des Dekanats Inntal dazu animieren, am Karfreitag ein bekanntes Kreuz zu schmücken. Wer ein schönes Objekt veröffentlichen möchte, kann es Weihbischof Wolfgang Bischof unter bilder@rs-erzbistum.eu senden. All diese kreativen Einfälle zeigen: Die Seelsorger unterstützen die Gläubigen, so gut es geht. Vielleicht sei die Krise für die Bevölkerung auch eine Chance, die Feiertage sowie Gottesdienste neu kennenzulernen und intensiver zu erleben, sagt Pfarrer Przybylski.