Riedering – Sie sind nicht nur Freunde, sie sind wie Geschwister, schildert Hildegard Grotjohann die Freundschaft zwischen Matteo (11), ihrem Sohn, und Nachbarin Leni-Rose (12). Die beiden Nachbarskinder wohnen in Beuerberg bei Riedering und kennen sich, seit sie krabbeln können. Sie waren gemeinsam in der Kita, in der Grundschule und nun sind sie auch in derselben Klasse des Ignaz-Günther-Gymnasiums in Rosenheim. Seit der Ausgangsbeschränkung dürfen sich die Sechstklässler nicht mehr treffen. Aber ein Schnappschuss von Hildegard Grotjohann beweist: Auch ein Coronavirus kann ihre Freundschaft nicht entzweien.
Wasserschlachten
über den Gartenzaun
Nach einigen Tagen, als Besuche schon nicht mehr erlaubt waren, haben die Kinder angefangen über den Gartenzaun zu kommunizieren, erzählt Hildegard Grotjohann. Und kreative Lösungen ließen nicht lange auf sich warten: „Zuerst haben wir Bälle über den Gartenzaun geworfen, später haben wir dann Wasserbomben geschmissen“, schildert Leni-Rose. Zu Ostern habe sie ein neues Trampolin geschenkt bekommen. Seither zeige sie Matteo über den Gartenzaun auch ihre neuesten Flick-Flack-Tricks.
Familie Gehle und Familie Grotjohann seien eng miteinander befreundet, erzählt Hildegard Grotjohann. Als die Ausgangsbeschränkung verhängt wurde, sei das schon ein kleiner Schock gewesen. Sowohl für die Kinder als auch die Erwachsenen. Hildegard Grotjohann dachte sich: „Wir dürfen Euch nicht mehr sehen? Aber Ihr gehört doch zur Familie!“ Leni-Rose gehe bei ihnen im Haus ein und aus. Umgekehrt sei es genauso: Auch Matteo sei ein gern gesehener Gast bei den Gehles. Dass jetzt niemand mehr an der Haustüre klingle, sei „ungewohnt“, findet Leni-Rose.
In Beuerberg führen die Kinder in der Nachbarschaft ein Bullerbü-Leben, erklärt Melanie Gehle, die Mutter von Leni-Rose. Jetzt sei die Nachbarschaft „wie ausgestorben“.
Wie die Freunde ihre Freizeit im Moment sonst so verbringen? Mit Reiten und Turnen im Garten, erzählt Leni-Rose. Seit Kurzem ist sie auch große Schwester geworden und kümmert sich gerne um ihre kleine Schwester Riva. „Aber manchmal, da möchte man nicht nur mit der kleinen Schwester spielen, sondern auch mit Freunden“, gesteht die Zwölfjährige. Und obwohl ihr der Schulunterricht zu Hause gefällt, vermisst sie eben auch den Schulalltag und ihre restlichen Freunde.
Matteo verbringt seine Freizeit während der Corona-Krise mit Fahrradfahren oder Skaten. Aber auch für die Schule sei viel zu tun. Zurzeit müsse er viele Lateinvokabeln büffeln, schildert er.
Bald wieder
vereint aufs Trampolin
Wie Ministerpräsident Markus Söder am Donnerstag verkündet hatte, werde die Ausgangsbeschränkung ab kommender Woche etwas gelockert. Ab Montag sei es erlaubt, sich mit einer Kontaktperson außerhalb des Haushaltes im Freien zu treffen. Darüber freuen sich Matteo und Leni-Rose. Ballspiele über den Zaun seien schon „okay“. Aber es sei eben nicht dasselbe, sind sich beide einig. Was sie als Erstes tun werden? „Gemeinsam Trampolin springen und Federball spielen“, sagt Matteo. Leni-Rose pflichtet dem bei: Matteo müsse unbedingt ihr neues Trampolin ausprobieren.